Die US-Bundesluftfahrtbehörde FAA hat eine Untersuchung zu einem schwerwiegenden Zwischenfall im kalifornischen Luftraum eingeleitet, bei dem eine Boeing 737-800 von United Airlines und ein Black-Hawk-Hubschrauber der Nationalgarde kollisionsgefährdet waren. Der Vorfall ereignete sich am Dienstagabend während des Landeanflugs auf den John Wayne Airport im Orange County.
Den ersten Auswertungen von Flugtracking-Daten zufolge betrug der vertikale Abstand zwischen den beiden Luftfahrzeugen zum Zeitpunkt der größten Annäherung lediglich rund 160 Meter. An Bord der United-Maschine, die als Flug 589 aus Chicago kam, befanden sich 162 Passagiere sowie sechs Besatzungsmitglieder. Die Piloten der Verkehrsmaschine wurden durch ein automatisches Kollisionswarnsystem im Cockpit alarmiert und leiteten umgehend ein Ausweichmanöver ein, bevor sie das Flugzeug sicher landen konnten.
Zusätzliche Recherchen zu den Hintergründen ergeben, dass der beteiligte Militärhubschrauber vom Typ UH-60 Black Hawk zur California Army National Guard gehört und sich auf dem Rückweg von einer Routineübung befand. Laut Stellungnahme der Nationalgarde operierte der Hubschrauber auf einem etablierten Sichtflugweg und stand zum Zeitpunkt des Vorfalls in Funkkontakt mit der zuständigen Flugsicherung. Dennoch kreuzte das Militärgerät den aktiven Anflugkorridor der zivilen Luftfahrt, was die Frage nach der Koordination zwischen den verschiedenen Luftraumnutzern aufwirft. Der John Wayne Airport gilt aufgrund seiner Lage in einem dicht besiedelten Gebiet und der komplexen Abflug- und Anflugverfahren als einer der anspruchsvollsten Verkehrsflughäfen in den Vereinigten Staaten.
Ein zentraler Aspekt der FAA-Untersuchung betrifft die Einhaltung neuer Sicherheitsrichtlinien, die erst kürzlich zur Vermeidung solcher Beinahe-Kollisionen verschärft wurden. Die Behörde prüft derzeit, ob die verantwortlichen Fluglotsen gegen die Regelung verstoßen haben, die eine rein visuelle Trennung von Hubschraubern in der Nähe von Großflughäfen untersagt. Diese Vorschrift sieht stattdessen verbindliche Mindestabstände vor, die mittels Radarkontrolle sichergestellt werden müssen. Die Ermittler analysieren nun die Funkaufzeichnungen und Radardaten, um festzustellen, warum die Staffelung zwischen der Boeing und dem Hubschrauber unterschritten wurde und ob menschliches Versagen oder systemische Lücken in der Verkehrsleitung vorlagen.
In der US-Luftfahrtindustrie wächst die Besorgnis über die Zunahme von sogenannten „Near Misses“, also gefährlichen Annäherungen im Nahbereich von Flughäfen. Branchenexperten weisen darauf hin, dass die hohe Verkehrsdichte im südkalifornischen Luftraum, in dem sich zivile, kommerzielle und militärische Flugbewegungen ständig überschneiden, ein permanentes Sicherheitsrisiko darstellt. United Airlines erklärte, vollfänglich mit den Behörden zu kooperieren, und betonte, dass die Sicherheit der Fluggäste zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen sei, da die bordeigenen Sicherheitssysteme wie vorgesehen reagiert hätten. Das Ergebnis der Untersuchung könnte weitreichende Konsequenzen für die zukünftige Staffelung von Hubschrauberflügen in kontrollierten Lufträumen haben.