Die türkische Billigfluggesellschaft Pegasus Airlines verzichtet vorerst auf die Prüfung weiterer Unternehmenskäufe und bündelt ihre Ressourcen vollständig für den Abschluss der geplanten Übernahme der tschechischen Smartwings-Gruppe.
Dies erklärte die Vorstandsvorsitzende der Fluglinie, Güliz Öztürk, im Rahmen der Jahreshauptversammlung der Internationalen Luftverkehrs-Vereinigung (IATA) in Rio de Janeiro. Die Transaktion, die ein wirtschaftliches Gesamtvolumen von rund 154 Millionen Euro umfasst, ist ein zentraler Baustein in der langfristigen Strategie der privaten Fluggesellschaft aus Istanbul, um ihre Marktposition auf dem europäischen Kontinent signifikant zu stärken.
Das Übernahmepaket beinhaltet neben der Charter- und Linienfluggesellschaft Smartwings auch die vollständige Integration der traditionsreichen tschechischen Nationalairline Czech Airlines (CSA). Czech Airlines hatte erst kürzlich nach einer tiefgreifenden Restrukturierung ihren operativen Flugbetrieb als eigenständige Fluggesellschaft eingestellt und fungiert seither primär als reine Dachmarke innerhalb der Unternehmensgruppe. Durch den Erwerb sichert sich Pegasus Airlines wertvolle Start- und Landerechte an zentralen Flughäfen in Mitteleuropa, insbesondere am Drehkreuz Prag, und erhält direkten Zugang zum europäischen Luftverkehrsmarkt, ohne auf die regulatorischen Beschränkungen eines Drittstaaten-Carriers Rücksicht nehmen zu müssen.
Der Vollzug des Milliardengeschäfts steht derzeit noch unter dem formalen Vorbehalt der wettbewerbsrechtlichen Genehmigung durch die Europäische Kommission in Brüssel. Das Management von Pegasus Airlines zeigt sich bezüglich des laufenden Prüfverfahrens jedoch äußerst zuversichtlich. Die Fluggesellschaft rechnet nach internen Zeitplänen damit, die finale Freigabe durch die europäischen Wettbewerbshüter innerhalb der kommenden drei bis vier Monate zu erhalten, um mit der operativen und technischen Zusammenführung der Flottenstrukturen beginnen zu können.
Für Pegasus Airlines bedeutet der Vorstoß nach Prag eine fundamentale Veränderung des bisherigen Geschäftsmodells, das bislang stark auf den Punkt-zu-Punkt-Verkehr von den türkischen Basen Istanbul-Sabiha Gökcen und Antalya ausgerichtet war. Durch die Etablierung einer neuen operativen Basis in der Tschechischen Republik kann der Low-Cost-Carrier künftig Verkehre innerhalb der Europäischen Union anbieten. Branchenexperten werten diesen Schritt als direkte Reaktion auf den verschärften Wettbewerb mit dem ungarischen Konkurrenten Wizz Air und der irischen Ryanair, die den osteuropäischen Markt seit Jahren dominieren.