Das Phantom der Oper (Foto: VBW/Deen van Meer).
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Das Phantom der Oper fasziniert im Wiener Raimund Theater

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Andrew Lloyd Webbers zeitloses Meisterwerk Das Phantom der Oper ist in einer Neuinszenierung ins Raimund Theater zurückgekehrt. Die Produktion verspricht, den Klassiker behutsam zu entstauben und für eine neue Generation erlebbar zu machen, ohne die monumentale Wucht der Originalkomposition zu verlieren. Die dargebotene Fassung besticht durch opulente Bühnenbilder und eine stimmlich brillante Besetzung, die den ewigen Konflikt zwischen besessener Kunst, großer Tragik und reiner Liebe mit voller Kraft auf die Bühne bringt.

Das Phantom der Oper (Originaltitel: The Phantom of the Opera) ist ein Musical in zwei Akten von Andrew Lloyd Webber. Die literarische Vorlage stammt von dem französischen Journalisten und Schriftsteller Gaston Leroux, dessen Roman Le Fantôme de l’Opéra von 1910/1911 in Fortsetzungen veröffentlicht wurde. Leroux ließ sich von Berichten über mysteriöse Vorkommnisse in der Pariser Opéra Garnier inspirieren, darunter die Legenden um einen verborgenen See in den Fundamenten und den tatsächlichen Absturz eines Kronleuchters im Jahr 1896.

Andrew Lloyd Webber, damals bereits bekannt durch Erfolge wie Cats und Evita, beschloss Mitte der 1980er Jahre, den Stoff zu vertonen. Die englischen Liedtexte stammen von Charles Hart und Richard Stilgoe, während die bis heute verwendete deutsche Übersetzung von Michael Kunze angefertigt wurde. Die Uraufführung feierte das Musical 1986 in London. Es entwickelte sich zu einem globalen Phänomen, brach am Broadway alle Kassenrekorde und lief dort über 35 Jahre lang. Webbers Musik, eine meisterhafte Mischung aus Opernpathos und Musical-Melodik, mit Titeln wie Music of the Night und dem Titellied, gilt als eine seiner besten Kompositionen und ist maßgeblich für den anhaltenden Erfolg verantwortlich.

Das Phantom der Oper (Foto: VBW/Deen van Meer).

Das Raimund Theater – Eine Wiener Musical-Institution

Das Raimund Theater, benannt nach dem österreichischen Dichter Ferdinand Raimund, wurde 1893 im 6. Wiener Gemeindebezirk Mariahilf feierlich eröffnet. Es entstand auf Initiative des Raimund-Vereins mit dem Ziel, eine Volksbühne in Raimunds Geburtsbezirk zu etablieren. Das im historistischen Stil erbaute Haus galt als eines der ersten sogenannten Asphaleia-Theater Wiens, bei dem anstelle von Holz Eisen als Baustoff verwendet wurde, was seinerzeit für höchste Sicherheit und verbesserte Akustik sorgte. In den Anfangsjahren präsentierte das Theater klassische Volksstücke und Dramen und trug zeitweise den Beinamen Mariahilfer Burgtheater.

Im frühen 20. Jahrhundert entwickelte sich das Raimund Theater zu einer wichtigen Spielstätte für Operetten. Hier feierte 1916 die Operette Das Dreimäderlhaus von Heinrich Berté ihre Uraufführung und erlebte über 1200 Aufführungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg, den das Gebäude unbeschadet überstand, etablierte sich das Haus unter Direktor Rudolf Marik für fast 30 Jahre als eine führende Operettenbühne. Nach einer ersten Generalsanierung in den Jahren 1984/85 wurde das Haus ab 1987 in den Verbund der Vereinigten Bühnen Wien (VBW) integriert und zur zentralen Spielstätte für große internationale Musicalproduktionen. Hier fanden die deutschsprachige Erstaufführung von Das Phantom der Oper (1988) sowie die Uraufführung von Tanz der Vampire (1997) statt. Eine jüngste umfassende Sanierung zwischen 2019 und 2021 stellte die Bausubstanz wieder her und führte den historischen Glanz zurück. Heute bietet das Theater rund 1400 Sitzplätze und ist ein Flaggschiff der Wiener Musicalszene.

Die Inszenierung im kritischen Blickfeld

Die derzeit im Raimund Theater gezeigte Produktion ist nicht die ursprüngliche, sondern die komplett überarbeitete Fassung von Cameron Mackintosh, die mit neuen Bühnenbildern und einer modernisierten Ästhetik aufwartet. Der Fokus liegt stärker auf den emotionalen und psychologischen Aspekten der Geschichte.

Das Bühnenbild (Original: Maria Björnson) ist in dieser neuen Interpretation spektakulär und visuell opulent. Es arbeitet stark mit Projektionen und einem stimmigen Lichtdesign (Paule Constable), um die mystische Atmosphäre der Pariser Oper und ihrer Katakomben einzufangen. Die Szenenbilder sind ein unbestreitbarer Höhepunkt und lassen das Musical in neuem Glanz erstrahlen. Die musikalische Umsetzung durch das Orchester der Vereinigten Bühnen Wien unterstreicht die monumentale Kraft von Webbers Partitur und liefert einen vollen, orchestralen Klang, der von vielen als Gänsehautmoment empfunden wird.

Die Besetzung, insbesondere in den Hauptrollen von Phantom, Christine und Raoul, überzeugt stimmlich auf ganzer Linie. Die Darsteller meistern die hohen gesanglichen Anforderungen des Werkes mit beeindruckender Technik und Ausdruckskraft. Auch das restliche Ensemble, einschließlich des Corps de Ballett, präsentiert sich präzise und lebendig.

Einige Diskussionen in der Fachwelt und beim Publikum entzünden sich jedoch an der Tatsache, dass die Neuinszenierung einige ikonische Spezialeffekte des Originals verändert. Besonders die berühmte Bootsfahrt über den unterirdischen See und der herabstürzende Kronleuchter werden anders gelöst, was bei Nostalgikern gelegentlich auf Kritik stößt. Einzelne kritische Stimmen aus dem Publikum bemängeln zudem technische Aspekte wie die Akustik in bestimmten oberen Rängen oder die Beinfreiheit und Sichtbehinderung auf weniger zentralen Plätzen, ein typisches Problem historischer Theaterbauten. Insgesamt gelingt es der Regie jedoch, den Fokus geschickt auf die Geschichte und die grandiosen Darsteller zu lenken und das Musical für ein heutiges Publikum neu zu beleben.

Preise für die Faszination

Die Eintrittspreise für Das Phantom der Oper im Raimund Theater variieren stark je nach Spieltermin, Sitzkategorie und Nachfrage. Die Vereinigten Bühnen Wien bieten eine breite Preisspanne an, die das Theatererlebnis für verschiedene Budgets zugänglich macht.

Die günstigsten regulären Tickets sind in der Regel in den hinteren Reihen des zweiten Rangs oder auf Stehplätzen angesiedelt und beginnen bei etwa 20,00 Euro bis 25,00 Euro. Die teuersten Preiskategorien finden sich in den besten Sektionen des Parketts oder des ersten Ranges und können deutlich über 120,00 Euro liegen.

Zusätzlich zu den regulären Preisen werden oft Ermäßigungen angeboten. Dazu gehören reduzierte Tickets für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre (Juniortickets), die einen Preisnachlass von bis zu 35 Prozent ermöglichen. Die dynamische Preisgestaltung spiegelt den Status der Produktion als eines der erfolgreichsten und aufwändigsten Musicals weltweit wider. Es ist ratsam, Karten frühzeitig zu erwerben, da die Vorstellung oft stark nachgefragt ist und sich die Preise je nach Auslastung ändern können.

Fesselnde Inszenierung

Das Phantom der Oper im Raimund Theater ist in der aktuellen Inszenierung ein musikalischer und visueller Triumph. Obwohl die Neuinterpretation von Andrew Lloyd Webbers Meisterwerk notwendigerweise Diskussionen über die Neuinterpretation traditioneller Effekte auslösen kann, überwiegt die beeindruckende Qualität der Darsteller, des Orchesters und des Bühnenbilds. Die Produktion beweist, dass die tragische Liebesgeschichte um Christine, Raoul und das Phantom auch in einer modernisierten Form nichts von ihrer emotionalen Tiefe und ihrem dramatischen Sog verloren hat.

Es ist ein opulentes Spektakel, das die Wiener Musical-Szene bereichert und sowohl Kenner als auch neue Zuschauer begeistern wird. Die Rückkehr dieses Klassikers nach Wien ist ein großer Erfolg und ein Erlebnis, das für alle Liebhaber des Genres von hohem Wert ist.

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