Die Flughafen Wien AG blickt auf das erfolgreichste Jahr ihrer Unternehmensgeschichte zurück. Mit einem Passagieraufkommen von 32,6 Millionen Reisenden am Standort Wien und insgesamt 43,4 Millionen Passagieren in der gesamten Gruppe, zu der auch die Beteiligungen in Malta und Kosice gehören, wurden im Jahr 2025 neue Höchstwerte erzielt. Allerdings: Zumindest in Wien dürften die Rekordzahlen so schnell nicht mehr erreicht werden, denn für 2026 rechnet man mit allenfalls rund 30 Millionen Reisenden.
Das Wachstum von 4,9 Prozent in der Gruppe verdeutlicht die ungebrochene Reiselust und die starke Erholung des Luftverkehrsmarktes. Neben dem Passagierrekord verzeichnete der Flughafen auch beim Frachtaufkommen einen neuen Spitzenwert von über 313.000 Tonnen. Trotz dieser Erfolge prognostiziert der Vorstand für das laufende Jahr 2026 eine leichte Konsolidierung der Verkehrszahlen.
Während die Nachfrage im asiatischen Raum sowie im Nahen Osten weiterhin zweistellige Zuwachsraten aufweist, dämpfen Kapazitätsreduktionen großer Low-Cost-Carrier und hohe nationale Standortkosten die Wachstumsaussichten. Um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, plant der Flughafen Wien für 2026 eine signifikante Senkung der Flughafenentgelte sowie Rekordinvestitionen in die Infrastruktur in Höhe von 330 Millionen Euro, die ohne Kreditaufnahme aus Eigenmitteln finanziert werden sollen.
Im Bereich der Billigflieger, die maßgeblich zu den jüngsten Rekordzahlen beigetragen haben, hat die Flughafen Wien AG den vollständigen Rückzug der Wizz Air zu verkraften. Diese tilgt die österreichische Bundeshauptstadt bis März 2026 komplett aus dem Streckennetz und setzt stattdessen auf den günstigeren Flughafen Bratislava. Der Konkurrent Ryanair zieht fünf von Malta Air betriebene Boeing 737-Jets ab. Auch die Flotte der Austrian Airlines ist im Umbruch. Laut den Verantwortlichen der genannten Billigflieger sollen die Standortkosten zu hoch sein, allen voran kritisiert man die österreichische Flugticketsteuer, die in Bratislava nicht anfällt, weil die Slowakei eine derartige Abgabe nicht erhebt. Das Finanzministerium wiegelt diesbezüglich ab, Pläne zur Senkung oder Abschaffung soll es derzeit keine geben.
Detaillierte Analyse des Verkehrsgeschehens im Rekordjahr 2025
Die positive Dynamik des Jahres 2025 zog sich durch fast alle Verkehrssegmente. Am Standort Wien stieg die Zahl der Lokalpassagiere um 3,5 Prozent auf über 25,7 Millionen, was die starke Bedeutung Wiens als Quell- und Zielmarkt unterstreicht. Im Gegensatz dazu verzeichnete der Transferverkehr einen leichten Rückgang um 2,9 Prozent auf rund 6,5 Millionen Fluggäste. Ein wesentlicher Indikator für die Effizienz des Flugbetriebs, der Sitzladefaktor, hielt sich mit 80,5 Prozent auf einem stabilen Niveau. Besonders hervorzuheben ist das Frachtaufkommen, das inklusive Trucking um 5,3 Prozent auf 313.763 Tonnen anstieg und damit die Rolle Wiens als zentraler Logistikhub in Mitteleuropa festigte.
Besonders erfolgreich entwickelten sich die internationalen Beteiligungen. Der Flughafen Malta überschritt mit einem Zuwachs von 12,3 Prozent erstmals die symbolisch wichtige Marke von 10 Millionen Passagieren. Auch der Flughafen Kosice in der Slowakei meldete mit einem Plus von 12,2 Prozent auf über 825.000 Reisende ein starkes Ergebnis. Diese internationalen Standorte liefern mittlerweile einen beträchtlichen Beitrag zum Gesamtergebnis der Gruppe. Innerhalb der Flugziele ab Wien kristallisierten sich klare Favoriten heraus: Während im Kurz- und Mittelstreckenbereich Antalya, Mallorca und Barcelona die beliebtesten Urlaubsziele waren, führten auf der Langstrecke Bangkok, New York und Taipeh die Statistik an. Die Länderwertung wurde 2025 von Deutschland, Spanien und Italien angeführt.
Herausforderungen und Gegenmaßnahmen für das Jahr 2026
Für das laufende Kalenderjahr 2026 erwartet die Flughafen Wien AG ein anspruchsvolles Umfeld. Die Prognose geht von einem leichten Rückgang auf etwa 30 Millionen Passagiere am Standort Wien und 41,5 Millionen in der Gruppe aus. Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung ist der Rückzug bzw. die Kapazitätsreduktion der Billigfluggesellschaften Ryanair und Wizz Air. Beide Airlines verlagern Teile ihres Angebots an den benachbarten Flughafen Bratislava. Als Hauptgrund hierfür werden die hohen Standortkosten in Österreich angeführt, insbesondere die staatliche Flugabgabe, die in der Slowakei nicht in dieser Form erhoben wird.
Der Vorstand der Flughafen Wien AG sieht hier dringenden politischen Handlungsbedarf. Mag. Julian Jäger wies darauf hin, dass die staatliche Flugabgabe das Wachstum am Standort Wien aktiv bremse. Um gegenzusteuern, senkt der Flughafen Wien seine eigenen Tarife für die Fluglinien um 4,6 Prozent. Diese Maßnahme soll die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts erhöhen und neue Airlines sowie Frequenzerweiterungen bestehender Partner wie Austrian Airlines fördern. Dennoch belasten diese Entgeltreduktionen primär die Umsatzentwicklung des Unternehmens im laufenden Jahr.
Finanzielle Stabilität durch Effizienzprogramme und Investitionsoffensive
Trotz der erwarteten geringeren Passagierzahlen und der Tarifsenkungen strebt der Flughafen Wien für 2026 ein stabiles Finanzergebnis an. Durch ein striktes Sparprogramm bei den Sach- und Personalkosten soll ein Nettoergebnis von rund 210 Millionen Euro erzielt werden, was dem Niveau der Prognose für 2025 entspricht. Der geplante Umsatz für die gesamte Gruppe wird bei etwa 1,05 Milliarden Euro angesiedelt, bei einem erwarteten EBITDA von rund 415 Millionen Euro.
Ein zentraler Pfeiler der Strategie für 2026 ist das Rekord-Investitionsvolumen von 330 Millionen Euro. Davon fließt ein Großteil in die Süderweiterung des Terminal 3 am Standort Wien, ein Projekt, das die Aufenthaltsqualität und Kapazität für Reisende massiv steigern wird. Ein weiteres Großvorhaben ist der Spatenstich für den Office Park 4 NEXT, der zusätzliche 17.000 Quadratmeter Bürofläche schaffen wird. Zudem wird in die Errichtung der neuen Schengen-Außengrenze investiert, um die behördlichen Anforderungen an die Grenzkontrolle effizienter zu gestalten. Dr. Günther Ofner betonte, dass diese Investitionen am Standort Wien vollständig aus dem eigenen Cashflow gedeckt werden können, was die robuste finanzielle Verfassung des Unternehmens unterstreicht.
Kritik an regulatorischen Rahmenbedingungen und Infrastrukturausbau
Die Unternehmensführung nutzt die Bekanntgabe der Zahlen auch für deutliche Kritik an den aktuellen regulatorischen Rahmenbedingungen auf europäischer und nationaler Ebene. Dr. Günther Ofner bezeichnete Teile der EU-Luftfahrtregulierung als wachstumsfeindlich und forderte Reformen, insbesondere im Hinblick auf die Entwicklung und Beimischung von synthetischen Kraftstoffen (SAF), wo aktuelle Ziele derzeit verfehlt würden. Auch auf nationaler Ebene bestehe Reformbedarf bei den Genehmigungsverfahren für Infrastrukturprojekte. Eine Novellierung des UVP-Verfahrens zur Beschleunigung von Bauvorhaben stehe nach wie vor aus.
Die Prognosen für 2026 stehen unter dem Vorbehalt, dass keine neuen geopolitischen Krisen oder massiven Verkehrsbeschränkungen eintreten. Der starke Anstieg der Passagierzahlen im Nahen und Mittleren Osten – mit einem Plus von über 42 Prozent allein im Dezember 2025 – zeigt jedoch das enorme Potenzial dieser Regionen für den Standort Wien. Der Flughafen Wien positioniert sich somit als stabiles und investitionsfreudiges Unternehmen, das trotz politischer Hürden und marktbedingter Schwankungen in der Billigflugbranche konsequent auf Qualität und Kapazitätsausbau setzt, um langfristig seine Rolle als führende Luftfahrtdrehscheibe in Zentraleuropa zu behaupten.