Ein schwerwiegender mechanischer Zwischenfall hat am Sonntag, den 18. Januar 2026, den Betrieb an einem der wichtigsten Luftverkehrsknotenpunkte Floridas zeitweise zum Erliegen gebracht. Ein Airbus A321neo der US-Fluggesellschaft United Airlines verlor während des Landevorgangs am Orlando International Airport (MCO) eines seiner Bugräder. Das Flugzeug, das mit 200 Passagieren und sechs Besatzungsmitgliedern besetzt war, kam auf der Landebahn zum Stillstand und blockierte daraufhin für mehrere Stunden wichtige Infrastrukturbereiche des Flughafens.
Die Federal Aviation Administration (FAA) veranlasste unmittelbar nach dem Vorfall einen vorübergehenden sogenannten Ground Stop für den gesamten Flughafen, um die Sicherheit der nachfolgenden Maschinen zu gewährleisten und die Räumung der Trümmerteile zu ermöglichen. Trotz der dramatischen Aufnahmen von Augenzeugen, die das Ereignis filmten, gab es nach offiziellen Angaben der Fluggesellschaft und der Flughafenbehörden keine Verletzten. Der Vorfall wirft Fragen zur Belastbarkeit moderner Fahrwerkssysteme unter extremen meteorologischen Bedingungen auf, da zum Zeitpunkt der Landung schwere Sturmböen und Regen über Zentralflorida hinwegzogen.
MCO today, “can see what looks like a nose wheel roll off the gear and exit to the right “ pic.twitter.com/jjb0ofWY5c
— JonNYC (@xJonNYC) January 18, 2026
Hergang des Zwischenfalls auf Flug UA2323
Der Flug UA2323 startete am Sonntagmorgen um 09:15 Uhr planmäßig am Chicago O’Hare International Airport (ORD) mit Ziel Orlando. Bei der betroffenen Maschine handelt es sich um einen erst zwei Jahre alten Airbus A321neo mit dem Kennzeichen N14502. Bis zum Anflug auf Florida verlief die Reise ohne gemeldete Besonderheiten. Gegen 12:35 Uhr setzte das Flugzeug zur Landung in Orlando an, wo zu diesem Zeitpunkt schwierige Wetterbedingungen herrschten. Videoaufnahmen, die von einem Flughafenmitarbeiter auf einer angrenzenden Rollbahn gemacht wurden, zeigen, wie die Maschine zunächst scheinbar stabil auf den Hauptfahrwerken aufsetzte.
Sekunden nach dem ersten Bodenkontakt kam es jedoch zu einer heftigen Reaktion des Flugzeughecks. Die linke hintere Fahrwerksgruppe schien von der Landebahn abzuprallen, was eine ungleichmäßige Gewichtsverteilung auf die Flugzeugnase zur Folge hatte. Unter der enormen vertikalen und lateralen Belastung scherte eines der beiden Räder des Bugfahrwerks ab. In den Aufnahmen ist deutlich zu erkennen, wie das Bauteil mit hoher Geschwindigkeit von der Maschine wegrollt und schließlich auf einer Grünfläche neben der Piste zum Liegen kommt. Die Piloten schafften es dennoch, das Flugzeug sicher in der Spur zu halten und kontrolliert abzubremsen, bevor es manövrierunfähig auf der Landebahn liegen blieb.
Einsatz der Rettungskräfte und Evakuierung
Unmittelbar nach dem Stillstand des Airbus leiteten die Flughafenbehörden die Alarmierung der Rettungs- und Feuerwehrdienste (ARFF) ein. Die Einsatzkräfte sicherten die Maschine vor Ort ab und untersuchten das Fahrwerk auf mögliche Brandherde oder weitere strukturelle Schäden. Da die A321neo aus eigener Kraft nicht mehr zur Parkposition rollen konnte und auch ein Abschleppen unter den gegebenen Umständen Zeit in Anspruch nahm, entschied die Einsatzleitung, die Passagiere direkt auf der Landebahn aussteigen zu lassen.
Die 200 Fluggäste wurden über Treppen aus dem Flugzeug geleitet und mit Bussen zum Terminalgebäude transportiert. United Airlines bestätigte in einer ersten Stellungnahme, dass die Sicherheit der Gäste zu jeder Zeit oberste Priorität hatte. Während der Evakuierung wurden die Passagiere betreut, und die Fluggesellschaft stellte Teams bereit, um die Weiterreise oder Unterbringung der Betroffenen zu koordinieren. Die schnelle Reaktion der Bodenmannschaften verhinderte eine Panik an Bord, obwohl viele Reisende den harten Aufprall und das wegrollende Rad durch die Fenster beobachtet hatten.
Auswirkungen auf den Flughafenbetrieb und die FAA-Maßnahmen
Die Blockierung der Landebahn durch das beschädigte Flugzeug führte zu massiven logistischen Herausforderungen für den Orlando International Airport, der als einer der verkehrsreichsten Hubs in Florida gilt. Gegen 19:00 Uhr Ortszeit weitete die FAA die Sicherheitsmaßnahmen aus und verhängte einen Ground Stop für alle ankommenden Flüge, da die Kapazität des Flughafens durch die gesperrte Bahn und die Aufräumarbeiten stark eingeschränkt war. Später am Abend wurde diese Maßnahme in ein Ground Delay Program umgewandelt, was für zahlreiche Reisende Verspätungen von mehreren Stunden bedeutete.
Techniker der Fluggesellschaft und Flughafenmitarbeiter arbeiteten unter Hochdruck daran, das Flugzeug für den Abtransport vorzubereiten. Hierfür musste die Bugsektion angehoben werden, um ein Ersatzrad oder eine mobile Transportvorrichtung zu installieren. Parallel dazu wurde die Piste auf Fremdkörper (Foreign Object Debris – FOD) untersucht, da Teile der Fahrwerksaufhängung oder mechanische Komponenten des Radlagers auf dem Asphalt verteilt sein konnten. Erst nach der vollständigen Reinigung und Inspektion konnte der Flugbetrieb auf der betroffenen Bahn wieder freigegeben werden.
Wettereinflüsse als möglicher Faktor
Ein zentraler Aspekt der laufenden Untersuchungen sind die meteorologischen Bedingungen zum Zeitpunkt des Unglücks. Nationale Wetterdienste hatten für den Nachmittag des 18. Januar vor schweren Gewittern und Sturmböen gewarnt. Berichte sprechen von Windgeschwindigkeiten von bis zu 87 km/h am Flughafen Orlando, was die Landung selbst für erfahrene Besatzungen zu einer Herausforderung macht. Experten vermuten, dass eine plötzliche Scherwind-Böe (Gust) das Flugzeug im Moment des Aufsetzens erfasst haben könnte.
Wenn ein Flugzeug in einer sogenannten Crosswind-Lage (Seitenwindlandung) aufsetzt, wirken enorme seitliche Scherkräfte auf das Fahrwerk. Sollte die Nase der Maschine durch eine Windböe unvorhergesehen nach unten gedrückt worden sein, bevor die Hauptfahrwerke das Gewicht vollständig stabilisiert hatten, könnte dies die strukturelle Belastbarkeit der Bugradaufhängung überschritten haben. Die Auswertung der Flugdatenschreiber (Black Box) wird zeigen, ob die mechanische Belastung innerhalb der vom Hersteller Airbus spezifizierten Grenzwerte lag oder ob ein Materialfehler vorlag.
Technischer Zustand der Airbus-Flotte
Die betroffene Maschine vom Typ A321neo gehört zur modernsten Generation der Airbus-Kurz- und Mittelstreckenflotte. Mit einem Alter von nur zwei Jahren galt das Flugzeug als nahezu fabrikneu. United Airlines hat in den letzten Jahren massiv in diesen Flugzeugtyp investiert, um ältere Modelle zu ersetzen. Bisher galt die A321neo als äußerst zuverlässig, weshalb der Verlust eines Rades bei einer regulären Landung in der Branche für Aufsehen sorgt.
Sicherheitsanalysten weisen darauf hin, dass die FAA bereits in der Vergangenheit Anweisungen zur Überprüfung von Fahrwerkskomponenten bei verschiedenen Flugzeugtypen herausgegeben hat, um Ermüdungserscheinungen oder fehlerhafte Montageprozesse auszuschließen. Im vorliegenden Fall wird nun geprüft, ob es Parallelen zu ähnlichen Vorfällen bei anderen Betreibern gibt. Airbus hat seine Unterstützung bei der Untersuchung zugesagt und wird technische Daten bereitstellen, um die Ursache für die Trennung des Bugrads lückenlos aufzuklären. Die betroffene Maschine bleibt bis zum Abschluss der Reparaturen und Sicherheitschecks in Orlando am Boden.
Untersuchung und künftige Sicherheitsstandards
Die FAA und das National Transportation Safety Board (NTSB) haben bereits Voruntersuchungen eingeleitet. Dabei geht es nicht nur um die technische Komponente des Radverlusts, sondern auch um die operativen Entscheidungen der Besatzung während des Anflugs unter Starkwindbedingungen. Die Ergebnisse dieser Untersuchung könnten Auswirkungen auf die künftigen Ausbildungsprotokolle für Landungen bei Extremwetter sowie auf die Wartungsintervalle der Fahrwerkssysteme haben.
United Airlines betonte in einem Folgestatement, dass man eng mit den Behörden zusammenarbeite. Die Fluggesellschaft wird zudem eine interne Revision ihrer A321neo-Flotte durchführen, um sicherzustellen, dass keine weiteren Maschinen Anzeichen für ähnliche strukturelle Schwächen zeigen. Für die Passagiere bleibt der Vorfall eine Mahnung an die Unberechenbarkeit technischer Systeme unter Naturgewalten, während die Branche die hohe Sicherheit lobt, die dazu führte, dass trotz des mechanischen Versagens alle Insassen unversehrt blieben.