Flughafen London-Heathrow (Foto: Jan Gruber).
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Britische Regierung präferiert die längere Third-Runway-Option für Heathrow

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Die britische Regierung hat eine richtungsweisende Entscheidung bezüglich der seit Langem diskutierten Erweiterung des Flughafens London Heathrow getroffen. Sie hat sich für den Vorschlag von Heathrow Airport Limited (hal) zum Bau der dritten Start- und Landebahn entschieden.

Dieser Entwurf sieht eine längere Piste vor, die die Umführung eines Abschnitts der Autobahn m25 erfordert – eine logistische Herausforderung, die von der Regierung jedoch als „am besten realisierbar“ (most deliverable) eingestuft wird. Trotz der komplexen Bauanforderungen und der Notwendigkeit weiterer Genehmigungsschritte markiert diese Entscheidung einen wichtigen Fortschritt im langwierigen Planungsprozess für den größten und am stärksten ausgelasteten Flughafen Großbritanniens, der dringend Kapazitäten benötigt, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden.

Das Rennen um die Piste: HAL setzt sich durch

Für das geplante Erweiterungsprojekt lagen zwei Hauptvorschläge vor: einer von Heathrow Airport Limited (hal) und ein alternativer Entwurf der Arora Group.

Der nunmehr präferierte hal-Vorschlag sieht eine rund 3.500 Meter lange Piste vor. Das wesentliche, aber unvermeidliche Hindernis dieses Entwurfs liegt in der Kollision mit der M25, einer der wichtigsten und meistbefahrenen Autobahnen Großbritanniens, am westlichen Rand des Flughafengeländes. Die Umlegung eines Teilstücks der Autobahn wird ein umfangreiches Bauprojekt darstellen und erhebliche logistische Planung erfordern.

Im Gegensatz dazu hatte die Arora Group eine kürzere Pistenvariante vorgeschlagen, die eine Umlegung der M25 vermieden hätte. Transportministerin Heidi Alexander übermittelte dem Parlament jedoch eine schriftliche Erklärung, in der sie die Entscheidung zugunsten des hal-Entwurfs begründete. Die Regierung sieht den hal-Vorschlag als die realistischste Option an, die die größte Wahrscheinlichkeit bietet, das politische Ziel einer Entwicklungsentscheidung noch innerhalb der laufenden Legislaturperiode zu erreichen.

Ein Projekt von nationaler wirtschaftlicher Dimension

Der Ausbau von Heathrow, der als reiner Slot-basierter Hub kontinuierlich an seiner Kapazitätsgrenze arbeitet, wird als kritisch für die britische Wirtschaft angesehen. Das hal-Projekt, das als „Schaufelfertig“ beschrieben wird und innerhalb von zehn Jahren nach der endgültigen Genehmigung betriebsbereit sein könnte, wird auf Kosten von fast 50 Milliarden Pfund (etwa 66 Milliarden us-Dollar) geschätzt.

Diesen massiven Kosten stehen laut Flughafen jedoch erhebliche wirtschaftliche Vorteile gegenüber: Die Erweiterung würde die Passagierkapazität von Heathrow nahezu verdoppeln. Zudem würde das Projekt laut Berechnungen des Flughafens Tausende neuer Arbeitsplätze schaffen und das Bruttoinlandsprodukt (bip) des Landes um rund 0,43 Prozent steigern. Die Flughafenbetreiber argumentieren, dass die Vorteile in Form von erhöhter Konnektivität, gesteigertem Handel und einer verbesserten Passagiererfahrung die enormen Investitionen rechtfertigen.

Der Flughafen begrüßte die Entscheidung der Regierung und forderte die zügige Fortsetzung des Verfahrens, insbesondere definitive Entscheidungen der britischen Zivilluftfahrtbehörde (caa) und der Regierung bis Mitte Dezember. Eine schnelle Klärung der offenen Fragen ist notwendig, um weitere Verzögerungen in dem bereits seit langem laufenden Prozess zu vermeiden.

Der Fahrplan zur finalen Genehmigung und Eröffnung

Die heutige Entscheidung markiert zwar einen wichtigen Schritt, doch der Weg zur Inbetriebnahme der dritten Piste ist noch lang und durch weitere bürokratische Hürden gekennzeichnet. Das britische Parlament hatte die Erweiterung von Heathrow bereits Anfang Februar 2025 grundsätzlich befürwortet, was den Weg für die Einreichung der nun ausgewählten Vorschläge ebnete.

Der hal-Plan wird nun zur Grundlage für die weitere Entwicklung dienen und die Überprüfung des Airports National Policy Statement (anps) gestalten. Das anps bildet den strategischen Rahmen, innerhalb dessen die Planungsentscheidung über die Flughafenerweiterung getroffen wird. Die nächsten Schritte im Zeitplan sehen vor:

  • Veröffentlichung des Entwurfs anps: Die Veröffentlichung des überarbeiteten Entwurfs wird für den nächsten Sommer erwartet.
  • Konsultation: Nach der Veröffentlichung wird eine Phase der Konsultation zu potenziellen Änderungen am anps eingeleitet.
  • Einreichung des Bauantrags: Nach Abschluss der anps-Arbeiten kann der Flughafen formell die Baugenehmigung beantragen.

Die Regierung hat die Ambition erklärt, eine endgültige Entscheidung über den Entwicklungsantrag bis zum Ende ihrer aktuellen Amtszeit, spätestens 2029, zu treffen. Der Flughafen Heathrow selbst hofft, die neue dritte Piste bis zum Jahr 2035 in Betrieb nehmen zu können.

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