Die Privatisierung der portugiesischen Fluggesellschaft Tap Air Portugal tritt in eine entscheidende Phase ein. Die staatliche Holdinggesellschaft Parpublica bestätigte, dass die Frist für die Interessensbekundungen am 12. Dezember 2025 abgelaufen ist und lediglich drei formelle Angebote eingegangen sind.
Entgegen den Hoffnungen der portugiesischen Regierung, die auch großes Interesse von außerhalb der Europäischen Union erwartet hatte, stammen alle drei Bewerber von europäischen Großfluggesellschaften: Es handelt sich um die Konzerne International Airlines Group (iag), die Muttergesellschaft von British Airways und Iberia; Air France-KLM; und die Lufthansa Group. Die portugiesische Regierung beabsichtigt, einen Anteil von 44,9 Prozent an einen strategischen Partner zu verkaufen, mit dem Ziel, Tap beim globalen Wachstum und der Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit zu unterstützen.
Das Bieterfeld: Drei Giganten des europäischen Luftverkehrs
Die geringe Anzahl der Interessensbekundungen, insbesondere das Ausbleiben von Bietern aus Regionen außerhalb Europas, ist ein bemerkenswertes Detail des Privatisierungsprozesses. Premierminister Luis Montenegro hatte im Juli noch das ungenutzte Potenzial der Airline betont und auf das Interesse großer globaler Fluggesellschaften außerhalb der eu spekuliert, was sich jedoch nicht bewahrheitet hat.
Das nunmehr rein europäische Bieterfeld deutet darauf hin, dass Tap primär als strategische Ergänzung im europäischen Verbund gesehen wird:
- International Airlines Group (iag): Als Muttergesellschaft von British Airways, Iberia und Aer Lingus sucht die iag eine stärkere Präsenz in Südeuropa und eine Erweiterung ihres lateinamerikanischen Netzwerks, wo Tap mit ihren Brasilien-Verbindungen eine Schlüsselfunktion innehat.
- Air France-KLM: Die französisch-niederländische Gruppe könnte Tap zur Stärkung ihres südatlantischen und afrikanischen Streckennetzes nutzen und die Position von Lissabon als Gateway zum portugiesischsprachigen Raum ausbauen.
- Lufthansa Group: Die deutsche Gruppe, zu der auch Swiss und Austrian Airlines gehören, sucht nach einer südlichen Erweiterung ihres Drehkreuznetzwerks, um ihre Position im Wettbewerb um den Verkehr nach Südamerika und Afrika zu festigen und so eine stärkere Rolle in der Konsolidierung des europäischen Luftverkehrs zu spielen.
Zeitplan und finanzielle Kriterien der Privatisierung
Parpublica, die staatliche Holding, hat nun bis zum 12. Dezember Zeit, die eingegangenen Interessensbekundungen formal zu prüfen. Dabei müssen die potenziellen Käufer strenge finanzielle Kriterien erfüllen, darunter ein Mindestumsatz von fünf Milliarden Euro in einem der letzten drei Geschäftsjahre sowie der Nachweis ausreichender finanzieller Leistungsfähigkeit.
Der weitere Zeitplan sieht wie folgt aus:
- Unverbindliche Angebote: Die qualifizierten Bieter müssen ihre unverbindlichen Angebote bis Mitte März des kommenden Jahres vorlegen.
- Verbindliche Angebote: Darauf folgen die verbindlichen Angebote, die detaillierte Preisangaben und einen strategischen Plan für die künftige Ausrichtung und das Wachstum von Tap Air Portugal enthalten müssen.
- Abschluss: Die Privatisierung soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 abgeschlossen werden.
Die Regierung plant, einen Anteil von 44,9 Prozent zu veräußern. Weitere fünf Prozent der Anteile sollen den Mitarbeitern von Tap Air Portugal angeboten werden.
Der strategische Wert von Tap und seine Bewertung
Die Attraktivität von Tap liegt in ihren strategisch günstigen Streckenrechten und ihrem Drehkreuz Lissabon. Tap ist historisch und geografisch hervorragend positioniert, um als wichtiges Gateway zwischen Europa und drei Schlüsselregionen zu dienen:
- Brasilien: Tap verfügt über ein weitreichendes Netzwerk in Brasilien, das für alle drei europäischen Großkonzerne von immensem Wert für die Expansion in Lateinamerika ist.
- Portugiesischsprachige afrikanische Länder: Die Verbindungen zu Ländern wie Angola und Mosambik sind für das Fracht- und Passagiergeschäft wichtig.
- Vereinigte Staaten: Die transatlantischen Verbindungen nach Nordamerika ergänzen die Netzwerke der potenziellen Käufer und verstärken die Achse Europa-USA.
Analysten der Beratungsfirma Bernstein bewerteten den zu verkaufenden 44,9-Prozent-Anteil an Tap auf mindestens 700 Millionen Euro. Diese Schätzung basiert auf einer Gesamtbewertung der Fluggesellschaft von 1,5 Milliarden Euro. Bernstein hält diesen Preis, der einen Aufschlag von etwa 25 bis 30 Prozent impliziere, aufgrund des hohen strategischen Potenzials von Tap für gerechtfertigt. Die portugiesische Regierung verfolgt mit dem Verkauf nicht nur finanzielle Ziele, sondern auch das strategische Interesse, Tap in eine Allianz einzubinden, die die langfristige globale Wettbewerbsfähigkeit und das Wachstum der Airline sichert. Der Ausgang des Bieterwettbewerbs wird nicht nur die Zukunft von Tap Air Portugal entscheiden, sondern auch die Machtverhältnisse im konsolidierenden europäischen Luftverkehr maßgeblich beeinflussen.