Die staatliche Fluggesellschaft Bahrains, Gulf Air, hat auf der Dubai Airshow 2025 einen entscheidenden Schritt zur langfristigen Flottenerneuerung vollzogen. Am zweiten Messetag unterzeichnete die Airline einen definitiven Kaufvertrag mit dem US-amerikanischen Hersteller Boeing über 15 Langstreckenflugzeuge des Typs 787 Dreamliner, zuzüglich Optionen für drei weitere Maschinen. Diese Vereinbarung festigt die jahrzehntelange Partnerschaft zwischen Gulf Air und Boeing und stellt einen Eckpfeiler in der Expansionsstrategie der Fluggesellschaft dar, die darauf abzielt, ihre globale Konnektivität zu stärken und Bahrains Luftverkehrssektor als regionales Zentrum weiterzuentwickeln.
Die Unterzeichnung durch den neuen CEO von Gulf Air, Martin Gauss, und Brad McMullen, Senior Vice President of Commercial Sales and Marketing von Boeing, finalisiert die bereits im Sommer 2025 eingeleiteten Verhandlungen. Die Bestätigung des Kaufs des Dreamliners, der für seine operative Effizienz und den hohen Passagierkomfort bekannt ist, wird als ein klares Signal für die strategische Ausrichtung der Airline gewertet. Der Kauf steht zudem im Kontext einer breiteren Welle von Boeing-Aufträgen aus dem Nahen Osten, die durch diplomatische Initiativen der US-Regierung gefördert wurden.
Endgültige Vereinbarung nach politischer Anbahnung
Die definitive Kaufvereinbarung, die am 18. November 2025 am Rande der Dubai Airshow unterzeichnet wurde, ersetzt und übertrifft die im Juli 2025 bekannt gegebene Absichtserklärung. Im Sommer hatte Gulf Air zunächst eine Vereinbarung über zwölf 787 Dreamliner mit Optionen für sechs weitere Jets gemeldet. Die damalige Ankündigung fand in Anwesenheit der US-Regierung, einschließlich des Handelsministers, statt und war Teil der Bemühungen von US-Präsident Donald Trump, die Verteidigungs- und Wirtschaftskooperationen mit den Golfstaaten zu erweitern.
Die nun finalisierte Bestellung von 15 Flugzeugen des Typs 787-9 Dreamliner – die mittlere Variante der 787-Familie – demonstriert das Vertrauen von Gulf Air in das Flugzeugprogramm von Boeing. Das Kaufvolumen unterstreicht die tiefe Verwurzelung der Geschäftsbeziehungen zwischen der bahrainischen Fluggesellschaft und dem US-Hersteller. Gulf Air und Boeing blicken auf eine lange gemeinsame Geschichte zurück, in der Boeing-Flugzeuge, wie die 767 in den 1980er Jahren, eine wichtige Rolle in der Flotte der Fluggesellschaft spielten.
Strategische Bedeutung für Gulf Air und Bahrain
Die Erweiterung der Dreamliner-Flotte ist von zentraler Bedeutung für die langfristige Strategie von Gulf Air. Derzeit betreibt die Fluggesellschaft eine aktive Flotte von neun Boeing 787-9s, die auf der Langstrecke exklusiv eingesetzt werden, ergänzt durch Schmalrumpfflugzeuge der Airbus A320- und A321neo-Familien für Kurz- und Mittelstrecken.
Die Gründe für die Wahl des 787 Dreamliner als Eckpfeiler der Langstreckenflotte sind vielfältig:
- Flottenmodernisierung und operative Exzellenz: Der 787-9 ist bekannt für seine fortschrittliche Technologie, die den Treibstoffverbrauch im Vergleich zu älteren Modellen gleicher Größe um bis zu 20 bis 30 Prozent senkt und somit die Betriebskosten der Airline deutlich reduziert. Dies ermöglicht Gulf Air eine erhöhte operationale Effizienz.
- Erweiterung des globalen Netzwerks: Die große Reichweite des Dreamliners – die 787-9 kann bis zu 14.140 Kilometer fliegen – ermöglicht es Gulf Air, ihr globales Streckennetz zu erweitern und neue, lukrative Märkte zu erschließen, möglicherweise auch in Nordamerika, das in den 1990er Jahren bereits angeflogen wurde. Die Kapazitätserweiterung ist entscheidend, um die Konkurrenzfähigkeit gegenüber den größeren Golf-Carriern Emirates und Qatar Airways zu stärken.
- Passagiererlebnis: Die 787 bietet den Passagieren einen verbesserten Reisekomfort durch innovative Kabinendesignmerkmale. Dazu gehören größere Fenster, ein optimiertes Beleuchtungssystem, eine höhere Kabinenluftfeuchtigkeit und ein geringerer Kabinendruck, der dem Druck in einer Höhe von nur 1.800 Metern entspricht. Diese Merkmale tragen dazu bei, Jetlag-Effekte zu mindern und das Wohlbefinden auf langen Flügen zu steigern.
Ein Sprecher von Gulf Air betonte, dass der Kauf die langfristige Strategie der Fluggesellschaft unterstützt, die betriebliche Effizienz zu verbessern und mit fortschrittlicher Flugzeugtechnologie zur Entwicklung des bahrainischen Luftfahrtsektors als regionales Zentrum beizutragen. Gulf Air, als nationale Fluggesellschaft, ist ein Schlüsselelement in den wirtschaftlichen Plänen Bahrains.
Einigung unter neuer Führung
Die Unterzeichnung des definitiven Kaufvertrags ist die erste größere Flottenentscheidung, die unter der Führung des neuen Chief Executive Officers von Gulf Air, Martin Gauss, getroffen wurde. Gauss, der Anfang November 2025 sein Amt antrat, bringt umfangreiche Erfahrung in der Luftfahrtindustrie mit, insbesondere aus seiner früheren Position als langjähriger Chef der Fluggesellschaft airBaltic.
Die Ernennung von Gauss wurde vom Vorsitzenden der Gulf Air Group, Khalid Husain Taqi, mit der Erwartung verbunden, dass er seine Expertise in der Umstrukturierung von Fluggesellschaften, der Flottenmodernisierung und dem rentablen Wachstum einbringen werde. Obwohl Gulf Air im Gegensatz zur schlanken und agilen airBaltic als hochwertiger Full-Service-Betreiber positioniert ist, könnte Gauss‘ Fokus auf operative Effizienz und strategisches Flottenmanagement entscheidend für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit der Airline sein. Die formelle Bestätigung der Dreamliner-Bestellung nur wenige Wochen nach seinem Amtsantritt signalisiert einen klaren und entschlossenen Start seiner Amtszeit.
Boeing und die Region: Ein strategisches Muster
Der Auftrag von Gulf Air ist ein weiterer Beweis für die starke Position von Boeing in der Golfregion. Die Dubai Airshow 2025 sah eine Reihe von Großaufträgen für Boeing-Flugzeuge, unter anderem von Emirates, Ethiopian Airlines und Air Senegal. Die anhaltende Dominanz der Boeing-Großraumflugzeuge in der Langstreckenflotte vieler Golf-Airlines unterstreicht die strategische Verankerung des US-Herstellers in diesem geografischen Markt.
Die Dreamliner-Familie, insbesondere die 787-9, ist aufgrund ihrer Reichweite und Kapazität ideal für die Anforderungen der Golf-Fluggesellschaften geeignet, die ihre Drehkreuze als Brücken zwischen Europa, Asien und Afrika positionieren. Die bestätigte Bestellung von Gulf Air trägt zur Stärkung der globalen Auftragslage von Boeing bei. Zudem wurde im Zuge der Vereinbarung auch eine Absichtserklärung unterzeichnet, die die Prüfung lokalisierter Wartungs-, Reparatur- und Überholungskapazitäten (mro) in Bahrain vorsieht, was die langfristige Kooperation zwischen Gulf Air und Boeing auf ein neues Level heben könnte und die Entwicklung Bahrains als Luftfahrtdienstleistungszentrum fördert. Die Finalisierung des 15 Dreamliner umfassenden Kaufvertrags durch Gulf Air auf der Dubai Airshow festigt die Expansionspläne der Airline und markiert einen energischen Beginn der Ära unter dem neuen CEO Martin Gauss. Die Fluggesellschaft wird die neuen, hocheffizienten Großraumflugzeuge nutzen, um ihr globales Netzwerk auszubauen, das Passagiererlebnis zu verbessern und ihre Rolle als wichtige Akteurin im wettbewerbsintensiven Luftverkehr des Nahen Ostens zu sichern.