Der Flughafen Wien hat seine Rolle als wichtiger Logistikknotenpunkt für Zentral- und Osteuropa im Jahr 2025 deutlich unterstrichen. In den ersten neun Monaten des Jahres wurde ein beeindruckendes Frachtgesamtvolumen von $233.233$ Tonnen abgefertigt, was einem signifikanten Wachstum von acht Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Dieser anhaltend positive Trend, der sich insbesondere im dritten Quartal stark beschleunigte, fußt auf der dynamischen Entwicklung der Beiladekapazitäten auf Langstreckenflügen sowie einem kräftigen Wachstum im E-Commerce-Sektor.
Die Wiener Flughafenleitung sieht die aktuellen Mengensteigerungen als Bestätigung für die strategische Ausrichtung und das umfangreiche Serviceportfolio im Frachtbereich. Mit seiner geografisch vorteilhaften Lage, modernen Infrastruktur und spezialisierten Abfertigungszentren etabliert sich der Flughafen Wien zunehmend als leistungsfähiges Cargo-Drehkreuz, das eine zentrale Verbindung für interkontinentale Güterströme in die rasch wachsenden Märkte Mittel- und Osteuropas darstellt.
Quantitative Leistungssteigerung und detaillierte Frachtentwicklung
Die Zahlen des Dreivierteljahresberichts 2025 zeugen von der Robustheit des Frachtgeschäfts am Vienna Airport. Der Gesamtumschlag von $233.233$ Tonnen von Jänner bis September übertraf die Erwartungen und beweist die Fähigkeit des Standorts, die steigende Nachfrage effizient zu bewältigen. Besonders stark zeigte sich das Wachstum im dritten Quartal, wo die Luftfracht erneut zulegen konnte.
Die Entwicklung im Detail präsentiert sich vielschichtig:
- Beiladefracht: Die Fracht, die in Passagiermaschinen transportiert wird (sogenannte Beiladefracht), nahm bis Ende September auf $92.604$ Tonnen zu, was einem Anstieg von zwei Prozent entspricht. Hier war das dritte Quartal ein entscheidender Wachstumsmotor: Im Juli wurde ein Plus von zwölf Prozent und im August ein Zuwachs von zehn Prozent gegenüber den jeweiligen Vorjahresmonaten verzeichnet. Die steigende Anzahl von Langstreckenverbindungen ab Wien trägt direkt zu dieser Kapazitätserweiterung bei.
- Im- und Exportvolumen: Das Importvolumen stieg um fünf Prozent auf $125.284$ Tonnen, während die Exportmenge sogar um elf Prozent auf $107.949$ Tonnen zulegte. Die deutliche Steigerung der Exporte signalisiert die zunehmende Bedeutung des Flughafens als Tor für die österreichische und zentraleuropäische Wirtschaft in globale Märkte.
- Spezialfracht (Pharma): Ein wichtiges Kompetenzfeld ist das Vienna Pharma Handling Center (VPHC). Als eine der wenigen spezialisierten Einrichtungen dieser Art in der Region, die eine ununterbrochene Kühlkette für temperatursensible Güter gewährleistet, verzeichnete das VPHC eine Tonnagensteigerung von 7,4 Prozent auf $3.307$ Tonnen. Dieser Zuwachs unterstreicht die Rolle Wiens als spezialisierter Hub für die Pharmalogistik.
Julian Jäger, Vorstand der Flughafen Wien AG, kommentierte den Trend als Bestätigung der Leistungsfähigkeit des Flughafens. Mag. Michael Zach, Senior Vice President Ground Handling & Cargo Operations, hob die Bedeutung des Standorts als „logistisches Kompetenzzentrum“ hervor, das eine Vielzahl von Frachtsegmenten bedient.
E-Commerce und Langstreckenkapazitäten als Treiber des Wachstums
Ein wesentlicher Faktor für die dynamische Entwicklung der Luftfracht am Flughafen Wien ist der E-Commerce-Sektor. Der globale Handel verzeichnet weiterhin eine steigende Nachfrage nach schnellen Lieferservices, insbesondere im Online-Handel. Dieser Trend ist auch in Mittel- und Osteuropa stark ausgeprägt und generiert eine hohe Nachfrage nach zuverlässiger und schneller Luftfracht. Der Flughafen Wien, als etablierter Fracht-Hub zwischen Asien und Südosteuropa, profitiert unmittelbar von dieser Entwicklung, da immer mehr Waren aus Fernmärkten, insbesondere aus dem asiatisch-pazifischen Raum, über Luftfracht nach Europa gelangen.
Die Zunahme der Beiladefracht in Passagierflugzeugen, trotz der Herausforderung, dass die reine Frachtflug-Tonnage in einigen Perioden leicht rückläufig war, verdeutlicht die engere Verknüpfung von Passagier- und Frachtgeschäft am Flughafen. Die Aufnahme und Verdichtung von Langstreckenverbindungen, beispielsweise in den Fernen Osten und nach Nordamerika, ist somit nicht nur für den Passagierverkehr relevant, sondern auch ein kritischer Erfolgsfaktor für das Cargo-Geschäft. Mehr Langstreckenflüge bedeuten mehr Bauchfrachtkapazität, was dem Flughafen Wien hilft, dem Kapazitätsmangel in der Luftfracht, der in einigen Teilen des europäischen Marktes herrscht, entgegenzuwirken.
Wien als strategisches Fracht-Tor zu Mittel- und Osteuropa
Die geografische Lage des Flughafens Wien in der Mitte Europas, an der Schnittstelle zwischen West und Ost, ist ein unschätzbarer strategischer Vorteil. Der Flughafen hat sich als wichtiges globales Frachtdrehkreuz für die Länder Mittel- und Osteuropas (Central and Eastern Europe, CEE) etabliert. Diese Regionen weisen ein anhaltendes Wirtschaftswachstum auf, was die Notwendigkeit schneller und effizienter logistischer Verbindungen erhöht.
Der Flughafen Wien ist fest im europäischen Netz der Luftfrachtersatzverkehre verankert, die den schnellen Weitertransport der Fracht auf der Straße in die Nachbarregionen sichern. Die wichtigsten Verbraucher- und Wirtschaftszentren in Mittel- und Osteuropa können von Wien aus innerhalb von 24 bis 48 Stunden erreicht werden. Dies macht den Standort attraktiv für interkontinentale Frachtflüge führender Frachtairlines wie Lufthansa Cargo, Emirates Cargo, Qatar Airways Cargo und Turkish Cargo, die den Flughafen Wien als zentrale Umladestation für ihre Sendungen in die CEE-Region nutzen.
Die betriebliche Infrastruktur am Flughafen Wien ist auf hohe Effizienz ausgerichtet:
- Der Flughafen gewährleistet einen 24-Stunden-Betrieb, was schnelle Umschlagzeiten ohne zeitliche Einschränkungen ermöglicht.
- Für Großraum-Frachtflugzeuge stehen zehn Flugzeugstellplätze der Kategorie F (geeignet für Boeing 747 oder Antonow 124) in unmittelbarer Nähe zum Abfertigungsgebäude zur Verfügung.
Spezialisierung auf Pharma-Logistik als Qualitätsmerkmal
Ein besonderes Alleinstellungsmerkmal des Flughafens Wien ist das Vienna Pharma Handling Center (VPHC). Die Abfertigung von temperatursensibler Luftfracht, insbesondere Arzneimitteln und Impfstoffen, erfordert höchste Standards und eine lückenlose Kühlkette. Die GDP-Zertifizierung (Good Distribution Practice) des VPHC bestätigt die Einhaltung dieser strengen regulatorischen Anforderungen.
Die Investitionen in diese Spezialisierung zahlen sich aus, wie die Zuwächse in diesem Segment belegen. Die Bedeutung der Pharmalogistik ist global gewachsen, und der Flughafen Wien nutzt sein Kompetenzzentrum, um sich als spezialisierter Pharma-Hub für Zentral- und Osteuropa weiter zu positionieren. Die Partnerschaft mit großen Frachtanbietern, wie beispielsweise Lufthansa Cargo für die Abfertigung von Pharma-Sendungen an Bord von Austrian Airlines Flügen, stärkt die Rolle des Flughafens als zuverlässiger Partner in dieser kritischen Lieferkette.
Die starke Entwicklung der Frachtzahlen im Jahr 2025 bekräftigt die strategische Bedeutung des Flughafen Wien nicht nur für Österreich, sondern für die gesamte Logistik- und Handelslandschaft in Zentral- und Osteuropa. Die gezielte Fokussierung auf schnell wachsende Segmente wie E-Commerce und Pharma-Transporte, kombiniert mit der geografischen und infrastrukturellen Überlegenheit, bildet das Fundament für eine weiterhin positive Geschäftsentwicklung.