Airbus A220-300 (Foto: Air Baltic).
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Liquiditätskrise bei Air Baltic erzwingt strategische Neuausrichtung

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Die lettische Nationalfluggesellschaft Air Baltic befindet sich aufgrund massiv gestiegener Betriebskosten und hoher Zinslasten in einer prekären finanziellen Lage. Um den Flugbetrieb stabil zu halten und die wirtschaftlichen Folgen der instabilen Lage im Nahen Osten abzufedern, hat der lettische Staat einen kurzfristigen Überbrückungskredit in Höhe von 30 Millionen Euro gewährt.

Diese Finanzhilfe ist bereits Ende August 2026 zur Rückzahlung fällig. Parallel dazu hat das Management die Unternehmensberatung Seabury beauftragt, die langfristige Geschäftsstrategie zu evaluieren. Ziel dieser Maßnahme ist eine umfassende Stärkung der Kapitalstruktur, wobei eine strukturierte Kapitalerhöhung als wahrscheinlichstes Szenario gilt, um die Airline finanziell neu aufzustellen.

Ein zentrales Problem stellt die im Jahr 2024 begebene Anleihe über 380 Millionen Euro dar. Das Papier ist mit einem Zinssatz von 14,5 Prozent ausgestattet, was das Unternehmen jährlich mit rund 55 Millionen Euro belastet. Infolge der jüngsten geopolitischen Spannungen ist der Marktwert dieser Anleihe drastisch eingebrochen und notierte zuletzt bei nur noch 38 Prozent des Nominalwerts. Dieser massive Kursverlust spiegelt die wachsenden Zweifel der Investoren an der Rückzahlungsfähigkeit bis zum Laufzeitende im Jahr 2029 wider. Berichten zufolge führt das Unternehmen bereits Verhandlungen mit den Gläubigern, um Laufzeiten und Konditionen des Wertpapiers anzupassen und so den unmittelbaren Schuldendienst zu verringern.

Die finanzielle Schieflage setzt auch die Lufthansa Group unter Druck, die mit rund zehn Prozent an Air Baltic beteiligt ist. Lufthansa nutzt die lettische Airline intensiv als Wetlease-Partner, wobei Air Baltic Flugzeuge und Besatzungen im Auftrag des deutschen Konzerns betreibt. Im Jahr 2025 investierte Lufthansa zudem 14 Millionen Euro über eine Wandelanleihe. Sollte es nun zu einer Kapitalerhöhung durch den lettischen Staat kommen, der bereits 89 Prozent der Anteile hält, müsste die Lufthansa Group frisches Kapital nachschießen, um ihre Beteiligungsquote stabil zu halten. Ein Verzicht auf die Teilnahme würde zu einer Verwässerung der Anteile führen und die strategische Partnerschaft schwächen.

Intern bereitet sich Air Baltic auf drastische Effizienzsteigerungen vor. Eine sogenannte Kapazitätsoptimierung wird derzeit geprüft, was die Streichung unprofitabler Routen und eine Anpassung des Flugplans zur Folge haben könnte. Analysten weisen darauf hin, dass die Airline trotz der aktuellen Liquiditätsprobleme operativ eine moderne Flotte aus Airbus A220-300 betreibt, was sie eigentlich wettbewerbsfähig macht. Dennoch schränken die hohen Finanzierungskosten den Spielraum für notwendige Investitionen massiv ein. Die kommenden Monate werden entscheiden, ob durch den Einstieg neuer Investoren oder eine Umschuldung der Anleihen die langfristige Existenz gesichert werden kann.

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