Eiffelturm in Paris (Foto: Pixabay).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Croisi Europe setzt erstmals Schaufelradschiff für exklusive Frankreich-Routen ein

Werbung

Die europäische Flusskreuzfahrtbranche erlebt im Frühjahr 2026 eine technische und touristische Premiere auf einem der bedeutendsten Wasserwege Frankreichs. Die in Straßburg ansässige Reederei Croisi Europe hat angekündigt, ab März erstmals ein Schiff mit Schaufelradantrieb auf der Seine einzusetzen.

Die R.E. Waydelich, ein speziell für flache Gewässer konzipierter Neubau, wird Paris als zentralen Ein- und Ausschiffungshafen nutzen, um Regionen der Seine zu erschließen, die für herkömmliche Kreuzfahrtschiffe aufgrund ihrer Dimensionen oft unzugänglich bleiben. Mit einer Kapazität von lediglich 81 Passagieren in 42 Kabinen zielt das Unternehmen auf ein Marktsegment ab, das Intimität und nautische Besonderheiten in den Vordergrund stellt. Durch die Kombination von traditioneller Schaufelradtechnik und modernem Jetantrieb erreicht das Schiff einen extrem geringen Tiefgang, was die Manövrierfähigkeit in engen Passagen der oberen Seine signifikant erhöht. Flankiert wird der Einsatz von vier thematisch differenzierten Reisen, die sowohl historische als auch kulturelle Schwerpunkte setzen und teilweise das 50-jährige Bestehen des Familienunternehmens zelebrieren.

Technische Besonderheiten der R.E. Waydelich

Der Einsatz der R.E. Waydelich markiert einen strategischen Wendepunkt in der Flottenplanung von Croisi Europe für den französischen Markt. Das Schiff nutzt eine Antriebstechnologie, die ursprünglich für die Elbe und die Oder entwickelt wurde, um auch bei niedrigen Wasserständen die Fahrplantreue zu gewährleisten. Das markante Schaufelrad am Heck ist jedoch nicht nur ein optisches Reminiszenz an die Ära der Raddampfer, sondern ein funktionales Element der Fortbewegung. In Kombination mit einem modernen Jetantrieb ermöglicht diese Bauweise eine präzise Steuerung, die es dem Schiff erlaubt, Liegeplätze unmittelbar in den historischen Stadtzentren anzulaufen, die für größere Einheiten gesperrt sind.

Mit einer Länge von weniger als 100 Metern gehört die Waydelich zu den kleineren Einheiten auf der Seine. Dies ist ein entscheidender Vorteil für die geplanten Routen auf der oberen Seine, die durch zahlreiche Schleusen und engere Flusswindungen gekennzeichnet sind. Der geringe Tiefgang sorgt dafür, dass das Schiff auch in Trockenperioden operabel bleibt, ohne auf alternative Transportmittel für die Passagiere ausweichen zu müssen. Die Innenarchitektur des Schiffes ist auf maximalen Komfort bei begrenztem Platzangebot ausgelegt, wobei alle Kabinen Außenansichten bieten, um die vorbeiziehende Landschaft der Ile de France und der Normandie optimal erlebbar zu machen.

Erschließung der oberen Seine und landschaftlicher Kleinode

Ein Kernstück des neuen Programms ist die Kreuzfahrt mit dem Titel Petits Bijoux des Bords de Seine. Diese Route hebt sich von den Standardprogrammen ab, die zumeist nur den Abschnitt zwischen Paris und der Seinemündung bedienen. Die Waydelich steuert von Paris aus Orte wie Conflans-Sainte-Honorine und Les Andelys an. Ein besonderer Fokus liegt auf der landschaftlichen Vielfalt der Uferabschnitte, die durch steile Kalkfelsen und dichte Wälder geprägt sind. Ein architektonischer Höhepunkt dieser Reise ist das Chateau Gaillard, die von Richard Löwenherz errichtete Festungsruine, die über dem Tal der Seine thront.

Durch die Wendigkeit des Schiffes können zudem historische Gartenanlagen und kleinere Ufergemeinden angelaufen werden, die bisher kaum im Fokus des organisierten Flusstourismus standen. Die Route bis nach Rouen kombiniert dabei die Ruhe der Natur mit dem Besuch geschichtsträchtiger Städte, wobei der Aufenthalt in Rouen den Passagieren die Möglichkeit gibt, die gotische Architektur und die mittelalterliche Altstadt eingehend zu erkunden. Die Reederei betont, dass gerade die Entschleunigung auf den weniger befahrenen Abschnitten der oberen Seine ein Alleinstellungsmerkmal dieser Reisen darstellt.

Historische Zeitreise zwischen Fontainebleau und der Küste

Die zweite thematische Route, L’histoire de France, Paris, Normandie, verfolgt einen deutlich bildungsorientierteren Ansatz. Sie verbindet die maritime Tradition der Kanalküste mit der glanzvollen Geschichte des französischen Adels. Ein markanter Unterschied zu anderen Anbietern ist die Fahrt über die Pariser Stadtgrenzen hinaus in Richtung Süden nach Melun. Von dort aus wird den Gästen ein Besuch des Chateau de Fontainebleau ermöglicht. Das Schloss, das über Jahrhunderte als Residenz für französische Monarchen von Franz I. bis Napoleon III. diente, gilt als eines der bedeutendsten Zeugnisse französischer Hofkultur und Innendekoration.

Der zweite Teil dieser Reise führt den Flussverlauf hinunter in Richtung Normandie. Stationen wie Honfleur mit seinem historischen Hafenbecken und den schmalen, schieferverkleideten Häusern illustrieren die wirtschaftliche Bedeutung der Seine für den mittelalterlichen Handel. Die Kombination aus den prunkvollen Monumenten im Landesinneren und der rauen Eleganz der normannischen Küstenorte soll den Passagieren einen umfassenden Einblick in die Entwicklung der französischen Nation entlang ihrer wichtigsten Lebensader bieten.

Jubiläumsreisen und kulturelle Akzente

Anlässlich des 50-jährigen Bestehens von Croisi Europe wurden zwei Sonderreisen konzipiert, die über das rein touristische Programm hinausgehen und einen starken Fokus auf die französische Identität legen. Die erste Jubiläumsreise widmet sich der Tradition des Chansons. Hierbei werden die Landgänge in Rouen und an der Küste durch ein abendliches Bordprogramm ergänzt, das die musikalische Geschichte Frankreichs mit regionalen kulinarischen Spezialitäten verknüpft. Ziel ist es, ein synergetisches Erlebnis aus Kultur und Gastronomie zu schaffen, das die Philosophie des familiengeführten Unternehmens widerspiegelt.

Die zweite Sonderreise steht ganz im Zeichen von Claude Francois, einer Ikone der französischen Popmusik der 1960er und 70er Jahre. Diese Themenkreuzfahrt richtet sich gezielt an Liebhaber dieser Ära und integriert spezifische Themenabende sowie Landgänge, die Bezüge zum Leben und Werk des Künstlers aufweisen. Die Route führt ebenfalls über Paris, Rouen und Honfleur, wobei der musikalische rote Faden die Reise strukturiert. Diese Art der Spezialisierung verdeutlicht den Trend in der Flusskreuzfahrtbranche, durch spitz zugeschnittene Themenangebote neue Zielgruppen zu erschließen und die Bindung zu Bestandskunden zu vertiefen.

Marktpositionierung und wirtschaftliche Bedeutung

Für den Standort Paris und die Region Normandie bedeutet der Einsatz der R.E. Waydelich eine Diversifizierung des touristischen Angebots. Während die großen Reedereien oft auf Schiffe mit hoher Passagierkapazität setzen, besetzt Croisi Europe mit dem Schaufelradschiff eine Nische. Die Möglichkeit, innenstadtnahe Liegeplätze zu nutzen, ist ein logistischer Vorteil, der die Attraktivität der Reisen steigert, da lange Transferzeiten zu den Sehenswürdigkeiten entfallen.

Die wirtschaftliche Bedeutung dieser neuen Routen erstreckt sich auch auf die kleineren Häfen entlang der Seine, die von der Kaufkraft der Kreuzfahrtgäste profitieren. Da das Schiff nur 81 Passagiere befördert, bleibt die Belastung für die lokale Infrastruktur gering, während die Wertschöpfung pro Gast oft höher liegt als im Massentourismus. Für Croisi Europe selbst stellt die Expansion auf die Seine mit diesem Schiffstyp einen Testlauf dar, ob sich die Schaufelradtechnik auch auf anderen westeuropäischen Strömen mit ähnlichen nautischen Herausforderungen dauerhaft etablieren lässt. Die Buchungszahlen für die ersten Abfahrten im März deuten darauf hin, dass das Interesse an dieser Form des Reisens hoch ist, insbesondere bei einem Publikum, das Wert auf technische Originalität und abseits gelegene Routen legt.

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung