Die ukrainische Antonov Airlines festigt ihre Präsenz am Flughafen Leipzig/Halle und überführt ihre seit Anfang 2022 bestehende provisorische Basis in eine dauerhafte Infrastruktur.
Auf einem 24.000 Quadratmeter großen Areal im nördlichen Bereich des zweitgrößten deutschen Frachtflughafens haben die Erdarbeiten für einen modernen Wartungshangar bereits begonnen. Der Hochbau soll spätestens im April 2026 starten, wobei die Fertigstellung des Gesamtprojekts für das Jahr 2027 geplant ist. Grundlage für die Bauarbeiten ist ein Erbbauvertrag, den der Flughafenbetreiber mit der Antonov Logistics Salis GmbH (ALS) geschlossen hat. Damit reagiert das Unternehmen auf die Notwendigkeit, seine Flotte von derzeit sechs Großfrachtflugzeugen des Typs An-124 dauerhaft außerhalb der Ukraine zu warten und operativ zu steuern.
Der Flughafen Leipzig/Halle dient Antonov Airlines bereits seit Ausbruch des russischen Angriffskrieges als strategisches Flottenexil. In den Stunden unmittelbar vor der Invasion im Februar 2022 gelang es der Werksfluggesellschaft, einen Großteil ihrer Maschinen aus Kiew auszufliegen und so vor der Zerstörung zu bewahren. Ein bemerkenswerter operativer Erfolg war die Überführung einer sechsten An-124 im Juli 2025, die vom Werksflughafen Kiew-Swjatoschyn nach Sachsen verlegt wurde. Die Wahl des Standorts Leipzig war dabei kein Zufall: Bereits seit 2006 unterhält Antonov am sächsischen Drehkreuz eine Wartungsbasis, die im Rahmen des SALIS-Programms (Strategic Airlift International Solution) der NATO eine zentrale Rolle beim Transport von Schwerlasten und militärischem Gerät spielt.
Während Antonov Airlines massiv in die Zukunft des Standorts investiert, bleibt das Schicksal anderer Großfrachtflugzeuge am Platz ungeklärt. Auf dem Flughafengelände stehen derzeit drei weitere Maschinen des Typs An-124, die dem russischen Anbieter Volga-Dnepr gehören. Diese Flugzeuge sind aufgrund der geltenden Sanktionen und Luftraumsperrungen bereits seit dem Jahr 2021 festgesetzt und können das Drehkreuz bis auf Weiteres nicht verlassen. Im Gegensatz dazu nutzt Antonov die neue Basis, um seine Marktführerschaft im Bereich der zivilen und militärischen Schwerlastlogistik weiter auszubauen. Der neue Hangar wird es ermöglichen, komplexe Instandhaltungsarbeiten an den riesigen Triebwerken und der Flugzeugzelle wetterunabhängig und effizienter als bisher durchzuführen.
Die Ansiedlung unterstreicht die wachsende Bedeutung des Flughafens Leipzig/Halle als einer der wichtigsten Logistikknotenpunkte in Europa. Neben dem Expressfrachtgeschäft von DHL bildet die Spezialisierung auf Groß- und Schwerlasttransporte ein zweites wirtschaftliches Standbein der Region. Mit der neuen Investition von Antonov entstehen zusätzliche hochqualifizierte Arbeitsplätze im Bereich der Flugzeugwartung und Logistikplanung. Da die An-124 weltweit eines der wenigen Flugzeuge ist, das extrem sperrige Güter wie Satelliten, Turbinen oder Hilfsgüter über weite Strecken transportieren kann, sichert die feste Basis in Leipzig die globale Verfügbarkeit dieser einzigartigen Transportkapazitäten für internationale Auftraggeber ab.