Ab Juni 2026 erhält der Flughafen Bern-Belp eine neue direkte Anbindung an das internationale Drehkreuz München. Das Luftfahrtunternehmen Vini, welches aus dem ehemaligen Start-up Flyvbird hervorgegangen ist, plant die Bedienung der Strecke mit drei wöchentlichen Rotationen an den Verkehrstagen Montag, Mittwoch und Freitag.
Die operative Durchführung der Flüge übernimmt die deutsche Fluggesellschaft Flyellow, eine Tochtergesellschaft der niederbayerischen Eichberger Reisen Gruppe. Zum Einsatz kommt eine einmotorige Cessna Grand Caravan EX, die für bis zu neun Passagiere ausgelegt ist und aufgrund ihrer Bauweise besonders effiziente Operationen auf Regionalflughäfen ermöglicht.
Die Flugzeiten sind auf die Bedürfnisse von Geschäftsreisenden und Pendlern zugeschnitten. An Montagen und Mittwochen startet die Maschine um 06:55 Uhr in München und erreicht die Schweizer Bundesstadt um 08:25 Uhr, während der Rückflug um 09:05 Uhr erfolgt. Am Freitag wird eine Abendverbindung angeboten, die München um 16:00 Uhr verlässt und nach dem Rückstart aus Bern um 19:40 Uhr wieder in Bayern landet. Der Flugplan ist vorerst für die Sommersaison bis Oktober 2026 festgesetzt, wobei im Monat August eine betriebliche Pause vorgesehen ist. Durch den Einsatz des Turboprop-Flugzeugs beträgt die Flugzeit über die Alpen etwa 90 Minuten.
Diese Verbindung markiert einen wichtigen Schritt für den Flughafen Bern, der nach dem Rückzug größerer Linienfluggesellschaften verstärkt auf Nischenanbieter und bedarfsorientierte Mobilitätskonzepte setzt. Vini verfolgt einen algorithmusgestützten Ansatz, um Flugpläne flexibel an die tatsächliche Nachfrage anzupassen, wobei die Strecke nach München als erste feste Linienverbindung fungiert. Die Eichberger Reisen Gruppe erweitert mit ihrer Tochter Flyellow damit ihr Portfolio im Bereich der regionalen Luftfahrt, nachdem sie bereits im Charter- und Eventverkehr aktiv war. Die Cessna Grand Caravan bietet hierbei den Vorteil, auch auf kurzen Startbahnen operieren zu können, was die Hafengebühren und Abwicklungszeiten reduziert.
Branchenexperten sehen in dem Projekt einen Testlauf für die Wirtschaftlichkeit von Kleinflugzeugen im Linienverkehr zwischen mittelgroßen europäischen Wirtschaftszentren. Da die Verbindung Bern–München seit der Einstellung durch SkyWork und späterer Versuche durch andere Anbieter verwaist war, besteht ein potenzielles Marktsegment für Zeitersparnis gegenüber der Bahnreise. Der Erfolg des Vorhabens hängt maßgeblich davon ab, ob die geringe Kapazität von neun Sitzen pro Flug ausreicht, um die Betriebskosten zu decken und gleichzeitig eine attraktive Preisstruktur für Vielflieger anzubieten. Die technische Wartung der Maschinen wird voraussichtlich an Standorten in Süddeutschland erfolgen, um Synergien innerhalb der Eichberger-Gruppe zu nutzen.