In einer richtungsweisenden Pressekonferenz in der Salzburger Schwarzenberg-Kaserne haben Verteidigungsministerin Klaudia Tanner und die Salzburger Landeshauptfrau Karoline Edtstadler am 20. Februar 2026 die nächsten entscheidenden Schritte des militärischen Aufbauplans ÖBH 2032+ präsentiert. Nach der Modernisierung der Luftfahrzeugflotte in den vergangenen Jahren verschiebt sich der Fokus des Bundesministeriums für Landesverteidigung nun massiv auf die bodengebundene Luftabwehr.
Der Standort Salzburg soll dabei eine Schlüsselrolle einnehmen und zum nationalen Herzstück der elektronischen Drohnenabwehr sowie zu einem zentralen Pfeiler der europäischen Luftverteidigungsinitiative Sky Shield ausgebaut werden. Mit einem Investitionsvolumen von 2,5 Milliarden Euro für Kurz- und Mittelstreckensysteme plant das Bundesheer, die lückenlose Überwachung und den Schutz des österreichischen Luftraums bis zum Jahr 2032 sicherzustellen. Dieser Umbau markiert zudem eine organisatorische Zäsur: Der bisherige Verband der Luftraumüberwachung wird in den kommenden Jahren zu einem umfassenden Verband der Luftverteidigung transformiert, wobei das Jägerbataillon 8 in Wals-Siezenheim in ein spezialisiertes Flugabwehrbataillon umgewandelt wird.
Technologische Modernisierung der Flugabwehrsysteme
Ein wesentlicher Bestandteil der Mission Vorwärts ist die technische Aufwertung bestehender Waffensysteme. Die bewährte 35mm Fliegerabwehrkanone des Bundesheeres wird einer umfassenden Nutzungsdauerverlängerung unterzogen. Ziel ist es, diese Systeme bis zum ersten Quartal 2028 auf einen weltweiten Spitzenstandard im Bereich der kanonenbasierten Flug- und Drohnenabwehr zu heben. Durch moderne Sensorik und präzise Feuerleitsysteme sollen künftig auch kleinste unbemannte Flugobjekte effektiv bekämpft werden können.
Parallel dazu treibt das Bundesheer die Beschaffung des hochmodernen Systems Skyranger voran. Bis zum Jahr 2030 sollen insgesamt 36 dieser Gefechtsfahrzeuge in den Dienst gestellt werden. Der Skyranger ermöglicht dem Bundesheer die Rückkehr zur Fähigkeit des mobilen Begleitschutzes für Truppenbewegungen am Boden. Das System ist mit einer Kanone für den Nahbereich bis zu 2,5 Kilometern ausgestattet und verfügt zusätzlich über die Fliegerabwehrlenkwaffe Mistral 3, die Ziele in größerer Distanz bekämpfen kann. In Salzburg allein werden drei solcher Feuereinheiten stationiert, um die elektronische Drohnenabwehr physisch zu verstärken.
Salzburg als strategischer Knotenpunkt für Sky Shield
Die Landeshauptfrau Karoline Edtstadler betonte während des Pressegesprächs, dass Salzburg bereits heute das operative Gehirn der Luftstreitkräfte sei. In der Einsatzzentrale in St. Johann im Pongau laufen sämtliche Informationen der Luftraumüberwachung zusammen. Diese Rolle wird nun durch die Disloziereung neuer Abwehrsysteme massiv aufgewertet. Salzburg ist als wichtiger Standort für die Umsetzung der European Sky Shield Initiative vorgesehen.
Im Rahmen dieses Projekts werden in der Schwarzenberg-Kaserne Systeme für verschiedene Reichweiten stationiert. Dazu gehören Kurzstreckensysteme, die einen Radius von bis zu 15 Kilometern abdecken, sowie Systeme der mittleren Reichweite, die Ziele in einer Entfernung von bis zu 50 Kilometern erfassen und bekämpfen können. Diese abgestuften Verteidigungslinien sollen einen lückenlosen Schutzwall gegen Bedrohungen von oben bilden – angefangen bei kleinen Aufklärungsdrohnen bis hin zu schnelleren Flugobjekten in mittleren Höhenlagen.
Ausbau der elektronischen Drohnenabwehr
Die Abwehr von unbemannten Luftfahrzeugen hat sich zu einer der vordringlichsten Aufgaben moderner Streitkräfte entwickelt. Das Bundesheer nutzt hierfür bereits das System Eldro (Elektronische Drohnenabwehr), das ursprünglich für den Schutz der EU-Ratspräsidentschaft im Jahr 2018 angeschafft wurde. Die Erfahrungen mit diesem System bilden die Basis für die geplante Erweiterung. In Salzburg soll nun das Kompetenzzentrum für die elektronische Kampfführung gegen Drohnen entstehen.
Dabei geht es nicht nur um den kinetischen Abschuss, sondern primär um das Stören von Steuersignalen und die Lokalisierung der Fernsteuerungseinheiten. Diese elektronischen Schutzmaßnahmen sind besonders in der Nähe von kritischer Infrastruktur oder in dicht besiedelten Gebieten von Bedeutung, um Kollateralschäden zu vermeiden. Das künftige Flugabwehrbataillon 8 wird speziell für diese Aufgaben geschult und ausgerüstet.
Investitionen und personelle Weichenstellungen
Die Umsetzung des Aufbauplans ÖBH 2032+ erfordert neben den technischen Beschaffungen auch strukturelle Anpassungen im Personalwesen. Die Landeshauptfrau sprach sich in diesem Zusammenhang für eine zeitgemäße Ausrüstung und eine Verlängerung des Wehrdienstes aus, um den komplexen Anforderungen an modernen Waffensystemen gerecht zu werden. Die Ausbildung an hochtechnologisierten Geräten wie dem Skyranger oder den Eldro-Systemen erfordert eine längere Spezialisierungsphase der Soldaten.
Mit dem Budget von 2,5 Milliarden Euro für die bodengebundene Luftabwehr setzt die Bundesregierung ein deutliches Zeichen für die militärische Landesverteidigung. Die volle Einsatzbereitschaft der neuen Verbände und Systeme wird für das Jahr 2032 angestrebt. Bis dahin wird der Standort Salzburg kontinuierlich ausgebaut, um den neuen Herausforderungen im Bereich der Luftraumsicherung gerecht zu werden. Die Mission Vorwärts soll sicherstellen, dass Österreichs Neutralität auch im Bereich der modernen Kriegsführung durch eine leistungsfähige Verteidigungsarchitektur geschützt bleibt.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass das Bundesheer mit der Fokussierung auf die Luftabwehr in Salzburg eine wesentliche Lücke in der nationalen Sicherheitsstrategie schließt. Die Kombination aus traditioneller Fliegerabwehr, mobilen Begleitschutzsystemen und hochspezialisierter elektronischer Drohnenabwehr positioniert das österreichische Bundesheer neu im internationalen Vergleich und sichert den militärischen Standort Salzburg langfristig ab.