Airbus A321neo (Foto: Airbus).
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Pegasus Airlines setzt auf Eigenregie: Dreistellige Millioneninvestition in Wartungsinfrastruktur

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Die türkische Billigfluggesellschaft Pegasus Airlines reagiert auf die massiven Engpässe in der globalen Luftfahrtindustrie – insbesondere beim Zugang zu Wartungskapazitäten (Maintenance, Repair, Overhaul – MRO) und Ersatzteilen – mit einer tiefgreifenden strategischen Neuausrichtung. Das Unternehmen investiert umfassend in den Aufbau eigener Wartungsinfrastruktur in der Türkei. Ziel ist es, die Abhängigkeit von externen Dienstleistern zu verringern, die Flugzeugverfügbarkeit zu erhöhen und das angestrebte Wachstum von 16 Prozent im laufenden Jahr zu konsolidieren.

Mehmet Nane, Vorsitzender des Verwaltungsrats von Pegasus Airlines, betonte im September 2025 auf der AeroEngines Europe in Hamburg die zentrale Bedeutung der MRO-Kapazitäten: „MRO und die technische Seite der Luftfahrt sind für uns sehr entscheidend. Man kann das Flugzeug kaufen, man kann das Flugzeug mit der Ausrüstung versorgen, aber wenn man nicht rechtzeitig die Wartungseinrichtungen hat, kann man das Flugzeug nicht fliegen lassen.“

Ausbau der MRO-Kapazitäten am Sabiha Gökçen Airport

Als zentrales Element der langfristigen Wartungsstrategie plant Pegasus Airlines die Errichtung von zwei neuen, eigenen MRO-Einrichtungen am Istanbuler Sabiha Gökçen Airport. Eine Anlage ist für die sogenannte Line Maintenance (Zwischenwartung) vorgesehen und eine weitere für die Base Maintenance (Grundwartung).

Die Notwendigkeit dieses Schrittes ergibt sich aus dem Mangel an verfügbaren Wartungsschlitzen (Slots) bei externen Dienstleistern. Nane erklärte, dass die Airline ihre Flugzeuge in der Sommersaison intensiv nutze und die Wartung in der Wintersaison durchführe. Doch selbst am Heimatflughafen Sabiha Gökçen fehle es an Wartungshallen für die Zwischenwartung. Die neue Anlage für die Zwischenwartung sollte bereits im Vormonat eröffnet werden und umfasst fünf Buchten sowie einen Lackierhangar. Nane berichtete, dass die Fluggesellschaft in einem Fall sogar auf einen Hangar der allgemeinen Luftfahrt ausweichen musste, um ein Flugzeug warten zu können.

Die im Bau befindliche Basiswartungsanlage wird voraussichtlich im Jahr 2026 den Betrieb aufnehmen. Sie startet mit fünf Wartungsbuchten und bietet bei Bedarf die Option zur Erweiterung um fünf weitere Buchten. Nane sieht in den beiden neuen Einrichtungen einen „lebensrettenden“ Faktor für das Unternehmen, der zugleich Zeit und Geld sparen werde.

Lieferketten-Disruptionen und ihre Folgen

Die weltweiten Unterbrechungen in den Lieferketten stellen Pegasus Airlines, wie viele andere Betreiber, vor erhebliche Probleme. Nane hob hervor, dass diese Störungen nicht nur die Triebwerkslieferungen und die Auslieferung neuer Flugzeuge betreffen, sondern auch die Versorgung mit dringend benötigten Ersatzteilen.

Besonders gravierend sind die Verzögerungen in der Triebwerksinstandhaltung. Die Wartungszeiten für Triebwerke haben sich drastisch verlängert. „Zuvor brauchte man höchstens zehn Wochen, wenn man ein Triebwerk zur Wartung einschickte. Jetzt, wenn man Glück hat, bekommt man es nach neun Monaten zurück“, so Nane. Diese verlängerten Turn-Around-Times (TAT) führen zu einer unvorhergesehenen und kostspieligen Außerbetriebnahme von Flugzeugen, was die operative Planung der Fluggesellschaft massiv behindert.

Aufgrund dieser Engpässe, insbesondere der Verzögerungen bei der Auslieferung bestimmter Airbus-Flugzeuge und Triebwerke, geriet die Planung der Sommerflugpläne, die typischerweise sechs bis sieben Monate vor Beginn der Hauptreisezeit erfolgt, unter Druck. Pegasus war 2016 Erstkunde der A320neo-Familie und ist von Airbus‘ Unfähigkeit, ausreichend Leap-1A-Triebwerke von Zulieferern zu beschaffen, stark betroffen. Bis Oktober 2025 hatte die Fluggesellschaft lediglich neun Flugzeuge der A320neo-Familie mit Leap-1A-Triebwerken erhalten.

Kostenintensive kurzfristige Kapazitätsbeschaffung

Um die durch die Liefer- und Wartungsprobleme entstandene Lücke zu schließen, sah sich Pegasus gezwungen, kurzfristig Flugzeuge im sogenannten Wet-Lease (Nassmiete) anzumieten, wobei das Leasingflugzeug samt Besatzung, Wartung und Versicherung gemietet wird. Nane erklärte, dass die Suche nach zwei zusätzlichen Wet-Lease-Flugzeugen Ende Mai begann.

Diese Strategie setzte die Airline jedoch dem Risiko von stark erhöhten Leasingraten aus. Wenn Flugzeuge nur für einen kurzen Zeitraum und sofort benötigt werden, steigen die Preise deutlich über das normale Niveau, da die Nachfrage das Angebot übersteigt. Nane merkte an, dass diese hohen Kosten der Fluggesellschaft schaden und eine nachhaltige Lösung gefunden werden müsse. Auch die Preise für das Leasing von Ersatztriebwerken seien weiterhin hoch.

Wachstumsstrategie und Flottenmanagement

Trotz dieser Herausforderungen hält Pegasus an seinen ehrgeizigen Wachstumszielen fest. Das Unternehmen strebt für das laufende Jahr ein Wachstum von 16 Prozent an und hält derzeit einen Inlandsmarktanteil von rund 29 Prozent sowie einen internationalen Marktanteil ab der Türkei von etwa 14 Prozent.

Per September 2025 betrieb Pegasus eine Flotte von 124 Flugzeugen, die hauptsächlich aus Airbus A320ceo, A320neo und A321neo Varianten besteht. Das Unternehmen unterhält weiterhin eine kleine Anzahl von Boeing 737-800. Im vergangenen Jahr hatte Pegasus die Pläne für eine reine Airbus-Flotte revidiert und sich für ein gemischtes Flottenmodell entschieden. Ende 2024 orderte die Fluggesellschaft bis zu 200 Boeing 737 Max 10 (100 Festbestellungen und 100 Optionen). Die Auslieferung der ersten 100 Max 10 wird voraussichtlich von 2028 bis 2035 erfolgen. Zudem erwartet Pegasus die Auslieferung von weiteren 44 A321neos.

Die Investition in die interne Wartungskompetenz soll das geplante Flottenwachstum und die langfristige betriebliche Stabilität untermauern, indem die Verfügbarkeit der Flotte auch bei anhaltenden globalen Engpässen sichergestellt wird.

Zukunftsgerichtete Technik und Datenanalyse

Pegasus Airlines blickt auch auf technologische Lösungen, um die Effizienz der Wartung zu steigern. Die Airline untersucht das Potenzial künstlicher Intelligenz (KI) und investiert in prädiktive und präventive Wartungsplattformen. Nane erklärte, dass die Nutzung von Daten zur Vorhersage möglicher Fehler oder Störungen eine technische Datenanalyse sei, die das Unternehmen in seinen Einrichtungen zu nutzen versuche.

Der Einsatz von Datenanalyse und KI in der Wartung ermöglicht es, potenzielle Ausfälle von Komponenten frühzeitig zu erkennen, bevor sie zu schwerwiegenden Schäden oder ungeplanten Flugausfällen führen. Diese prädiktive Wartung reduziert die Ausfallzeiten der Flugzeuge und die damit verbundenen Kosten erheblich, was im Niedrigkosten-Geschäftsmodell von Pegasus von zentraler Bedeutung ist. Die interne MRO-Strategie ist somit nicht nur eine Reaktion auf aktuelle Engpässe, sondern eine proaktive Investition in die operative Autonomie und die technologische Zukunft des Unternehmens.

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