Der amerikanische Flugzeughersteller Boeing hat im November eine Reduzierung seiner kommerziellen Flugzeugauslieferungen verzeichnet. Das Unternehmen lieferte insgesamt 44 Verkehrsflugzeuge aus, was einem Rückgang von neun Maschinen gegenüber dem Vormonat (Oktober: 53) entspricht. Mehr als 70 Prozent der Auslieferungen entfielen auf die stark nachgefragte Schmalrumpffamilie Boeing 737 Max. Trotz der Verlangsamung im Liefergeschäft konnte Boeing im gleichen Zeitraum einen massiven Auftragseingang verbuchen, angetrieben durch eine erfolgreiche Präsenz auf der Dubai Airshow 2025.
Die Bilanz von 44 ausgelieferten Jets im November liegt deutlich unter den Zahlen des europäischen Hauptkonkurrenten Airbus, der im selben Monat 72 Flugzeuge an Kunden übergab. Während Airbus seine Gesamtjahresprognose für 2025 leicht senken musste, bleibt der europäische Hersteller weiterhin auf Kurs, sein Jahresziel von nahezu 800 Auslieferungen zu erreichen. Boeing arbeitet hingegen daran, im Jahresendspurt das beste Auslieferungsergebnis seit 2018 zu erzielen.
Dominanz der 737 Max in den Auslieferungen
Die Auslieferungsstatistik von Boeing im November wurde klar von der 737 Max dominiert. Der Hersteller lieferte 32 Maschinen dieser Einzelgang-Familie an insgesamt 18 Kunden aus. Dies entspricht einem monatlichen Rückgang von 17 Prozent über alle Flugzeugtypen hinweg.
Zu den Hauptabnehmern der 737 Max im November gehörten wichtige US-Fluggesellschaften und Leasingfirmen:
- Southwest Airlines: Der weltweit größte Betreiber der 737 Max (mit fast 300 Maschinen in der Flotte) erhielt fünf Flugzeuge.
- American Airlines: Übernahm drei 737 Max.
- Alaska Airlines und United Airlines: Erhielten jeweils zwei Maschinen.
- Leasingfirmen: AerCap, BOC Aviation Limited, CDB Leasing und Dubai Aerospace Enterprise waren ebenfalls unter den Abnehmern.
Neben der 737 Max lieferte Boeing im November sechs Exemplare seines Großraumflugzeugs 787 Dreamliner aus. Bemerkenswert war die Auslieferung von zwei 787-10 an TAAG Angola Airlines. Dies markierte die ersten beiden 787-10-Varianten in der Flotte der afrikanischen Fluggesellschaft, die bereits zwei 787-9-Flugzeuge betreibt. Weitere 787-9 gingen an American Airlines, Oman Air und Lufthansa. Zudem lieferte Boeing sechs Frachtflugzeuge aus, darunter vier 767-Frachter und zwei 777-Frachter, wobei die letzteren an Turkish Airlines und Aerotranscargo gingen.
Auftragsboom im November durch 777X
Trotz der moderaten Lieferzahlen war der November für Boeing ein erfolgreicher Monat hinsichtlich der Auftragseingänge. Getragen durch die Dubai Airshow 2025 sicherte sich der Flugzeughersteller netto 126 neue Bestellungen (164 neue Bestellungen abzüglich 38 Stornierungen).
Mehr als die Hälfte dieser Nettoaufträge entfiel auf den kommenden Langstrecken-Großraumjet 777X. Der mit einem Listenpreis von über 440 Millionen US-Dollar dotierte Flugzeugtyp erhielt den größten Einzelauftrag des Monats von Emirates. Die Fluggesellschaft aus den Vereinigten Arabischen Emiraten bestellte 65 zusätzliche 777X. Der Deal hat einen Listenwert von über 38 Milliarden US-Dollar. Mit diesen neuen Verpflichtungen erhöht Emirates seine Gesamtzahl an Bestellungen für die 777X auf 270 Maschinen und zementiert damit seine Position als größter Kunde des neuen Großraumflugzeugs von Boeing.
Auch China Airlines erweiterte ihr Auftragsbuch um neun weitere 777X-Jets. Darüber hinaus verzeichnete Boeing bedeutende 787 Dreamliner-Bestellungen von Fluggesellschaften wie Etihad Airways, Gulf Air und Uzbekistan Airways, was die anhaltend hohe Nachfrage nach Langstreckenkapazitäten in der Region widerspiegelt. Die Auftragsentwicklung im November zeigt, dass das Interesse an modernen und effizienten Großraumjets trotz der globalen Lieferkettenprobleme ungebrochen ist.
Klarer Ausblick auf die Jahresbilanz 2025
Zum Abschluss des Jahres 2025 haben sowohl Boeing als auch Airbus eine deutlich klarere Vorstellung ihrer Gesamtjahresbilanzen. Boeing hatte bis Ende November insgesamt 537 Verkehrsflugzeuge ausgeliefert, wovon fast 400 Maschinen zur 737 Max-Familie gehörten. Trotz der anhaltenden Herausforderungen in der Produktion und den Lieferketten ist es dem Unternehmen gelungen, im Jahr 2025 über 900 neue Nettoaufträge zu sichern, wobei hier rund 100 Stornierungen von Kunden berücksichtigt wurden.
Die aktuellen Zahlen deuten darauf hin, dass Boeing auf dem Weg ist, seine höchste jährliche Auslieferungszahl seit 2018 zu erreichen, als das Unternehmen 806 Auslieferungen verzeichnen konnte. Auch wenn ein starker Dezember erwartet wird, um das Jahr abzuschließen, wird Boeing das Ergebnis von 2018 voraussichtlich um einige hundert Auslieferungen verfehlen. Dies verdeutlicht die anhaltenden Schwierigkeiten in der Produktionshochlaufphase, die die gesamte Luftfahrtindustrie betreffen.
Der Hauptkonkurrent Airbus hatte seine Gesamtjahresprognose kürzlich leicht von 820 auf 790 Flugzeuge korrigiert. Diese Anpassung spiegelt Qualitätsprobleme bei Zulieferern wider, die sich auf die Produktion der Airbus A320-Familie ausgewirkt haben. Airbus hält jedoch am Jahresende an seinem Ziel fest. Das Allzeit-Jahresrekordergebnis für Airbus wurde 2019 mit 863 Auslieferungen erzielt.
Die Zahlen von November unterstreichen die Wettbewerbssituation im Duopol der Großflugzeughersteller. Während Boeing im wichtigen Auftragssegment mit der 777X und der 787 punktete und sich finanziell absicherte, behält Airbus im Auslieferungsgeschäft die Oberhand. Die Fokussierung auf die Steigerung der Produktion bleibt jedoch die größte operative Herausforderung für beide Hersteller im Angesicht der immensen Auftragsbestände, die sich über die nächsten Jahre erstrecken. Die Fähigkeit, die Lieferketten zu stabilisieren und die geplanten Auslieferungsraten zu erreichen, wird maßgeblich den Erfolg der kommenden Geschäftsjahre bestimmen.