Die Wiener Gastronomieszene begeht im Frühjahr 2026 ein Jubiläum von seltener Beständigkeit. Seit genau einhundert Jahren wird im Schweizerhaus, der wohl bekanntesten Institution des Wiener Praters, das tschechische Lagerbier Budweiser Budvar ausgeschenkt.
Was im Jahr 1926 mit einer Reise nach Südböhmen und einer familiären Anekdote zwischen Vater und Sohn Kolarik begann, hat sich über zehn Jahrzehnte zu einer der stabilsten internationalen Kooperationen der europäischen Gastronomie entwickelt. Zum Erreichen dieses Meilensteins kündigt die Eigentümerfamilie Kolarik für die aktuelle Saison eine umfassende Festwoche, ein eigens für diesen Anlass kreiertes Jubiläumsbier sowie ein weitreichendes Gewinnspiel an. In einer wirtschaftlich volatilen Zeit setzt der Betrieb zudem ein Zeichen der Kontinuität: Der Preis für das Krügerl Bier bleibt das dritte Jahr in Folge unverändert.
Historische Wurzeln und eine folgenschwere Entdeckung
Die Geschichte der Zusammenarbeit reicht zurück in die Zwischenkriegszeit, eine Ära des wirtschaftlichen Umbruchs und des Wandels im Publikumsgeschmack. Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs dominierte im Schweizerhaus traditionell das herbe Pilsner Urquell. Als Karl Kolarik im Alter von 20 Jahren die Leitung des Betriebs von seinem Vater Johann übernahm, suchte er nach Wegen, das Haus aus der damaligen Krise zu führen. Eine entscheidende Reise nach Budweis im Jahr 1926 legte den Grundstein für die heutige Identität des Hauses.
Einer Familienüberlieferung zufolge waren es die außergewöhnliche Bekömmlichkeit und die handwerkliche Qualität des Budweiser Bieres, die den jungen Wirt und seinen Vater überzeugten. Nachdem beide unabhängig voneinander bei einem Abendessen in Budweis heimlich mehr Biere konsumiert hatten, als sie dem jeweils anderen eingestehen wollten, stellten sie am nächsten Morgen fest, dass der Genuss ohne die damals üblichen körperlichen Nachwirkungen geblieben war. Dieses Erlebnis führte noch im selben Jahr zum ersten Liefervertrag mit der Budweiser Brauerei. Seither fungiert das Schweizerhaus für das tschechische Unternehmen als prestigeträchtiges „Fenster zur Welt“.
Exklusives Jubiläumsbier und handwerkliche Veredelung
Das Zentrum der Feierlichkeiten bildet der Zeitraum vom 13. bis zum 19. April 2026. Für diese Jubiläumswoche wurde in der tschechischen Brauerei ein exklusiver Sondersud eingebraut. Dieses Jubiläumsbier unterscheidet sich durch spezifische brautechnische Verfahren vom klassischen Original Lager. Unter der fachlichen Aufsicht von Michael Kolarik-Leingartner, Diplom-Biersommelier und zweifacher Staatsmeister, wurde ein Rezept entwickelt, das auf maximale sensorische Tiefe setzt.
Ein wesentliches Merkmal des Jubiläumssuds ist die Verwendung von frisch geernteten Dolden des Saazer Aromahopfens, der für ein florales und würziges Bouquet sorgt. Zudem wurde bewusst auf die Filtration verzichtet, wodurch die natürliche Textur und die komplexen Inhaltsstoffe des Bieres erhalten bleiben. Mit einer außergewöhnlich langen Reifezeit von fünfeinhalb Monaten im Lagerkeller der Brauerei übertrifft dieser Sud die üblichen Standards deutlich. Das Ergebnis ist ein unfiltriertes, naturtrübes Bier mit einem satten Goldton, das sowohl im Ausschank vor Ort als auch in einer limitierten 0,75-Liter-Geschenkflasche für Sammler angeboten wird.
Beständigkeit in der Preisgestaltung und Gäste-Interaktion
In einer Phase, die durch allgemeine Teuerungsraten in der Gastronomie geprägt ist, nutzt die Familie Kolarik das Jubiläum für eine deutliche Botschaft an ihre Stammgäste. Geschäftsführer Karl Hans Kolarik gab bekannt, dass der Preis für das Krügerl Budweiser Budvar auch in der Saison 2026 stabil bei 5,90 Euro gehalten wird. Diese Entscheidung wird als Dankeschön für die jahrzehntelange Treue der Wiener Bevölkerung gewertet und unterstreicht den Anspruch des Hauses, ein zugänglicher Ort für geselliges Beisammensein zu bleiben.
Begleitend zu den Feierlichkeiten startet ein groß angelegtes Gewinnspiel, das sich über das gesamte zweite Quartal von April bis Juni 2026 erstreckt. Über eine digitale Applikation haben Gäste die Möglichkeit, Preise wie Wochenendaufenthalte in Wien, Verzehrgutscheine und die limitierten Jubiläumsflaschen zu gewinnen. Die Feierlichkeiten sollen im Mai 2026 in einem großen Jubiläums-Frühschoppen gipfeln, der den Prater-Frühling musikalisch begleitet.

Wirtschaftliche Bedeutung und gastronomische Tradition
Das Schweizerhaus beschäftigt während der Saison von März bis Oktober rund 180 Mitarbeiter und bietet im weitläufigen Garten sowie in den thematisch gestalteten Innenräumen Platz für über 2.000 Gäste. In der nunmehr 107. Saison unter der Leitung der Familie Kolarik hat sich der Betrieb zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor im Wiener Tourismus- und Gastgewerbesektor entwickelt. Die Gliederung des Gartens nach Wiener Bezirken und die Orientierung der Gasträume an Wiener Sehenswürdigkeiten wie der Gloriette festigen die enge Bindung zur lokalen Identität.
Die Partnerschaft mit Budweiser Budvar wird heute als Musterbeispiel für eine erfolgreiche grenzüberschreitende Kooperation angesehen. Während die Brauerei mittlerweile in über 70 Länder exportiert, bleibt das Schweizerhaus der mengenmäßig bedeutendste Einzelkunde und ein Symbol für die Symbiose aus böhmischer Brautradition und Wiener Gastgartenkultur. Mit dem Jubiläumsjahr 2026 demonstrieren beide Partner, dass Qualität und Beständigkeit auch in einem sich schnell wandelnden Marktumfeld tragfähige Säulen für wirtschaftlichen Erfolg darstellen.