Die israelische Luftfahrtbranche steht vor einer weitreichenden personellen und strukturellen Veränderung. Nachdem die Verhandlungen zwischen den derzeitigen Eigentümern, den Brüdern Nakash, und dem amerikanisch-jüdischen Geschäftsmann Elliot Zemel ergebnislos abgebrochen wurden, hat der Verkaufsprozess der Fluggesellschaft Arkia eine neue, dynamische Phase erreicht.
Branchenberichten zufolge prüfen derzeit nicht weniger als zehn verschiedene Interessengruppen die Abgabe eines verbindlichen Übernahmeangebots. Unter den potenziellen Käufern befinden sich drei finanzstarke Unternehmen aus den Vereinigten Staaten, die im Besitz amerikanischer Israelis sind und deren Marktwert auf mehrere Milliarden Dollar geschätzt wird, sowie sieben namhafte israelische Firmengruppen. Die Verkäuferseite hat den 15. April 2026 als verbindliche Frist für die Einreichung der Angebote festgesetzt. Besonders bemerkenswert ist die Neuausrichtung der Verkaufsstrategie: Wurde der Wert der Airline zu Beginn des Prozesses noch auf etwa 45 bis 50 Millionen Dollar taxiert, verzichtet das Management nun auf die Nennung eines festen Zielpreises. Ziel dieser Taktik ist es, einen Bieterwettstreit zu entfachen, um den maximalen Marktwert der zweitgrößten israelischen Fluggesellschaft zu realisieren.
Die Neuausrichtung nach dem Scheitern der Zemel-Gespräche
Der Rückzug von Elliot Zemel aus den Verhandlungen markierte einen Wendepunkt im Verkaufsprozess. Zemel, der vor allem im US-amerikanischen Pflegesektor und im israelischen Cannabismarkt als einflussreicher Akteur gilt, hatte über einen längeren Zeitraum intensiv die Bücher der Fluggesellschaft geprüft. Letztlich entschied er sich jedoch gegen den Einstieg in die Luftfahrtbranche. Für Arkia bedeutete dies jedoch keinen Stillstand, sondern vielmehr eine Öffnung des Verfahrens für einen breiteren Kreis an Investoren. Die Brüder Nakash, die Arkia über ihre Holdinggesellschaft kontrollieren, signalisierten deutlich, dass sie an einem zügigen, aber wirtschaftlich optimierten Abschluss interessiert sind.
Die Zusammensetzung des Bieterfeldes spiegelt die strategische Bedeutung von Arkia wider. Die drei US-Unternehmen bringen nicht nur internationales Kapital, sondern auch potenzielles Know-how aus dem nordamerikanischen Markt mit. Die sieben israelischen Bieter wiederum bestehen zum Teil aus führenden Köpfen der heimischen Wirtschaft, die Synergieeffekte mit ihren bestehenden Portfolios im Bereich Tourismus, Transport oder Logistik suchen. Arkia dient dabei als wichtiger Baustein für integrierte Reisekonzepte, da die Fluggesellschaft sowohl im Inlandsverkehr nach Eilat als auch auf internationalen Kurz- und Mittelstrecken fest etabliert ist.
Struktur der Anteilsverhältnisse und die Rolle der Belegschaft
Ein entscheidender Faktor bei den anstehenden Verhandlungen ist die besondere Eigentümerstruktur der Arkia. Im Gegensatz zu vielen anderen Fluggesellschaften halten die Mitarbeiter über die Gesellschaft Tut (Aviation and Tourism Employees Corporation) einen signifikanten Anteil von rund 18 Prozent an den Aktien des Unternehmens. Diese Beteiligung ist das Ergebnis früherer Vereinbarungen und Sanierungsschritte. Für potenzielle Käufer bedeutet dies, dass ein Abschluss nicht nur die Zustimmung der Brüder Nakash erfordert, sondern auch eine tragfähige Lösung für die Zusammenarbeit mit der Belegschaft gefunden werden muss.
Im Rahmen der Investitionen der Nakash-Gruppe kam es in der Vergangenheit zu einer Verwässerung der Mitarbeiteranteile, doch den Beschäftigten steht vertraglich die Option offen, ihre Beteiligung unter bestimmten Bedingungen wieder zu erhöhen. Ein neuer Investor wird daher ein besonderes Augenmerk auf die Tarifstrukturen und die langfristige Einbindung der erfahrenen Belegschaft legen müssen, um die operative Stabilität der Airline zu gewährleisten. Die Arbeitnehmervertreter beobachten den Prozess genau, da die Identität des künftigen Mehrheitseigentümers maßgeblichen Einfluss auf die künftige Flottenstrategie und die Standortgarantien haben wird.
Wirtschaftliche Rahmenbedingungen und operative Kapazitäten
Die wirtschaftliche Attraktivität der Arkia basiert auf ihrer starken Marktposition im israelischen Tourismussektor. Die Airline betreibt eine moderne Flotte, zu der unter anderem Maschinen vom Typ Airbus A321neo gehören, die eine hohe Effizienz auf Strecken nach Europa und in den Mittelmeerraum ermöglichen. Zudem verfügt die Fluggesellschaft über wertvolle Slots am Flughafen Ben Gurion sowie am Flughafen Ramon bei Eilat. In einem Marktumfeld, das durch eine stetig wachsende Nachfrage nach Flugreisen in der Region geprägt ist, stellt Arkia ein wertvolles Asset dar.
Der Verzicht auf einen festen Verkaufspreis durch die Nakash-Brüder wird von Marktbeobachtern als Zeichen der Stärke gewertet. Es signalisiert, dass die Eigentümer von der Werthaltigkeit des Unternehmens überzeugt sind und auf die Konkurrenz zwischen den zehn Bietergruppen setzen. Das Bieterverfahren bis Mitte April wird zeigen, wie hoch die Investoren das künftige Ertragspotenzial einschätzen. Dabei spielen nicht nur die aktuellen Bilanzen eine Rolle, sondern auch die Wachstumschancen durch eine mögliche Erweiterung des Streckennetzes und die Modernisierung der Bodeninfrastruktur.
Ausblick auf die Verhandlungsphase nach dem 15. April
Nach dem Verstreichen der Frist am 15. April 2026 wird das Management der Arkia gemeinsam mit Finanzberatern die eingegangenen Offerten prüfen. Es wird erwartet, dass ein zweistufiges Verfahren folgt, bei dem die aussichtsreichsten Kandidaten zu vertieften Verhandlungen eingeladen werden. Dabei wird es nicht nur um den reinen Kaufpreis gehen, sondern auch um die Zusicherung von Investitionen in die künftige Flottenentwicklung und die technologische Ausstattung der Airline.
Der Verkauf der Arkia könnte eine Konsolidierungswelle im israelischen Luftverkehr auslösen. Je nachdem, welcher Akteur den Zuschlag erhält, könnten neue Partnerschaften mit internationalen Reiseveranstaltern oder anderen Transportunternehmen entstehen. Für den Luftfahrtstandort Israel ist ein stabiler und finanzstarker Eigentümer für Arkia von großer Bedeutung, um den Wettbewerb zu erhalten und die Anbindung des Landes an internationale Ziele weiter zu stärken. Die kommenden Wochen bis zur Deadline werden somit richtungsweisend für die langfristige Strategie der zweitältesten Fluggesellschaft des Landes sein.