Department of Transportation (Foto: MBisanz).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Eskalation im Nordamerika-Luftraum: USA entziehen mexikanischen Airlines weitreichende Flugrechte

Werbung

Das amerikanische Verkehrsministerium (department of transportation, dot) hat die Genehmigung für 13 von mexikanischen Fluggesellschaften betriebene Flugrouten entzogen und sämtliche kombinierten Passagier- und Frachtflüge von mexikanischen Carriern, die über den neuen internationalen Flughafen Felipe Angeles (nlu) bei Mexiko-Stadt abgewickelt werden, mit sofortiger Wirkung ausgesetzt. Diese drastische Maßnahme stellt eine erhebliche Eskalation in dem seit Jahren schwelenden Streit um die Einhaltung des bilateralen Luftverkehrsabkommens zwischen den beiden Ländern dar.

Die Anordnung des dot blockiert bestehende und geplante Flüge von Aeromexico, Volaris und Viva Aerobus. Gleichzeitig wird das weitere Wachstum von kombinierten Passagier- und Frachtdiensten mexikanischer Fluggesellschaften zwischen den Vereinigten Staaten und dem älteren Flughafen Benito Juarez International (mex) in Mexiko-Stadt eingefroren. Darüber hinaus ist mexikanischen Passagierfluggesellschaften untersagt, Fracht zwischen Juarez und US-Zielen zu befördern, wobei dieses Verbot innerhalb der nächsten drei Monate in Kraft treten soll.

US-Verkehrsminister Sean Duffy begründete die Entscheidung mit wiederholten und schwerwiegenden Verletzungen des bilateralen Abkommens durch die mexikanischen Behörden. Duffy warf Mexiko vor, seit 2022 US-Flüge „illegal storniert und drei Jahre lang eingefroren“ zu haben. Er betonte, dass Washington nun „sie zur Rechenschaft ziehen“ werde. In einer klaren Aussage warnte Duffy, dass „kein Land die Möglichkeit haben soll, unsere Carrier, unseren Markt und unsere Flieger ohne Konsequenzen auszunutzen.“

Kern des Konflikts: Slot-Entzug und Frachtverlagerung

Der bilaterale Konflikt hat seinen Ursprung in zwei Hauptmaßnahmen, die die mexikanische Regierung in den Jahren 2022 und 2023 ergriffen hat. Erstens beklagte das dot die willkürliche Annullierung und den Entzug historischer Start- und Landerechte (Slots) für US-Fluggesellschaften am stark ausgelasteten Flughafen Benito Juarez. Offiziell wurden die Slots aufgrund von Kapazitätsengpässen reduziert. Das dot behauptet jedoch, dass diese Slots stattdessen mexikanischen Carriern, einschließlich der staatlichen Mexicana de Aviación, die 2023 ihren Betrieb wieder aufnahm, bevorzugt zugeteilt wurden. Dies führe zu einer unfairen Benachteiligung der US-Fluggesellschaften.

Zweitens verschärfte sich die Situation 2023, als Mexiko alle reinen Frachtfluggesellschaften zwang, ihre Flüge vom zentral gelegenen Juarez International Airport an den neuen, etwa 50 Kilometer vom Stadtzentrum entfernten Felipe Angeles International Airport (nlu) zu verlegen. Die US-Regierung wertet diesen Zwangsumzug, der ohne Konsultation der betroffenen Frachtunternehmen erfolgte, als Verstoß gegen das bilaterale Abkommen von 2015, das US-Carriern das Recht auf All-Cargo-Dienste zu jedem Punkt in Mexiko garantiert und eine „faire und gleiche Wettbewerbsmöglichkeit“ sicherstellen soll. Die US-Frachtunternehmen, darunter große Akteure wie fedex und ups, äußerten Bedenken hinsichtlich der Infrastruktur und der erhöhten Betriebskosten am nlu.

Das dot kritisierte, dass Mexiko es versäumt habe, die zur Sättigung des Juarez-Flughafens führenden Analysen und die Details zur Slot-Vergabe transparent zu machen. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass Mexiko zu einer vollständigen Einhaltung des Abkommens zurückkehren werde.

Konkrete Auswirkungen auf den Flugverkehr

Die von der dot-Anordnung betroffenen Strecken verdeutlichen die weitreichenden Konsequenzen für den Luftverkehr. Zu den sofort annullierten Routen gehören unter anderem die geplante Verbindung von Aeromexico zwischen Mexiko-Stadt Juarez und San Juan (Puerto Rico), Volaris‘ neue Strecke von Juarez nach Newark sowie eine Reihe von geplanten Flügen von Viva Aerobus vom Felipe Angeles Airport zu neun US-Städten, darunter wichtige Metropolen wie Austin, New York, Chicago, Dallas, Denver, Houston, Los Angeles, Miami und Orlando. Auch die bereits bestehenden Aeromexico-Verbindungen von Felipe Angeles nach Houston und McAllen (Texas) sind betroffen.

Für Reisende, insbesondere amerikanische Staatsbürger, warnte das dot vor möglichen Auswirkungen auf ihre Reisepläne und riet dazu, sich bezüglich Umbuchungen oder Rückerstattungen direkt an die Fluggesellschaften zu wenden.

Die Bedeutung des nordamerikanischen Luftverkehrsmarktes unterstreicht das Ausmaß des Konflikts: Das Analysehaus Cirium schätzt, dass die Routen zwischen Mexiko und den USA fast 10 Prozent des gesamten internationalen Flugverkehrs Nordamerikas ausmachen. Eine anhaltende Aussetzung von Flügen könnte zu einem Anstieg der Flugpreise, einer Verringerung der Konnektivität und einem erheblichen wirtschaftlichen Druck auf die mexikanischen Fluggesellschaften führen, die bereits mit engen Margen und steigenden Betriebskosten zu kämpfen haben.

Parallelen und ein neues Kapitel im transatlantischen Streit

Die jüngsten Maßnahmen des dot sind Teil einer umfassenderen Strategie der US-Regierung, die internationalen Luftverkehrsabkommen strikt durchzusetzen und US-Interessen im Sinne einer „America First“-Doktrin zu schützen. Die harte Linie gegenüber Mexiko findet eine Parallele in den Aktionen gegen das Joint Venture zwischen Delta Air Lines und Aeromexico. Bereits im September 2025 hatte das dot die Auflösung dieser Kooperation, die es den beiden Carriern ermöglichte, Flugpläne und Tarife auf US-Mexiko-Routen zu koordinieren, zum 1. Januar 2026 angeordnet. Die Regulierungsbehörden begründeten diesen Schritt mit „anhaltenden wettbewerbswidrigen Auswirkungen“ und einer unfairen Bevorteilung der beiden Airlines in Schlüsselmärkten. Delta und Aeromexico fechten diese Anordnung derzeit vor einem US-Bundesgericht an.

Verkehrsminister Duffy signalisierte zudem eine generelle Verschärfung der Aufsicht über internationale Abkommen. Er warnte kürzlich auch europäische Regierungen davor, einseitige Beschränkungen für den transatlantischen Reiseverkehr zu erlassen. Analysten sehen in dieser entschlossenen Haltung des dot den Versuch, die Macht der USA als größter Luftverkehrsmarkt der Welt als Druckmittel einzusetzen, um eine vollständige Einhaltung des sogenannten Open-Skies-Rahmenwerks und die Wahrung amerikanischer Wirtschaftsinteressen zu gewährleisten. Die anhaltenden Konflikte zwischen Washington und Mexiko-Stadt zeigen, dass die Luftfahrt zu einem zunehmend geopolitischen Instrument geworden ist. Die Entscheidung des dot sendet eine klare Botschaft an Mexiko, dass die unilateralen Entscheidungen bezüglich der Slot-Vergabe und der Frachtverlagerung nicht ohne Konsequenzen bleiben werden, solange keine substanzielle Lösung im Sinne des bilateralen Luftverkehrsabkommens gefunden wird.

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung