Das Oberste Verwaltungsgericht Thailands hat den Antrag der Thai Pilots Association (TPA) auf eine einstweilige Verfügung gegen die Zulassung ausländischer Piloten für Inlandsflüge abgelehnt. Die TPA hatte versucht, die von der Regierung erteilte Genehmigung, Fluggesellschaften die temporäre Anmietung von Flugzeugen samt ausländischer Besatzung (Wet-Lease) für bis zu sechs Monate zu erlauben, umgehend außer Kraft zu setzen.
Das Gericht begründete seine Entscheidung damit, dass eine Aussetzung der bestehenden Genehmigungen den Flugbetrieb massiv stören und somit Passagiere sowie Frachtdienste beeinträchtigen würde. Obwohl der Eilantrag abgewiesen wurde, hält die Pilotenvereinigung an ihrer Hauptklage fest, die auf die vollständige Aufhebung der Genehmigung abzielt. Der Fall beleuchtet den tiefgreifenden Konflikt zwischen dem wirtschaftlichen Expansionsdrang der thailändischen Fluggesellschaften und der anhaltend hohen Arbeitslosigkeit unter lokalen Piloten.
Hintergrund der Kontroverse: Wet-Lease als Notlösung
Die Genehmigung zur temporären Beschäftigung ausländischer Crews resultiert aus einer Entscheidung des vorherigen Kabinetts, die darauf abzielte, den Flugbetrieb thailändischer Fluggesellschaften schnell zu erweitern. Insbesondere während der Hochsaison 2024/25, in der die Nachfrage nach Inlandsflügen stark ansteigt, berief sich die Regierung auf einen angeblichen Mangel an verfügbaren lokalen Piloten. Das Arbeitsministerium erteilte die Sondergenehmigung, die es Airlines erlaubt, Flugzeuge im Wet-Lease – inklusive Besatzung – für maximal sechs Monate zu nutzen. Im Zuge dieser Maßnahme erhielten 38 ausländische Piloten und Co-Piloten temporäre Arbeitserlaubnisse.
Als konkretes Beispiel für diesen Trend diente der Fall von Thai VietJetAir, die zwei Airbus A320-200s inklusive Besatzung von Avion Express aus Vilnius für Inlandsrouten einsetzte.
Die Thai Pilots Association bestreitet jedoch die Begründung eines Pilotenmangels vehement. TPA-Präsident Teerawat Angkasakulkiat betonte, dass qualifizierte thailändische Piloten in ausreichender Zahl verfügbar und bereit zur Arbeit seien. Die Vereinigung argumentiert, dass die Erlaubnis für ausländische Crews die Arbeitsmarktchancen und die Karriereentwicklung von thailändischen Flugzeugführern direkt negativ beeinflusst.
Der Arbeitsmarkt unter Druck
Die Klage der TPA und die öffentliche Debatte sind Ausdruck eines anhaltend angespannten Arbeitsmarktes für Piloten in Thailand. Teerawat Angkasakulkiat wies darauf hin, dass die Arbeitslosigkeit unter thailändischen Piloten weiterhin hoch sei. Dieser Zustand wird durch mehrere Faktoren verschärft:
- Verzögerungen bei Flugzeuglieferungen: Globale Lieferengpässe, insbesondere bei Herstellern wie Boeing, verzögern die Auslieferung neuer Flugzeuge an thailändische Fluggesellschaften. Da neue Flugzeuge neue Stellen schaffen, wirkt sich diese Verzögerung direkt auf die Einstellungsrate aus. Die thailändische Luftfahrtbranche, die sich nach der Pandemie schnell erholen wollte, wird durch diese Engpässe ausgebremst.
- ACMI als Umgehung des lokalen Arbeitsmarktes: Das Wet-Lease-Modell (Aircraft, Crew, Maintenance, Insurance) wird von Airlines genutzt, um kurzfristig Kapazität zu schaffen. Aus Sicht der TPA wird dieses Modell jedoch missbraucht, um die Anstellung lokaler Piloten zu umgehen, da die Crews im Paket mit dem Flugzeug gemietet werden. Sollte sich diese Praxis etablieren, befürchtet die TPA eine dauerhafte Schwächung des thailändischen Luftfahrtsektors und der Pilotenausbildung.
- Selektive Neueinstellungen: Obwohl große nationale Carrier wie Thai Airways International (TG) Berichten zufolge Einstellungsverfahren für Flugschüler (Student Pilots) für ihre zukünftige Airbus A321-200NX-Flotte durchführen, reicht die erwartete Zahl der Neueinstellungen bei weitem nicht aus, um die große Zahl der arbeitslosen, bereits qualifizierten Piloten aufzunehmen.
Gerichtsentscheidung und die Folgen für den Flugbetrieb
Das Oberste Verwaltungsgericht lehnte die einstweilige Verfügung hauptsächlich aus operativen Gründen ab. Das Gericht urteilte, dass eine sofortige Aussetzung der bereits erteilten Genehmigungen den Flugplan der betroffenen Fluggesellschaften empfindlich stören würde. Dies hätte unmittelbare negative Auswirkungen auf Tausende von Passagieren, die ihre Flüge bereits gebucht haben, sowie auf den Frachtverkehr. Die Aufrechterhaltung der öffentlichen Dienstleistung und die Vermeidung von Chaos im Luftverkehr wurde in der Abwägung höher gewichtet als die unmittelbaren Interessen der Pilotenvereinigung.
Die Entscheidung des Gerichts, den Eilantrag abzulehnen, ist zwar ein Rückschlag für die TPA, bedeutet jedoch nicht das Ende des Rechtsstreits. Teerawat Angkasakulkiat bestätigte, dass die Hauptklage der Vereinigung, die auf die vollständige Rücknahme der behördlichen Genehmigung für ausländische Piloten abzielt, weiterhin anhängig ist. Die TPA erhofft sich durch die Hauptklage eine langfristige Klärung und eine Signalwirkung für die zukünftige Politik. Die Pilotenvereinigung betrachtet die Entscheidung des Obersten Verwaltungsgerichts als Präzedenzfall, der zukünftigen Arbeitsministern als Referenz dienen soll, falls erneut Anträge für die Beschäftigung ausländischer Crews aufkommen. Die TPA fordert, dass Thailand sich den Praktiken anderer globaler Airlines anschließt, die Stipendien für Piloten anbieten, um die besten Talente für die lokale Industrie zu gewinnen und die Wettbewerbsfähigkeit des Landes in der regionalen Luftfahrt langfristig zu sichern. Die Kontroverse macht deutlich, dass die thailändische Luftfahrt zwischen kurzfristiger Kapazitätssteigerung und der langfristigen Sicherung des lokalen Arbeitsmarktes navigieren muss.