Homeland Security (Foto: Andy Feliciotti).
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US-Heimatschutzministerium kauft sechs Boeing 737 für Massenabschiebungen

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Das US-Heimatschutzministerium (DHS) hat den Kauf von sechs Boeing 737 Flugzeugen bestätigt. Diese Maschinen sind für den Einsatz bei Abschiebeflügen der Einwanderungs- und Zollbehörde (Immigration and Customs Enforcement – ICE) vorgesehen und markieren eine bedeutende strategische Verschiebung in der Durchführung von großangelegten Rückführungen von Personen ohne legalen Aufenthaltsstatus in den Vereinigten Staaten. Die Akquisition, deren Kosten sich auf fast 140 Millionen US-Dollar belaufen, wurde über einen Vertrag mit dem in Virginia ansässigen Unternehmen Daedalus Aviation abgewickelt.

Bisher stützte sich der Flugbetrieb von ICE Air Operations überwiegend auf Charterflüge, bei denen Flugzeuge, Besatzungen und Wartung von privaten Betreibern angemietet wurden. Dieses Modell bot zwar Flexibilität, war jedoch mit hohen und oft unvorhersehbaren Kosten verbunden. Die neue Strategie sieht vor, Flugzeuge direkt unter die Kontrolle des DHS zu bringen. DHS-Sprecherin Tricia McLaughlin erklärte, dass dieser Wechsel Einsparungen in Höhe von geschätzten 279 Millionen US-Dollar ermöglichen werde, indem ICE effizientere Flüge durchführen und die Verfügbarkeit der Flugzeuge besser an den Bedarf anpassen könne.

Hintergrund der Akquisition: Steigende Abschiebezahlen

Die Entscheidung zur direkten Anschaffung von Flugzeugen fällt in eine Zeit, in der die US-Regierung verstärkt auf eine massive Ausweitung der Abschiebungen hinarbeitet. Das erklärte Ziel der Trump-Administration, im Jahr 2025 eine Million Einwanderer abzuschieben, würde eine Größenordnung der Einwanderungsdurchsetzung darstellen, die in der jüngeren Geschichte der Vereinigten Staaten beispiellos ist.

DHS-Sekretärin Kristi Noem beschrieb die neuen Flugzeuge als Teil einer umfassenderen Anstrengung zur Erhöhung des operativen „Tempos“, zur Reduzierung von Engpässen im Abschiebungsprozess und zur langfristigen Kostensenkung. Die Regierung argumentiert, dass die bisherigen Chartervereinbarungen, insbesondere angesichts der zunehmenden Komplexität der Flugpläne, die Effizienz behindern. Durch die direkte Kontrolle über die Flugzeuge erlangt das DHS eine größere Autorität bei der Flugplanung und reduziert die Abhängigkeit vom Chartermarkt, dessen Kosten in den letzten Jahren gestiegen sind. Die Akquisition soll somit ein zentrales logistisches Hindernis auf dem Weg zur Erreichung der ehrgeizigen Abschiebeziele beseitigen.

Details zum Flugzeugtyp und notwendige Modifikationen

Die öffentlichen Aufzeichnungen geben nicht Aufschluss darüber, welche Varianten der Boeing 737 das DHS genau erwirbt. Angesichts des Kaufpreises von nahezu 140 Millionen US-Dollar für sechs Flugzeuge ist jedoch stark davon auszugehen, dass es sich um gebrauchte Modelle der Typen 737-700 oder 737-800 handelt, und nicht um fabrikneue Jets. Die Boeing 737 ist aufgrund ihrer Zuverlässigkeit, ihrer weltweiten Verbreitung und ihrer Kapazität für den Transport einer großen Anzahl von Personen ein logistisch geeignetes Flugzeug für diese Art von Operationen.

Daedalus Aviation ist vertraglich dazu verpflichtet, die Flugzeuge zu beschaffen, zu überholen und vor der Auslieferung an das DHS anzupassen. Die Flugzeuge werden voraussichtlich spezielle Modifikationen für den sicheren Transport von Abgeschobenen benötigen. Obwohl das DHS noch keine detaillierten Konfigurationsangaben veröffentlicht hat, werden die Umbauten wahrscheinlich abgetrennte Sitzbereiche, Überwachungsausrüstung sowie spezielle Rückhaltevorrichtungen umfassen, um die Sicherheit an Bord zu gewährleisten und Fluchtversuche zu verhindern.

Prüfung des Beschaffungsprozesses und Interessenkonflikte

Der Beschaffungsvertrag über Daedalus Aviation hat bereits für Aufmerksamkeit und Skepsis gesorgt, insbesondere wegen der personellen Überschneidungen des Auftragnehmers. Der CEO und der Chief Financial Officer von Daedalus Aviation bekleiden dieselben Positionen bei Salus Worldwide Solutions. Diese zweite Firma hat einen separaten, fast eine Milliarde US-Dollar schweren Vertrag mit dem DHS zur Unterstützung freiwilliger „Selbstabschiebungs“-Programme.

Diese enge personelle Verflechtung zwischen zwei Unternehmen, die umfangreiche und strategisch wichtige Verträge mit derselben Regierungsbehörde unterhalten, hat das Interesse einiger US-Gesetzgeber geweckt. Es wurden bereits erste Signale gesendet, dass der Beschaffungsprozess und die Geschäftsbeziehungen zwischen Daedalus Aviation und Salus Worldwide Solutions einer näheren Überprüfung unterzogen werden könnten. Solche Prüfungen zielen darauf ab, mögliche Interessenkonflikte oder unzulässige Vorteile im Vergabeverfahren auszuschließen und die ordnungsgemäße Verwendung öffentlicher Mittel zu gewährleisten.

Operative Fragen und Standortplanung

Obwohl die Flugzeuge nun in den Besitz des DHS übergehen, bleiben noch operative Fragen ungeklärt. Das Ministerium hat bisher nicht mitgeteilt, wo die neuen Boeing 737 stationiert werden sollen. ICE Air Operations nutzt derzeit primär Drehkreuze in Arizona, Texas und Louisiana für seine Abschiebeflüge, die strategisch nahe an den Hauptzugangspunkten für die Einwanderungsbehörden liegen. Es ist wahrscheinlich, dass die neuen Maschinen an diesen Standorten stationiert werden.

Zudem ist noch unklar, ob das DHS eigene Flugbesatzungen einstellen wird, um die Jets zu fliegen, oder ob es, wie in der Vergangenheit üblich, auf vertraglich gebundene Piloten und technisches Personal zurückgreifen wird. Die Entscheidung zwischen der Einstellung von Bundesangestellten für den Flugbetrieb und der fortgesetzten Nutzung von Auftragnehmern wird erhebliche Auswirkungen auf die Betriebskosten, die Personalführung und die Flexibilität der ICE Air Operations haben. Die Akquisition der eigenen Flugzeuge ist ein klarer Schritt hin zu mehr Kontrolle und Effizienz, wobei die vollständige operative Unabhängigkeit von privaten Akteuren noch zu klären ist.

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