Die staatliche Fluggesellschaft Air Seychelles reagiert auf die massiven Instabilitäten im Luftraum über dem Persischen Golf und weitet ihr eigenes Streckennetz nach Europa deutlich aus.
Ab dem 20. März 2026 nimmt die Airline eine dreimal wöchentliche Nonstop-Verbindung zwischen Mahé und dem Flughafen Paris-Charles-de-Gaulle auf. Nur eine Woche später, am 28. März, folgt eine zweimal wöchentliche Verbindung nach Rom-Fiumicino. Diese strategische Entscheidung dient primär dazu, die Abhängigkeit von den großen Drehkreuzen in Dubai, Doha und Abu Dhabi zu verringern, da die dort ansässigen Fluggesellschaften Emirates, Qatar Airways und Etihad aufgrund regionaler Konflikte und weitreichender Luftraumsperrungen ihre Kapazitäten derzeit spürbar einschränken müssen.
Für die prestigeträchtige Route nach Paris setzt Air Seychelles auf ein Wet-Lease-Abkommen mit dem Partner Etihad Airways. Zum Einsatz kommt ein Langstreckenflugzeug vom Typ Boeing 787-900 (Dreamliner) mit insgesamt 290 Sitzplätzen, das über eine vollwertige Business Class mit flachen Betten verfügt. Diese Kapazitätserweiterung ist für den Inselstaat von existenzieller Bedeutung, da Frankreich traditionell einer der wichtigsten Quellmärkte für den lokalen Tourismussektor ist. Die Verbindung ist zunächst auf einen Monat befristet, eine Verlängerung oder Aufstockung auf vier wöchentliche Flüge wird jedoch bei entsprechender Nachfrage bereits geprüft. Parallel dazu wird die Rom-Verbindung mit einem modernen Airbus A320neo bedient, wobei aufgrund der Reichweite ein technischer Zwischenstopp im ägyptischen Hurghada eingeplant ist.
Die Expansion ist Teil einer koordinierten nationalen Krisenstrategie, an der neben der Fluggesellschaft auch die Regierung und die Luftfahrtbehörden der Seychellen beteiligt sind. Durch die direkte Anbindung an zwei der größten europäischen Luftfahrt-Hubs sichert der Inselstaat den Zustrom von Urlaubern und den geschäftlichen Austausch, ohne auf die derzeit unzuverlässigen Korridore im Nahen Osten angewiesen zu sein. Branchenexperten werten das Wet-Lease-Modell als klugen Schachzug, da Air Seychelles so kurzfristig auf hochmoderne Widebody-Kapazitäten zugreifen kann, ohne die langfristigen finanziellen Risiken eines eigenen Flugzeugkaufs oder Leasings in einer politisch unsicheren Phase tragen zu müssen.
Wirtschaftlich betrachtet stützt diese Maßnahme den Tourismus, der das Rückgrat der seychellischen Ökonomie bildet. Paris bietet zudem exzellente Anschlussmöglichkeiten für Reisende aus ganz Nord- und Westeuropa, während die Route nach Rom den wichtigen italienischen Markt direkt bedient. Die Airline betont, dass die Aufrechterhaltung der Konnektivität oberste Priorität hat, um Versorgungsengpässe im Reiseverkehr zu vermeiden. Die Kooperation mit Etihad Airways zeigt zudem, wie regionale Partnerschaften genutzt werden können, um geopolitischen Herausforderungen flexibel zu begegnen und die nationale Infrastruktur auch in Krisenzeiten stabil zu halten.