MV Hondius (Foto: Fdesroches).
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Hantavirus-Verdacht auf dem Expeditionsschiff Hondius fordert mehrere Todesopfer

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Auf dem Expeditionskreuzfahrtschiff Hondius des niederländischen Reiseveranstalters Oceanwide Expeditions hat sich ein schwerwiegender medizinischer Zwischenfall ereignet, der internationale Gesundheitsbehörden in Alarmbereitschaft versetzt. Berichten zufolge sind drei Passagiere infolge einer mutmaßlichen Infektion mit dem Hantavirus verstorben.

Das Schiff, das für ihre Fahrten in entlegene Polarregionen und den Südatlantik bekannt ist, liegt derzeit vor der Küste der Kapverden vor Anker. Während die lokalen Behörden eine sofortige Evakuierung der verbliebenen Gäste aus Sorge vor einer weiteren Ausbreitung zunächst untersagten, arbeiten die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Reederei intensiv an einer Lösung für die medizinische Versorgung der Erkrankten und die sichere Rückreise der gesunden Passagiere.

Chronologie der Ereignisse und die Opfer

Die tragische Kette der Ereignisse begann bereits im April 2026, während sich das Schiff auf einer Überführungsfahrt von Ushuaia in Argentinien in Richtung Norden befand. Ein 70-jähriger niederländischer Passagier verstarb am 11. April noch an Bord des Schiffes; seine Leiche wurde später auf der Insel St. Helena ausgeschifft. Kurze Zeit später verschlechterte sich auch der Gesundheitszustand seiner 69-jährigen Ehefrau. Sie verließ das Schiff planmäßig, brach jedoch am Flughafen von Johannesburg in Südafrika zusammen und verstarb kurz darauf in einer Klinik. Bei ihr konnte das Hantavirus labordiagnostisch im Blut nachgewiesen werden.

Ein dritter Todesfall ereignete sich am 2. Mai 2026, wobei es sich nach Angaben des Auswärtigen Amtes um einen deutschen Staatsangehörigen handelt. Ein weiterer Passagier aus Großbritannien befindet sich derzeit in einem kritischen, aber stabilen Zustand auf einer Intensivstation in Johannesburg. An Bord der Hondius selbst werden zudem zwei Besatzungsmitglieder medizinisch betreut, die über Atemwegsbeschwerden und Fieber klagen. Ob auch bei ihnen eine Infektion mit dem Hantavirus vorliegt, wird derzeit durch Labortests geprüft.

Isolierung vor Praia und internationale Koordination

Das Schiff, das Platz für 174 Passagiere und rund 70 Crewmitglieder bietet, erhielt von den kapverdischen Behörden bisher keine Erlaubnis, im Hafen der Hauptstadt Praia anzulegen. Die nationale Gesundheitsdirektorin Maria da Luz Lima betonte, dass der Schutz der lokalen Bevölkerung oberste Priorität habe, solange die genauen Umstände des Ausbruchs nicht geklärt seien. Mediziner der Kapverden sind inzwischen an Bord gegangen, um sich ein Bild von der Lage zu machen und Proben zu nehmen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den Fall am 2. Mai als Krankheitscluster eingestuft. Hans Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa, erklärte zwar, dass das Risiko für die allgemeine Öffentlichkeit gering sei, da Hantaviren in der Regel nicht leicht von Mensch zu Mensch übertragen werden, doch die Häufung der Fälle auf engem Raum erfordert eine detaillierte epidemiologische Untersuchung. Oceanwide Expeditions prüft derzeit die Möglichkeit, die Hondius in Richtung der Kanarischen Inseln weiterfahren zu lassen. In Häfen wie Las Palmas oder Teneriffa stünden spezialisierte Kliniken und Labore bereit, um unter Aufsicht der niederländischen Gesundheitsbehörden und der WHO eine umfassende medizinische Aufarbeitung durchzuführen.

Hintergrund: Das Hantavirus und seine Übertragungswege

Das Hantavirus wird klassischerweise durch Nagetiere, wie Mäuse oder Ratten, auf den Menschen übertragen. Die Infektion erfolgt meist durch den Kontakt mit Ausscheidungen der Tiere oder durch das Einatmen von Staub, in dem das Virus enthalten ist. Die Symptome ähneln zu Beginn oft einer schweren Grippe mit hohem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Je nach Virustyp kann es jedoch zu schweren Verlaufsformen kommen, die entweder die Nierenfunktion beeinträchtigen oder ein hämorrhagisches Fieber mit Lungenbeteiligung (Hantavirus-induziertes kardiopulmonales Syndrom) auslösen.

Ein Ausbruch auf einem modernen Kreuzfahrtschiff gilt als ungewöhnlich, da diese Schiffe strengen Hygienekontrollen unterliegen. Experten untersuchen nun, ob infizierte Nagetiere während eines Landgangs, etwa in Argentinien oder auf den Falklandinseln, an Bord gelangten oder ob Vorräte kontaminiert waren. Eine menschliche Übertragung wird bei den meisten Hantavirus-Stämmen ausgeschlossen, doch im Fall der Hondius wird auch geprüft, ob eine seltene Variante vorliegt, die eine Übertragung von Person zu Person ermöglichen könnte, wie sie in der Vergangenheit vereinzelt in Südamerika beobachtet wurde.

Lage der Passagiere und Krisenmanagement

Die Stimmung an Bord wird vom Veranstalter als ruhig und gefasst beschrieben. Die Passagiere werden regelmäßig über die laufenden Verhandlungen mit den Behörden informiert. Da die Reise ursprünglich auf den Kapverden enden sollte, ist die Ungewissheit über die Rückreise für viele Gäste belastend. Oceanwide Expeditions betonte, dass man alles unternehme, um die Rückflüge zu organisieren, sobald die medizinische Freigabe vorliege.

Die WHO hat zudem eine Suche nach Fluggästen eingeleitet, die Ende April gemeinsam mit der verstorbenen Niederländerin von St. Helena nach Johannesburg geflogen sind. Dies dient als reine Vorsichtsmaßnahme, um eine mögliche Weiterverbreitung frühzeitig zu erkennen. Für die Reederei stellt der Vorfall eine enorme logistische und finanzielle Herausforderung dar, während die wissenschaftliche Untersuchung der Ursache noch Wochen in Anspruch nehmen könnte.

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