Airbus A330-900 (Foto: Jan Gruber).
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Wettbieten um TAP Air Portugal: Lufthansa steigt mit Ambitionen für ein Atlantik-Drehkreuz in den Bieterkampf ein

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Der Wettbewerb um eine Minderheitsbeteiligung an der staatlichen portugiesischen Fluggesellschaft TAP Air Portugal nimmt an Fahrt auf. Die Lufthansa Gruppe hat offiziell ihr Interesse an einem strategischen Einstieg bei der Airline bekundet, wie aus einer Mitteilung in Frankfurt hervorgeht.

Damit tritt der deutsche Luftfahrtkonzern in direkte Konkurrenz zu Air France-KLM, die bereits kurz zuvor die Bieterrunde eröffnet hatte. Auch der Mutterkonzern von British Airways und Iberia, die International Airlines Group (IAG), gilt weiterhin als potenzieller Interessent, was auf einen harten europäischen Bieterkampf hindeutet. Die portugiesische Regierung beabsichtigt, 44,9 Prozent der Anteile an einen Brancheninvestor zu veräußern, wobei weitere 5 Prozent für die TAP-Mitarbeiter reserviert sind. Damit würde der portugiesische Staat vorerst Mehrheitsgesellschafter bleiben.

Ein strategisches Juwel auf der iberischen Halbinsel

TAP Air Portugal gilt als eines der begehrtesten Übernahmeziele in Europa. Die Fluggesellschaft hat sich insbesondere auf den Routen nach Brasilien eine starke Marktposition erarbeitet und dient als wichtiger Verkehrsknotenpunkt für Reisende zwischen Europa, Afrika und Südamerika. Diese strategisch günstige geografische Lage in Lissabon macht die Airline zu einem attraktiven Ziel für die großen europäischen Luftfahrtkonzerne, die ihre transatlantischen Netzwerke erweitern möchten. Im vergangenen Jahr beförderte TAP insgesamt rund 16 Millionen Passagiere.

Die portugiesische Regierung hat den Verkaufsprozess forciert, um die notwendige finanzielle und operative Stabilität für das Unternehmen zu sichern. Nach fünf aufeinanderfolgenden Verlustjahren konnte TAP Air Portugal dank eines umfassenden Restrukturierungsprogramms und der Erholung des globalen Flugverkehrs seit 2022 wieder schwarze Zahlen schreiben.

Die Interessenten hatten bis zum 22. November Zeit, ihre grundsätzliche Teilnahme am Bieterverfahren anzumelden. Die ersten formalen Gebote werden voraussichtlich Anfang April erwartet, und eine endgültige Entscheidung über den bevorzugten Bieter könnte bereits im Sommer fallen.

Der Plan der Lufthansa: Lissabon als Atlantik-Hub

Lufthansa-Konzernchef Carsten Spohr hat die Ambitionen des Unternehmens klar formuliert. Ziel sei neben dem Erwerb der Minderheitsbeteiligung die Etablierung einer langfristigen strategischen Partnerschaft. Spohr versprach, die „globale Anbindung Portugals zu stärken, die portugiesische Identität von TAP zu bewahren und das Wachstum der Airline nachhaltig zu sichern“.

Im Zentrum der Lufthansa-Strategie steht die Idee, Lissabon zum „atlantischen Drehkreuz“ im Konzernnetzwerk auszubauen. Lufthansa betreibt bereits erfolgreich große Hubs in Frankfurt, München, Wien, Zürich und Brüssel und hat jüngst eine Minderheitsbeteiligung an der italienischen ITA Airways erworben. Die Übernahme von TAP würde dem Konzern einen direkten und signifikanten Zugang zum südamerikanischen Markt über den portugiesischsprachigen Raum (Brasilien) sowie zu wichtigen Destinationen in Afrika verschaffen. Dies würde die Position der Lufthansa im Wettbewerb mit Konkurrenten wie Air France-KLM und IAG, die traditionell stark auf den Südamerika-Routen positioniert sind, deutlich verbessern.

Lufthansa hat in der Vergangenheit wiederholt bewiesen, dass sie erfolgreiche Integrationsstrategien für staatliche Carriern entwickeln kann. Die Eingliederung der ehemaligen Staatsfluggesellschaften Österreichs (Austrian Airlines), der Schweiz (Swiss) und Belgiens (Brussels Airlines) in den Konzernverbund gilt als erfolgreich und bildet das Modell für die angestrebte Partnerschaft mit TAP.

Starke europäische Konkurrenz

Die Lufthansa muss sich im Bieterverfahren gegen zwei ebenbürtige europäische Rivalen durchsetzen. Air France-KLM gilt als ein weiterer Hauptinteressent, da auch dieser Konzern seine Präsenz im Südatlantik und auf der iberischen Halbinsel ausbauen möchte. Eine erfolgreiche Übernahme von TAP würde Air France-KLM eine stärkere Position im Wettbewerb um Transitpassagiere zwischen Europa und Südamerika verschaffen.

Auch die IAG (International Airlines Group), die bereits Iberia und die spanische Vueling kontrolliert, wird ein Interesse an TAP nachgesagt. Die Integration von TAP in das IAG-Netzwerk würde eine dominante Stellung der Gruppe auf der iberischen Halbinsel festigen und könnte zu einer weiteren Optimierung der transatlantischen Routen über Madrid führen. Der Wettbewerb um TAP Air Portugal ist somit ein Kampf um die strategische Vorherrschaft im europäischen Langstreckenflugverkehr, insbesondere in Richtung des südamerikanischen Kontinents.

Der Hintergrund der erneuten Privatisierung

Das aktuelle Bieterverfahren ist bereits der zweite Versuch der portugiesischen Regierung, TAP zu privatisieren. Im Jahr 2015 wurde die Airline mehrheitlich an private Investoren verkauft, doch nur wenige Jahre später, im Zuge der Covid-19-Krise, sah sich die Regierung gezwungen, die Fluggesellschaft vollständig zu re-nationalisieren, um deren Überleben zu sichern. Die staatlichen Rettungsmaßnahmen, die mit erheblichen Auflagen der Europäischen Kommission verbunden waren, haben das Unternehmen saniert, aber die Notwendigkeit einer dauerhaften, strategischen Partnerschaft mit einem Branchenakteur bekräftigt, um die langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu gewährleisten.

Die Lufthansa stand bereits im Frühjahr 2020 kurz vor einem möglichen Einstieg bei TAP, in Partnerschaft mit United Airlines, bevor die globale Pandemie die Verhandlungen abrupt beendete. Die aktuellen Bemühungen zeigen, dass das strategische Interesse an TAP Air Portugal ungebrochen ist und die Airline aufgrund ihrer geographischen Position und ihrer Routenstärke weiterhin als ein hochattraktives Anlageobjekt im europäischen Luftfahrtmarkt gilt.

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