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Ungebrochenes Interesse am US-Reisemarkt: Deutsche Passagierzahlen stabilisieren sich trotz politischer und wirtschaftlicher Hürden

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Trotz verschärfter geopolitischer Rahmenbedingungen, restriktiverer Einreisebestimmungen der Vereinigten Staaten und anhaltend hoher Ticketpreise bleibt das transatlantische Reiseinteresse deutscher Passagiere stabil.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat in einer umfassenden Analyse von Flugdaten festgestellt, dass der anfängliche Passagierrückgang, der unmittelbar auf den Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump und Berichte über strengere Grenzkontrollen im Januar und Februar 2025 folgte, schnell wieder ausgeglichen wurde. In den Folgemonaten stabilisierte sich die Zahl der Direktpassagiere aus Deutschland in die USA auf Vorjahresniveau. Dieser Trend hält an, obwohl die Ticketpreise im Durchschnitt um sechs bis sieben Prozent über den Werten des Vorjahres lagen, was die Robustheit der transatlantischen Reisedynamik unter Beweis stellt.

Anfänglicher Schock durch verschärfte Einreisebestimmungen

Unmittelbar nach dem Amtsantritt der neuen US-Regierung zu Beginn des Jahres 2025 registrierte das DLR auf Basis von Daten der Plattform Sabre MI einen leichten Rückgang der Passagierzahlen von Deutschland in die USA um zwei Prozent in den Monaten Januar und Februar. Dieser vorübergehende Einbruch korrelierte mit Medienberichten über verschärfte Befragungen und Zurückweisungen an den US-Einreisekontrollen.

Die Berichterstattung über diese restriktiveren Maßnahmen im Rahmen der neuen US-Einreisepolitik löste eine kurzfristige Verunsicherung bei potenziellen Reisenden aus Deutschland aus. Für einen kurzen Zeitraum schien die Kombination aus politischer Unsicherheit und der Sorge vor unvorhergesehenen Schwierigkeiten bei der Einreise die Reisebereitschaft zu dämpfen.

Stabilisierung trotz erhöhter Reisekosten

Die Auswertung der Flugdaten für die Folgemonate bis einschließlich Mai zeigt jedoch eine rasche Erholung des Marktes. Die Zahl der Direktpassagiere von Deutschland in die Vereinigten Staaten stabilisierte sich wieder auf dem Niveau des Vorjahres. Im Mai flogen erneut rund 500.000 Passagiere auf Direktflügen von Deutschland in US-amerikanische Zielorte.

Diese Erholung fand statt, obwohl die Ticketpreise im Vergleich zum Vorjahr deutlich angezogen hatten. Im Durchschnitt waren die Flugtickets in diesem Zeitraum sechs bis sieben Prozent teurer als zwölf Monate zuvor. Die anhaltende Reisebereitschaft der deutschen Konsumenten trotz höherer Preise deutet darauf hin, dass die Nachfrage nach Transatlantikreisen, insbesondere in die USA, relativ preisunelastisch ist. Dies ist oft der Fall bei Geschäftsreisen, notwendigen Familienbesuchen oder Reisen in das Premiumsegment.

Die Stabilität des transatlantischen Luftverkehrs steht in gewissem Kontrast zur insgesamt als „wirtschaftlich schwach“ beschriebenen Lage in Europa, was die prioritäre Bedeutung der Verbindung zwischen den beiden Wirtschaftsräumen unterstreicht.

Der transatlantische Markt im globalen Vergleich

Der Flugverkehr zwischen Deutschland und den USA ist einer der wichtigsten und am stärksten umkämpften internationalen Märkte. Die Verbindungen werden maßgeblich durch Joint Ventures großer Fluggesellschaften, wie dem der Lufthansa Group mit United Airlines und Air Canada, bedient, die gemeinsam Kapazitäten und Preise koordinieren. Die anhaltende stabile Nachfrage aus Deutschland ist für diese Airline-Allianzen von großer Bedeutung.

Im weiteren Vergleich der Quellmärkte innerhalb Europas zeigen die Daten des DLR, dass sich der britische Markt, der historisch ebenfalls eine sehr starke transatlantische Verbindung aufweist, stabil entwickelt. Dies deutet auf eine breitere, gesamteuropäische Stabilität der Nachfrage nach US-Flügen hin, die die kurzfristigen politischen Effekte überdauert hat.

Eine deutlich schwächere Vorausbuchungslage registrierte das DLR hingegen für Flüge zwischen Kanada und den USA. Die Gründe hierfür sind vielschichtig und können sowohl die dortige wirtschaftliche Entwicklung als auch spezifische Reisebeschränkungen oder eine stärkere Nutzung alternativer Verkehrsträger umfassen.

Gedämpfte Erwartungen zum Jahresende

Für das Jahresende sehen die DLR-Experten jedoch eine Abschwächung der Dynamik. Die Vorausbuchungen für Flüge aus Deutschland in die USA lagen für den Monat Dezember bis zu fünf Prozent unter den Vergleichswerten des Vorjahres.

Die Interpretation der Vorausbuchungslage erfordert laut DLR-Experten allerdings Vorsicht. Die kurzfristige Buchungsentwicklung kann durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst werden, darunter gezielte Preisaktionen der Fluggesellschaften, saisonale Effekte und die anhaltende wirtschaftliche Unsicherheit, die die Konsumentscheidung verzögern kann. Reisende könnten angesichts der Inflation und der allgemeinen Wirtschaftslage länger zögern, nicht dringend notwendige Reisen langfristig zu buchen, und auf Last-Minute-Angebote oder eine klarere Wirtschaftsprognose warten. Sollte sich dieser Trend im Dezember bestätigen, würde dies eine potenzielle Verlangsamung der Geschäfts- und Urlaubsreisen zum Jahreswechsel bedeuten. Dies wäre ein Hinweis darauf, dass die wirtschaftlichen Sorgen der Konsumenten, die die höheren Ticketpreise bislang scheinbar ignoriert haben, zum Ende des Jahres doch stärkere Auswirkungen auf die Reiseentscheidungen zeigen. Die weitere Entwicklung der Buchungsraten und der durchschnittlichen Ticketpreise wird zeigen, ob die Stabilität des transatlantischen Luftverkehrs im Jahr 2026 fortgesetzt werden kann oder ob die Kombination aus strengerer Politik und wirtschaftlichem Gegenwind die Reisezahlen in den USA-Verkehr aus Deutschland dauerhaft beeinträchtigt.

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