Die Billigfluggesellschaft Ryanair hat angekündigt, dass man die Präsenz auf dem Flughafen Wien-Schwechat weiter zurückfahren wird. Nachdem in der laufenden Winterperiode 2025/26 bereits drei Maschinen abgezogen wurden, sollen im Sommer 2026 zwei weitere folgen. Als Begründung gibt man hohe Standortkosten sowie die österreichische Flugticketabgabe an.
Nach dem Kollaps der Air-Berlin-Group, der auch Niki angehörte, trat in Wien ein regelrechter Lowcost-Boom ein. Ryanair/Lauda, Level und Wizz Air lieferten sich einen harten Konkurrenzkampf, der teilweise im einstelligen Eurobereich ausgetragen wurde. Darauf hatten andere Anbieter, beispielsweise Eurowings und Easyjet, irgendwann keine Lust mehr und zogen sich zurück. Der orangefarbene Lowcoster war einige Zeit komplett abwesend und Eurowings konzentrierte sich auf den Deutschland-Österreich-Verkehr. Die IAG wählte für ihre hochdefizitäre Österreich-Tochter einen ganz anderen Weg, denn im Zuge der Corona-Pandemie „entsorgte“ man diese über ein Konkursverfahren.
Wizz Air und Ryanair meinten weiterhin Strecken doppeln zu müssen und sich einen teuren Preiskampf liefern zu müssen. Betrachtet man die Beförderungsleistung, so hatten die Iren eindeutig die Nase vorn. Der pinkfarbene Konkurrent begann die direkte Konfrontation mit Ryanair zu vermeiden und baute das Streckennetz schleichend um. Im September 2025 folgte dann der Paukenschlag, denn die Schließung der Basis Wien und die Einstellung aller Routen wurden angekündigt. Wizz Air begründete diesen Schritt mit hohen Gebühren am Flughafen Wien sowie eben der österreichischen Flugticketabgabe. Parallel beginnt man damit im slowakischen Bratislava die Basis, die erst im Sommer 2025 eröffnet wurde, stark auszubauen.
Die neue Liebe für Bratislava
Zahlreiche Routen, die nun ab Bratislava angeboten werden sollen, hatte man bereits ab Wien im Portfolio. Einige Strecken sind aus der Sicht von Wizz Air aber in dieser geografischen Region gänzlich neu. Für den Flughafen Bratislava sind es aber keine echten Premieren, denn beispielsweise Berlin wurde vor vielen Jahren von Skyeurope und Easyjet angeboten sowie Basel hatte die gescheiterte Skyeurope auch zeitweise im Angebot. Scheinbar spekuliert man bei Wizz Air darauf, dass man an den einstigen Erfolg, den Skyeurope in den ersten Jahren hatte, anknüpfen kann und Passagiere aus Ostösterreich im großen Stil dazu bewegen kann ab Bratislava statt ab Wien zu fliegen. Zur Erinnerung: Skyeurope hat Anfangs sogar einen eigenen Shuttlebus, der ab Erdberg verkehrt ist und auf die Flugzeiten abgestimmt war, unterhalten. Derartige Pläne hat man bei Wizz Air zwar nicht, jedoch bieten Slovak Lines, Regiojet und Flixbus ihre Dienstleistungen ganz unabhängig von einem Flugticket für kleines Geld an.
Auch bei Ryanair ist zu beobachten, dass man eine neue Liebe für den Flughafen Bratislava entdeckt hat, denn in der Pressemitteilung, in der man die neuerliche Reduktion der Wien-Präsenz angekündigt hat, ist explizit die Rede davon, dass die in Österreich abgezogene Kapazität nach Ungarn, Italien und eben in die Slowakei verlagern wird. Diese Länder erheben, nebst Schweden, keine Ticketsteuer. Generell ist die Gebührenstruktur auf dem slowakischen Hauptstadtflughafen niedriger als in Wien. Österreichische Airports sind im internationalen Vergleich durchaus teuer, was sich aus einer gesetzlichen Regelung ergibt, die finanzielle Mieseren wie in Klagenfurt und zuletzt in Linz eigentlich verhindern sollte.
Über Jahre hinweg hat Ryanair in Wien trotz bestehender Ticketsteuer und auch einer von der damaligen „Klimaschutzministerin“ Leonore Gewessler (Grüne) durchgesetzte Erhöhung dieser immer weiter expandiert. Es ist also nicht so, dass es sich um eine völlig überraschende neue Abgabe handelt, sondern man will diese schlichtweg loswerden. Damit steht der Lowcoster keinesfalls alleine da, denn die komplette Luftfahrtbranche läuft in Österreich seit vielen Jahren Sturm gegen die Ticketsteuer. Allerdings hatte man bis dato auch schlechte Karten in Sachen Argumentation gegenüber der Politik, denn das Wachstum fand weiterhin in Österreich, mit deutlichem Schwerpunkt Wien statt, während der vermeintlich gefährliche Konkurrent Bratislava vor sich hindümpelte. Nun ist die Situation ein wenig anders, denn in der Slowakei stehen die Zeichen auf Wachstum. Ob aber ein paar Wizz-Air- und Ryanair-Maschinen erreichen, dass dem Wiener Airport die Passagierzahlen einbrechen und die Aktionäre beginnen nervös zu werden, ist fraglich.
Austrian Airlines kann nicht „kompensieren“
Letztlich ist es aber so, dass Kapazität und Strecken wegfallen. Wer nun glaubt, dass Austrian Airlines das schon irgendwie kompensieren wird und sich darüber freuen kann, mitunter höhere Ticketpreise durchsetzen zu können, der irrt. Die österreichische Lufthansa-Tochter hat sich selbst in den letzten Jahren hinsichtlich der Flottengröße deutlich verkleinert und hat auch unter Berücksichtigung der neuen Liebe für Wetleases die benötigte Kapazität nicht zur Verfügung. Da man sich auch von 13 von 17 Embraer-195-Jets zu Gunsten von Air Dolomiti trennen muss, ist eher mit weniger als mit mehr Kapazität zu rechnen. Niemand kann eine Garantie dafür abgeben, dass jene E195, die momentan von der AUA selbst betrieben werden, künftig „operated by Air Dolomiti“ ab Wien zum Einsatz kommen. Die Lufthansa Group hat auch in München, Frankfurt, Zürich, ja sogar Rom und Mailand-Linate ebenfalls einen erheblichen Bedarf in diesem Größensegment. Somit wird es zu einem konzerninternen Wettbewerb kommen, aber das ist nicht wirklich eine Neuigkeit, denn auch bei der Zuteilung werksneuer Maschinen stehen die Konzernmitglieder untereinander im Wettbewerb.
Der Abzug von zwei Ryanair-Maschinen mag auf den ersten Blick nicht sonderlich viel sein, aber rechnet man zusammen, dass die Iren insgesamt fünf Flugzeuge aus Wien abziehen, der Konkurrent Wizz Air sich komplett aus der österreichischen Hauptstadt verabschiedet, muss man kein mathematisches Genie sein, um zum Schluss zu kommen, dass der Vorstand der Flughafen Wien AG sich etwas einfallen lassen muss, wenn man weiterhin Jahr für Jahr neue Rekordzahlen präsentieren möchte. Wenig überraschend: Auch der Airport spricht sich für die Abschaffung der Flugticketabgabe aus.
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