Rollstuhl (Foto: Hans Moerman/Unsplash).
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Außergewöhnliche Vorfälle an europäischen Flughäfen: Verstorbene Personen als Passagiere getarnt

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Der internationale Flugverkehr wird durch strengste Sicherheitsrichtlinien und standardisierte Abläufe reguliert, um einen reibungslosen Transport von Millionen Menschen und Gütern zu gewährleisten. Dennoch kam es in den vergangenen Monaten zu einer Serie von bizarren Zwischenfällen an südeuropäischen Flughäfen, die das Bodenpersonal und die Sicherheitsbehörden vor beispiellose Herausforderungen stellten. Im Zentrum dieser Ereignisse steht der Versuch von Hinterbliebenen, verstorbene Familienmitglieder als lebende Passagiere getarnt an Bord von Verkehrsflugzeugen zu bringen.

Diese Vorfälle, die sich am Flughafen Teneriffa Süd sowie auf einer Verbindung von Malaga nach London ereigneten, werfen Fragen über die Wirksamkeit von Kontrollmechanismen und die psychologischen Ausnahmesituationen von Angehörigen auf. Während die Repatriierung von menschlichen Überresten normalerweise ein hochgradig spezialisierter logistischer Prozess ist, der im Frachtraum von Flugzeugen unter strengen Auflagen erfolgt, versuchten Beteiligte in diesen Fällen, die komplexen und kostspieligen Protokolle zu umgehen.

Der Vorfall am Flughafen Teneriffa Süd

Im Oktober 2025 ereignete sich am Flughafen Teneriffa Süd (TFS) eine Szene, die das Flughafenpersonal in Fassungslosigkeit versetzte. Ein 80-jähriger Mann versuchte, seine verstorbene Ehefrau in einem Rollstuhl durch die Sicherheitskontrolle zu schleusen, um mit ihr einen Linienflug anzutreten. Das Personal am Kontrollpunkt wurde misstrauisch, als der Mann den Metalldetektor passierte, während die im Rollstuhl befindliche Frau keinerlei Reaktion zeigte und in einer unnatürlichen Starre verharrte. Bei der anschließenden genaueren Inspektion stellten die Sicherheitskräfte fest, dass die Frau keine Anzeichen einer Atmung aufwies. Eine Überprüfung des Pulses ergab zudem eine abnorm niedrigere Körpertemperatur, woraufhin umgehend medizinische Notfalldienste und die Polizei alarmiert wurden.

Nach ersten Berichten gab der Ehemann gegenüber den Behörden an, dass seine Frau erst wenige Stunden zuvor auf dem Flughafengelände verstorben sei. Anstatt jedoch Hilfe zu rufen oder den Tod offiziell zu melden, entschied er sich offenbar dazu, die Reise wie geplant fortzusetzen. Die örtlichen Behörden haben eine Untersuchung eingeleitet, um die genauen Todesumstände und den Zeitpunkt des Ablebens zu klären. Der Mann wurde vorübergehend festgenommen. Dieser Fall verdeutlicht die Belastung, die plötzliche medizinische Notfälle an Verkehrsknotenpunkten für die Infrastruktur darstellen können, und zeigt gleichzeitig die Lücken auf, die entstehen, wenn menschliches Verhalten von der Norm abweicht.

Ähnlicher Vorfall auf einem Flug nach London-Gatwick

Nur zwei Monate später, im Dezember 2025, kam es zu einem weiteren gravierenden Vorfall auf einem Flug der Gesellschaft Easyjet von Malaga nach London-Gatwick. Hier gelang es einer Familie sogar, ihre 89-jährige Großmutter bis in die Kabine des Flugzeugs zu bringen. Die Angehörigen gaben gegenüber dem Bodenpersonal an, die Seniorin sei lediglich müde und fühle sich unwohl. Passagiere beobachteten, wie die Familie den leblosen Körper in einem Rollstuhl in den hinteren Teil der Maschine schob und ihn dort auf einen Sitz hob.

Berichten zufolge verfügte die Familie über ein gültiges Dokument, das der Passagierin Flugtauglichkeit bescheinigte, ein sogenanntes Fit-to-fly-Zertifikat. Die Kabinenbesatzung bemerkte den Zustand der Frau erst, als das Flugzeug bereits zur Startbahn rollte und für den Abflug vorbereitet wurde. Da die Passagierin nicht reagierte, wurde ein medizinischer Notfall ausgerufen, und die Maschine kehrte zum Terminal zurück. Dort konnten Rettungskräfte nur noch den Tod der Frau feststellen. Der Vorfall führte zu einer Verspätung des Fluges um rund zwölf Stunden. Während die Fluggesellschaft betont, dass die Passagierin beim Boarding noch am Leben gewesen sei, untersuchen die spanischen Behörden nun, ob das Dokument rechtmäßig war und zu welchem Zeitpunkt der Tod tatsächlich eintrat.

Protokolle für die Repatriierung von Verstorbenen

Diese Ereignisse rücken die offiziellen Verfahren für den Transport verstorbener Personen in den Fokus. Die International Air Transport Association (IATA) hat hierfür strikte Richtlinien entwickelt, die sicherstellen, dass menschliche Überreste pietätvoll und unter Einhaltung gesundheitspolizeilicher Vorschriften transportiert werden. Eine Beförderung in der Passagierkabine ist unter keinen Umständen vorgesehen. Stattdessen werden Verstorbene als Spezialfracht im Frachtraum der Maschinen oder in dedizierten Frachtflugzeugen transportiert.

Der Prozess der Repatriierung ist komplex: Er erfordert eine fachgerechte Einbalsamierung, um Verwesungsprozesse während des Transports zu verhindern, sowie die Unterbringung in speziellen, versiegelten Särgen oder Transportbehältern. Zudem ist eine umfangreiche Dokumentation erforderlich, die unter anderem Totenscheine, behördliche Genehmigungen und teilweise Konsularbescheinigungen umfasst. Die Lagerung am Flughafen und im Flugzeug erfolgt in temperaturkontrollierten Bereichen. Da dieser Prozess zeitaufwendig und mit erheblichen Kosten verbunden ist, versuchen Angehörige in Einzelfällen, diese legalen Wege zu umgehen, was jedoch regelmäßig zu polizeilichen Ermittlungen und massiven Störungen des Flugbetriebs führt.

Herausforderungen für das Flughafenmanagement

Die Detektion von verstorbenen Personen im regulären Passagierfluss stellt für das Sicherheitspersonal eine ungewöhnliche Belastung dar. Die Schulungen für Sicherheitskräfte konzentrieren sich primär auf die Identifikation von gefährlichen Gegenständen, Waffen oder Sprengstoffen. Ein lebloser Körper in einem Rollstuhl wird oft erst durch sekundäre Merkmale wie fehlende Reaktion oder extreme Blässe auffällig. In einer Umgebung, die auf Geschwindigkeit und Effizienz getrimmt ist, können solche Vorfälle den gesamten Betriebsablauf lahmlegen.

Zudem müssen Fluggesellschaften bei Todesfällen an Bord oder während des Boarding-Prozesses komplexe rechtliche und medizinische Protokolle abarbeiten. Ein Flugabbruch oder die Rückkehr zum Gate verursacht hohe Kosten durch Treibhausgasemissionen, zusätzliche Landegebühren und Entschädigungszahlungen für andere Fluggäste. Die Vorfälle in Teneriffa und Malaga zeigen, dass trotz technologischer Überwachung die menschliche Komponente und die aufmerksame Beobachtung durch das Personal die letzte Verteidigungslinie gegen derartige Unregelmäßigkeiten bleiben.

Rechtliche und ethische Konsequenzen

Die juristische Aufarbeitung solcher Fälle ist kompliziert, da oft unklar ist, ob eine Störung des öffentlichen Friedens, eine Störung der Totenruhe oder lediglich ein Verstoß gegen Luftverkehrsvorschriften vorliegt. In Spanien und anderen europäischen Ländern können solche Handlungen strafrechtlich verfolgt werden, insbesondere wenn Dokumente gefälscht oder medizinische Notfälle vorgetäuscht wurden. Gleichzeitig müssen Behörden die psychische Verfassung der Angehörigen berücksichtigen, die oft aus purer Verzweiflung oder finanzieller Not handeln, um ihre Verstorbenen in die Heimat zu bringen.

Die Luftfahrtindustrie reagiert auf diese Vorfälle mit einer Sensibilisierung des Personals beim Boarding von Passagieren mit eingeschränkter Mobilität. Die Koordination zwischen medizinischen Diensten an Flughäfen und den Check-in-Mitarbeitern wird verstärkt, um sicherzustellen, dass nur Personen die Maschine betreten, die tatsächlich reisefähig sind. Letztlich bleibt die Repatriierung ein notwendiger, wenn auch oft unsichtbarer Teil der globalen Luftfahrtlogistik, der bei korrekter Durchführung die Würde der Verstorbenen und die Sicherheit des Flugbetriebs garantiert.

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