Airbus A220-300 (Foto: Air Baltic).
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Finanzielle Krise bei Air Baltic trotz operativer Stabilität

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Die lettische Fluggesellschaft Air Baltic sieht sich im ersten Quartal 2026 mit einer dramatischen Verschlechterung ihrer finanziellen Lage konfrontiert. Obwohl der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 12 Prozent auf 149,1 Millionen Euro gesteigert werden konnte, weitete sich der Nettoverlust massiv aus.

Das Defizit stieg von 29,3 Millionen Euro im ersten Quartal 2025 auf nunmehr 70,1 Millionen Euro an. Das Management führt diese Entwicklung primär auf negative Währungseffekte, hohe Finanzierungskosten für die Flotte sowie allgemein gestiegene Betriebsausgaben zurück. Besonders besorgniserregend blickt das Unternehmen auf die Entwicklung der Treibstoffpreise: Da lediglich zehn Prozent des Kerosinbedarfs gegen Preissprünge abgesichert waren, werden die Auswirkungen der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten das Budget im weiteren Jahresverlauf erheblich belasten.

Die operative Seite präsentiert sich hingegen stabilisiert. Erstmals seit Jahren verzeichnete die reine Airbus A220-Flotte im Berichtsquartal keine Ausfälle aufgrund der langwierigen Triebwerksprobleme des Herstellers Pratt & Whitney. Dennoch benötigt die Airline dringend frisches Kapital in einer Größenordnung von 100 bis 150 Millionen Euro. Ein geplanter Börsengang (IPO) war bereits im Jahr 2025 aufgrund der schwachen Bilanzzahlen gescheitert. Auch Versuche der lettischen Regierung, die Nachbarstaaten Estland und Litauen für eine Beteiligung zu gewinnen, blieben bislang erfolglos. Die angespannte Situation zwang den lettischen Staat bereits Mitte April zur Gewährung eines Brückenkredits in Höhe von 30 Millionen Euro, um den laufenden Betrieb vorerst sicherzustellen.

Die Lufthansa Group, die seit 2025 mit zehn Prozent an Air Baltic beteiligt ist und die Airline als wichtigen Wet-Lease-Partner für ihren europäischen Flugplan nutzt, hat weiteren Finanzspritzen eine klare Absage erteilt. Konzernchef Carsten Spohr betonte, dass man die Partnerschaft zwar schätze, aber keine weiteren Investitionen plane. Damit liegt die Last der Rettung fast ausschließlich beim lettischen Staat, der rund 89 Prozent der Anteile hält. Finanzminister Arvils Aseradens bezeichnete die notwendige Kapitalerhöhung, die spätestens im August oder September 2026 erfolgen muss, als eine enorme Herausforderung für den nationalen Haushalt. Angesichts knapper Staatskassen müssen voraussichtlich Mittel aus anderen Ressorts umgeschichtet werden, um die nationale Fluggesellschaft zu stützen.

Für den weiteren Jahresverlauf verzichtet das Management von Air Baltic aufgrund der makroökonomischen Unsicherheiten auf eine konkrete Gewinnprognose. Die Abhängigkeit vom Wet-Lease-Geschäft mit Lufthansa bleibt ein zentraler Pfeiler des Geschäftsmodells, reicht jedoch derzeit nicht aus, um die hohen Fixkosten und Zinslasten der Flottenfinanzierung zu decken. Die kommenden Monate werden entscheidend dafür sein, ob der lettische Staat die Airline durch eine umfangreiche Rekapitalisierung stabilisieren kann oder ob tiefergehende Restrukturierungsmaßnahmen notwendig werden, um das Unternehmen langfristig liquide zu halten.

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