Das private Eisenbahnunternehmen Westbahn erweitert sein betriebliches Spektrum und bietet ab dem 1. September 2026 erstmals eine vollständige interne Ausbildung für Triebfahrzeugführer an. Damit reagiert das Unternehmen auf den akuten Fachkräftemangel in der europäischen Bahnbranche und emanzipiert sich von externen Schulungseinrichtungen.
Die Ausbildung ist auf eine Dauer von 12 bis 16 Monaten ausgelegt und richtet sich gezielt an Quereinsteiger, die über eine abgeschlossene Lehre oder Matura verfügen. Der Fokus der ersten Kurse liegt dabei auf den Regionen Salzburg, Innsbruck und Villach, um die personelle Abdeckung entlang der wichtigsten West- und Südverbindungen sicherzustellen.
Die Ausbildung findet schwerpunktmäßig in Salzburg statt und beinhaltet für Teilnehmer aus dem Westen Österreichs zusätzlich die Qualifikation für das deutsche Streckennetz. Dies ist ein strategisch wichtiger Schritt, da die Westbahn ihre grenzüberschreitenden Verbindungen, insbesondere in Richtung München, kontinuierlich ausbaut. Die Schulung erfolgt direkt an der bestehenden Flotte, die derzeit 19 Doppelstockzüge und drei Hochgeschwindigkeitszüge umfasst. Durch die In-House-Lösung kann das Unternehmen die Lehrinhalte präzise auf die technische Ausstattung der eigenen Garnituren und die spezifischen betrieblichen Abläufe abstimmen, was die Einsatzbereitschaft nach Abschluss der Prüfungen beschleunigt.
Derzeit beschäftigt die Westbahn rund 500 Mitarbeiter, wovon etwa 130 im Führerstand tätig sind. Mit einem Frauenanteil von etwa 10 Prozent im Bereich der Triebfahrzeugführung liegt das Unternehmen im Branchenschnitt, strebt jedoch durch die neue Kampagne eine breitere Diversifizierung an. Voraussetzung für die Bewerber ist ein Mindestalter von 20 Jahren bei Ausbildungsbeginn, da die gesetzliche Abschlussprüfung erst mit 21 Jahren abgelegt werden darf. Während der gesamten Ausbildungsphase erhalten die angehenden Lokführer eine finanzielle Vergütung, was den Umstieg für Berufswechsler finanziell absichern soll. Branchenexperten werten diesen Schritt als notwendige Maßnahme, um im Wettbewerb mit der staatlichen Konkurrenz sowie anderen Privatbahnen bestehen zu können. Da der Bedarf an qualifiziertem Personal durch den geplanten Netzausbau in Mitteleuropa stetig steigt, sichert sich die Westbahn durch die eigene Schulungseinrichtung langfristigen Zugriff auf Fachpersonal. Neben technischen Fertigkeiten stehen vor allem Verantwortungsbewusstsein und Konzentrationsfähigkeit im Zentrum des Auswahlverfahrens. Mit diesem Ausbildungsprogramm festigt die Westbahn ihre Position als eigenständiger Akteur am österreichischen Mobilitätsmarkt.