Ein ungewöhnlicher und folgenreicher Zwischenfall hat sich Berichten zufolge am Minot International Airport (MOT) in den Vereinigten Staaten ereignet. Dort ist am 9. Dezember 2025 ein Schneepflug mit einem Regionalflugzeug des Typs Embraer E175 von United Express kollidiert. Fotos des Vorfalls, die in sozialen Medien geteilt wurden, zeigen erhebliche Schäden am Flugzeug, insbesondere an der Nase, die sogenannten Radom-Verkleidung.
Das betroffene Flugzeug mit der Registrierung N135SY, eine Embraer E175, die im Auftrag von United Express durch SkyWest Airlines betrieben wird, war für den Abflug um 7:15 Uhr Ortszeit nach Denver International Airport (DEN) in Colorado vorgesehen. Aufgrund der Kollision musste der Flug, der regulär anderthalb Stunden dauern sollte, umgehend annulliert werden. Der Flugverkehrsdaten-Dienst Flightradar24 bestätigte die Annullierung. Die Maschine, die bereits seit 10,7 Jahren im Dienst ist und in einer Zwei-Klassen-Konfiguration 76 Passagiere befördern kann, erlitt dem Bildmaterial zufolge einen Riss oder eine signifikante Beschädigung am vorderen Rumpfbereich.
Die Bedeutung des Radoms und die Folgen des Schadens
Das Radom (Radar-Dome) ist die schützende Abdeckung der Wetterradarantenne im Bug eines Flugzeugs. Es ist aerodynamisch geformt und besteht aus Materialien, die für Radarwellen durchlässig sind. Obwohl das Radom selbst nicht strukturell für die Steuerung des Flugzeugs verantwortlich ist, ist eine Beschädigung kritisch. Zum einen beeinträchtigt dies die Funktion des Wetterradars, das für die Navigation und die Umfliegung gefährlicher Wetterlagen unerlässlich ist. Zum anderen kann eine Beschädigung der Verkleidung die aerodynamische Integrität stören und im schlimmsten Fall zu weiteren Schäden an der Flugzeugstruktur führen.
Auf den veröffentlichten Bildern ist zu erkennen, dass der Schaden am Bug der Embraer E175 erheblich ist, was eine sofortige Außerbetriebnahme des Flugzeugs für notwendige Reparaturen zur Folge hat. Die für den 11. Dezember 2025 geplante nächste kommerzielle Flugverbindung der Maschine von Denver nach Palm Springs musste voraussichtlich ebenfalls gestrichen oder mit einem Ersatzflugzeug durchgeführt werden.
Bodenunfälle als unterschätztes Sicherheitsrisiko
Der Zwischenfall in Minot reiht sich in eine lange Liste von sogenannten Ground Damage Vorfällen in der Luftfahrtindustrie ein. Bodenunfälle beschreiben jegliche Schäden, die ein Flugzeug erleidet, während es sich am Boden befindet, typischerweise während der Bodenabfertigung. Obwohl Bodenunfälle in der Regel nicht die gleiche öffentliche Aufmerksamkeit erregen wie Luftzwischenfälle, stellen sie weltweit ein konstantes Sicherheits- und Kostenproblem dar. Jährlich werden global Tausende von kleineren Zwischenfällen gemeldet, bei denen Flugzeuge von Abfertigungsgeräten wie Gepäckbandladern, Catering-Fahrzeugen, Schleppern oder Enteisungsfahrzeugen getroffen werden.
Experten der Luftfahrtindustrie weisen darauf hin, dass die Häufigkeit von Bodenunfällen zu hoch ist. Jason Mann, General Manager bei Western Jet Aviation, berichtete in einem Interview mit Fachpublikationen über die Alltäglichkeit solcher Vorfälle, die von leichten Schrammen bis hin zu verbogenen Bauteilen reichen.
Terry Yeomans, Direktor des International Standard for Business Aircraft Handling Program, betonte, dass viele dieser Zwischenfälle, obwohl sie je nach Schweregrad ein Sicherheitsrisiko darstellen, nicht signifikant genug sind, um von den Luftfahrtregulierungsbehörden formal untersucht und in die offizielle Statistik aufgenommen zu werden. Dies führe zu einer Untererfassung des tatsächlichen Ausmaßes des Problems.
Jüngste Beispiele für Abfertigungsschäden
Der Vorfall mit dem Schneepflug in Minot ist kein Einzelfall. Erst vor kurzer Zeit geriet ein ähnlicher Zwischenfall in Manchester in die Schlagzeilen: Ein Airbus A380 von Emirates musste am Boden bleiben, nachdem ein Tankwagen mit dem Flugzeug kollidiert war. Der Aufprall beschädigte eine Triebwerksverkleidung des Großraumflugzeugs, was zur Annullierung des geplanten Rückflugs nach Dubai führte und das Flugzeug für mehr als zwei Tage in Manchester festsitzen ließ. Die Beschädigung von Triebwerksverkleidungen (Cowlings) durch Abfertigungsfahrzeuge ist eine bekannte Gefahr, da sie sensible Komponenten schützt.
Darüber hinaus können Bodenunfälle auch durch den Kontakt zweier Flugzeuge entstehen, beispielsweise beim Rollen oder während des Pushbacks. Ein Beispiel hierfür ereignete sich erst im Vormonat: Am Abend des 18. November 2025 kollidierten zwei Boeing 737-900ER von United Airlines auf dem Houston George Bush Intercontinental Airport (IAH) mit ihren Flügelspitzen, während sie aus der Parkposition geschoben wurden. Bei dem Zusammenstoß riss die Winglet-Spitze einer Maschine ab, während auch das zweite Flugzeug höchstwahrscheinlich Schäden an der Flügelspitze davontrug.
Die Herausforderungen der Bodenabfertigung im Winter
Die Kollision des Schneepflugs mit dem Embraer E175 in Minot unterstreicht die besonderen Herausforderungen des Flugbetriebs bei winterlichen Bedingungen. Schneeräumfahrzeuge sind unverzichtbar, um die Sicherheit und Funktionsfähigkeit von Start- und Landebahnen sowie Rollwegen zu gewährleisten. Gleichzeitig operieren diese großen Fahrzeuge oft unter eingeschränkter Sicht und auf rutschigem Untergrund in unmittelbarer Nähe zu parkenden oder sich bewegenden Flugzeugen.
Die Prävention von Bodenunfällen erfordert strikte operative Protokolle, klare Kommunikationswege zwischen Fluglotsen, Besatzungen der Abfertigungsdienste und Piloten sowie den Einsatz moderner Assistenzsysteme und Schulungen. Angesichts der hohen Reparaturkosten, der Ausfallzeiten von Flugzeugen und der logistischen Störungen, die durch Bodenunfälle verursacht werden, ist die Reduzierung dieser Vorfälle ein wichtiges Ziel für Flughafenbetreiber und Fluggesellschaften gleichermaßen. Der Schaden am United Express Regionalflugzeug in Minot führt nicht nur zur Annullierung von Flügen, sondern bindet auch erhebliche Ressourcen für die Instandsetzung einer fast elf Jahre alten Maschine.