Bombardier CRJ-900 (Foto: AMISOM Public Information).
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Uganda Airlines erhält umfangreiche Kapitalspritze für massive Flottenerweiterung

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Das Parlament von Uganda hat eine beträchtliche Nachtragsfinanzierung in Höhe von 422,26 Milliarden ugandischen Schilling (rund 119,1 Millionen US-Dollar) für die nationale Fluggesellschaft Uganda Airlines genehmigt, um deren Flotte massiv zu erweitern. Diese Zuweisung für das Haushaltsjahr 2025/26 ist eine der größten Einzelmittelanforderungen für den Carrier seit seiner Wiederbelebung im Jahr 2019.

Die Mittel sollen für den Erwerb von insgesamt fünf neuen Flugzeugen – darunter zwei Boeing B787 Langstrecken-Passagierflugzeuge, ein Boeing Frachtflugzeug sowie zwei Mittelstreckenflugzeuge von Airbus – sowie zur Deckung der damit verbundenen Überbrückungs-Leasingkosten verwendet werden.

Die Entscheidung des Parlaments folgte auf eine kontroverse Debatte. Oppositionsabgeordnete äußerten erhebliche Bedenken hinsichtlich der Dringlichkeit der Ausgaben und der Transparenz des Beschaffungsprozesses. Die Regierung hält die Finanzierung jedoch für zwingend erforderlich, um die Expansionspläne der Uganda Airlines voranzutreiben und neue Langstreckenverbindungen sowie Frachtkapazitäten aufzubauen.

Umfang des geplanten Flottenausbaus

Die genehmigten Mittel sind für die Beschaffung von Flugzeugen aus verschiedenen Segmenten vorgesehen, was auf eine umfassende Neuausrichtung des operativen Profils der Uganda Airlines hindeutet. Konkret sollen zwei Boeing B787-Passagierflugzeuge erworben werden, die in erster Linie für die Aufnahme neuer Interkontinentalverbindungen, insbesondere nach China ab 2026, benötigt werden. Die B787, ein Flugzeugtyp, über dessen potenziellen Kauf bereits Gespräche mit Boeing geführt wurden, wird die bestehende Langstreckenflotte von zwei Airbus A330-800neo ergänzen.

Zusätzlich sieht der Plan die Anschaffung eines Boeing Frachtflugzeugs vor, was die klare Absicht signalisiert, in den globalen Luftfrachtmarkt einzusteigen. Dies ist eine Reaktion auf die wachsende Bedeutung des Frachtverkehrs für die Einnahmen von Fluggesellschaften und die Notwendigkeit, ugandische Exportgüter effizienter zu transportieren.

Im Mittelstreckensegment plant Uganda Airlines, zwei Airbus-Flugzeuge zu beschaffen. Diese sollen die Lücke zwischen den Langstrecken-Großraumflugzeugen und den kleineren Bombardier CRJ900LR füllen. Die Fluggesellschaft hatte bereits zuvor erklärt, dass sie an einer Festlegung eines Schmalrumpf-Auftrags mit Airbus arbeitet, der zwei A320-200neo und zwei A321-200neo umfassen soll, wobei Lieferungen erst nach 2031 erwartet wurden. Die nun genehmigte Nachtragsfinanzierung könnte darauf hindeuten, dass diese Beschaffung vorgezogen oder beschleunigt wird, um den aktuellen Engpässen entgegenzuwirken.

Kritik und Widerstand der Opposition

Die Nachtragsfinanzierung führte zu starkem Gegenwind im Parlament. Der Oppositionsabgeordnete Ibrahim Ssemujju forderte die Regierung nachdrücklich auf, vor der Freigabe der Gelder einen detaillierten Plan für die Flugzeugakquisition vorzulegen. Er äußerte Bedenken, die sich auf frühere Transaktionen bezogen, insbesondere auf den Kauf der CRJ900-Flotte, die nach seinen Angaben zum Zeitpunkt des Kaufs bereits ausgemustert wurden oder kurz davor standen. Ssemujju argumentierte, es müsse eine gründliche Due-Diligence-Prüfung präsentiert werden, um sicherzustellen, dass die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholt werden.

Auch der Oppositionsführer Joel Ssenyonyi stellte die Rechtmäßigkeit der Nachtragsfinanzierung in Frage. Er kritisierte, dass die Regierung die Mittel für Ausgaben beantrage, die vorhersehbar gewesen seien. Gemäß den Regularien sind Nachtragsbudgets jedoch nur für Ausgaben vorgesehen, die „unabwendbar, unvermeidbar und unvorhersehbar“ sind. Ssenyonyi interpretierte die späte Anforderung als Zeichen „schlechter Planung“. Die Regierung hatte die Finanzierung bereits im Juli 2025 durch Finanzminister Matia Kasaija angekündigt, was die Kritik an der Dringlichkeit zusätzlich befeuerte.

Verteidigung der Notwendigkeit durch die Airline-Führung

Die Geschäftsführerin von Uganda Airlines, Jenifer Bamuturaki, und der Verkehrsminister Edward Katumba Wamala verteidigten die Notwendigkeit der Finanzierung vor dem parlamentarischen Ausschuss für Physische Infrastruktur. Sie argumentierten, dass die Airline überlastet sei und dringend neue Flugzeuge benötige, um den Betrieb zu stabilisieren und die wachsende Nachfrage zu befriedigen.

Minister Katumba wies darauf hin, dass Uganda Airlines mit seiner begrenzten Flotte von nur zwei A330-800neo und vier CRJ900LR bis zu 40 Prozent des Flugverkehrs am Entebbe International Airport abwickle. Dies führe dazu, dass die vorhandenen Flugzeuge ständig zwischen den Strecken pendeln müssten und Engpässe sowie operative Unregelmäßigkeiten entstünden.

Jenifer Bamuturaki konterte die Kritik an der betrieblichen Leistung der Fluggesellschaft, indem sie die Verantwortung für kürzliche Verspätungen und Annullierungen außerhalb des Einflussbereichs der Airline verortete. Sie führte die Störungen auf plötzliche Schließungen von Flughäfen zurück, darunter Entebbe, Bujumbura (Burundi), Juba (Südsudan) und Daressalam (Tansania). Sie erklärte, dass eine solche „Notice to Air Missions“ (NOTAM) erhebliche Änderungen im Flugplan erzwinge und damit Verspätungen auslöse.

Operative Herausforderungen und technologische Lücken

Die derzeitige Flottenstruktur der Uganda Airlines besteht aus Großraumflugzeugen für die Langstrecke und kleinen Regionaljets für den innerafrikanischen Verkehr. Die vier CRJ900LR, die jeweils 76 Passagiere befördern, stoßen insbesondere auf Routen zu sogenannten „Hot and High“-Flughäfen, wie beispielsweise Johannesburg O.R. Tambo, an ihre Kapazitäts- und Gepäckgrenzen. Diese Flughäfen, die sich durch hohe Temperaturen und große Höhe auszeichnen, stellen besondere Anforderungen an die Start- und Landeleistung von Flugzeugen.

Die geplante Anschaffung von Mittelstrecken-Airbussen soll diese operationelle Lücke schließen und eine effizientere Verbindung von Entebbe zu Zielen in Afrika und im Nahen Osten ermöglichen. Die Ergänzung durch die Boeing B787 wird der Fluggesellschaft zudem die nötige Reichweite und Kapazität für die Erschließung lukrativer Langstreckenmärkte, wie beispielsweise die Verbindung nach China, verschaffen. Zuvor hatte die Regierung bereits grünes Licht für das Wet-Leasing eines B737-800(F) Frachtflugzeugs gegeben, was die Priorität des Frachtsegments unterstreicht.

Der erhebliche Kapitalzufluss ist somit ein Versuch, die Uganda Airlines strukturell zu stärken, operative Abhängigkeiten zu reduzieren und das angestrebte Wachstum zu ermöglichen. Die Debatte um die Transparenz und Notwendigkeit der Finanzierung reflektiert jedoch die anhaltende politische Auseinandersetzung über die Führung und die finanzielle Kontrolle des staatlichen Carriers.

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