Die Österreichischen Bundesbahnen blicken auf ein Rekordjahr zurück und verzeichnen für 2025 die höchsten Fahrgastzahlen ihrer Unternehmensgeschichte. Insgesamt nutzten 559 Millionen Passagiere die Dienstleistungen des Staatskonzerns, was einer Steigerung von 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Wie ÖBB-Vorstandsvorsitzender Andreas Matthä im Vorfeld der offiziellen Bilanzpräsentation am 17. April bekannt gab, stützte sich dieses Wachstum primär auf den Schienen-Nahverkehr, der um zwei Prozent auf 301 Millionen Fahrgäste zulegte. Im Fernverkehr konnte ein Zuwachs von 1,5 Prozent auf nunmehr 47 Millionen Reisende verbucht werden, während die Nutzerzahlen im Bussegment mit 211,5 Millionen stabil blieben.
Ein wesentlicher Treiber für die positive Entwicklung war die vollständige Inbetriebnahme des Koralmtunnels im Herbst 2025. Die neue Hochleistungsstrecke zwischen Graz und Klagenfurt verkürzt die Fahrzeiten massiv und wird neben den ÖBB auch von der privaten Konkurrenz Westbahn befahren, was das Gesamtangebot auf der Südstrecke erheblich verdichtet hat. Trotz der steigenden Nachfrage deckte ein aktueller Bericht des Rechnungshofs jedoch auch deutliche strukturelle Defizite auf. Die Prüfer kritisierten mangelnde Präzision bei der Flotten- und Personalplanung sowie einen spürbaren Mangel an verfügbaren Zuggarnituren. Dies führte im Berichtszeitraum vermehrt zu Qualitätsmängeln und einer punktuell unzureichenden Ausnutzung des geplanten Angebots außerhalb der Belastungsspitzen.
Zusätzliche betriebliche Schwierigkeiten ergeben sich durch die marode Infrastruktur im benachbarten Deutschland. Sanierungsarbeiten und Kapazitätsengpässe im bayerischen Schienennetz, insbesondere am strategisch wichtigen Deutschen Eck, führen regelmäßig zu Verspätungen und Ausfällen im österreichischen Fernverkehr. Da die Korridorstrecke zwischen Salzburg und Kufstein für den innerösterreichischen West-Ost-Verkehr essenziell ist, wirken sich Störungen bei der Deutschen Bahn direkt auf die Pünktlichkeitsstatistik der ÖBB aus. Die Konzernleitung kündigte an, die vom Rechnungshof identifizierten Kritikpunkte durch gezielte Investitionen in das Rollmaterial und eine optimierte Ressourcenplanung zu adressieren.
Experten gehen davon aus, dass der Modernisierungskurs trotz der operativen Hürden fortgesetzt werden muss, um dem Fahrgastwachstum gerecht zu werden. Neben der Beschaffung neuer Railjet-Garnituren der neuen Generation stehen vor allem die Digitalisierung der Betriebsführung und die Erweiterung der Werkstättenkapazitäten im Fokus. Die finalen Finanzdaten und die detaillierte Pünktlichkeitsbilanz für das abgelaufene Jahr werden mit Spannung erwartet, da sie Aufschluss darüber geben, wie effektiv die ÖBB den Spagat zwischen Rekordnachfrage und infrastrukturellen Grenzbelastungen bewältigt haben.