Die strategische Kooperation zwischen dem brasilianischen Flugzeugbauer Embraer und dem indischen Industriekonzern Adani Defence & Aerospace nimmt konkrete Formen an. Am 21. Februar 2026 unterzeichneten beide Unternehmen in Neu-Delhi eine Absichtserklärung zum Aufbau einer Endmontagelinie (Final Assembly Line, FAL) für den Regionaljet des Typs E175 in Indien.
Die Zeremonie fand im Beisein des brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva und des indischen Handelsministers Piyush Goyal statt. Dieser Schritt folgt einer ersten Grundsatzvereinbarung vom Januar 2026 und markiert den Beginn einer tiefgreifenden industriellen Partnerschaft, die Indien als Produktionsstandort für moderne Verkehrsflugzeuge etablieren soll.
Die Entscheidung für die E175 begründet sich in der spezifischen Nachfrage des indischen Marktes. Mit einer Kapazität von bis zu 88 Passagieren gilt der Jet als ideales Fluggerät für regionale Strecken. Embraer prognostiziert für Indien in den kommenden zwei Jahrzehnten einen Bedarf von rund 500 Flugzeugen im Segment zwischen 80 und 146 Sitzen. Die lokale Fertigung soll nicht nur die Verfügbarkeit erhöhen, sondern auch die Kosten für indische Fluggesellschaften senken. Neben der reinen Montage planen Embraer und die Adani Group den Aufbau einer vollständigen Lieferkette sowie die Einrichtung von Wartungsbetrieben und Schulungszentren für Piloten direkt vor Ort.
Die industrielle Initiative ist eng mit den politischen Zielen der indischen Regierung verknüpft. Im Rahmen des Programms „UDAN“ fördert der indische Staat massiv den Ausbau regionaler Flugverbindungen, um das wirtschaftliche Gefälle zwischen Metropolen und ländlichen Regionen zu verringern. Hierfür wurden bereits zahlreiche Flughäfen in kleineren Städten modernisiert oder neu errichtet. Die Partnerschaft mit Adani ermöglicht es Embraer, von diesen staatlichen Anreizen zu profitieren und den Marktzugang gegenüber Konkurrenten zu festigen. Für die Adani Group bedeutet das Projekt einen weiteren Expansionsschritt in den Hochtechnologiesektor der Luft- und Raumfahrt.
Branchenexperten werten die Zusammenarbeit als Teil des indischen „Make in India“-Bestrebens, das die Abhängigkeit von Importen in strategisch wichtigen Sektoren reduzieren soll. Die E175 hat sich bereits weltweit im Regionalverkehr bewährt und soll nun zum Rückgrat der indischen Inlandsanbindung werden. Die Vorbereitungen für die notwendigen Produktionsanlagen laufen bereits an, wobei besonderes Augenmerk auf die Ausbildung von qualifiziertem Fachpersonal und die Integration lokaler Zulieferer gelegt wird. Damit entsteht in Indien ein neues Kompetenzzentrum für die zivile Luftfahrtindustrie, das langfristig auch Exportpotenzial in benachbarte Regionen besitzen könnte.