Die Beschaffung von Bargeld in ausländischer Währung vor dem Antritt von Fernreisen, wie etwa in die USA, die Türkei oder nach Dänemark, erweist sich für Bankkunden zunehmend als kostenintensive Transaktion. Eine aktuelle Marktuntersuchung der Arbeiterkammer unter den führenden Kreditinstituten im Wiener Raum hat offengelegt, dass die Spesenstrukturen im sogenannten Sortengeschäft erhebliche Unterschiede aufweisen und insbesondere bei kleineren Umtauschbeträgen unverhältnismäßig hoch ausfallen können.
Wer Euro bei seiner Hausbank in Valuten einwechselt, sieht sich mit prozentualen Gebühren konfrontiert, die durch strikte Mindestpauschalen von bis zu acht Euro pro Vorgang abgesichert sind. Noch drastischer stellt sich die Situation für Verbraucher dar, die mangels eines eigenen Girokontos bei einem Institut Devisen als Fremdkunden erwerben möchten. Hier steigen die Mindestgebühren im Extremfall auf bis zu zehn Euro, sofern ein Umtausch überhaupt gestattet wird. Die Erhebung zeigt, dass sich der Bankenmarkt im Bereich der Bargelddienstleistungen zunehmend restriktiv verhält. Mehrere Institute verweigern Nichtkunden den Geldwechsel mittlerweile vollständig oder haben diesen Service, wie das Beispiel der bank99 demonstriert, gänzlich aus ihrem Portfolio gestrichen. Finanzexperten raten Verbrauchern daher dringend zu einem systematischen Vergleich der täglichen Briefkurse und zu einer genauen Abklärung der Spesenmodelle vor dem Betreten einer Bankfiliale.
Die Gebührenmodelle der österreichischen Kreditinstitute für Hauskunden im direkten Vergleich
Für Verbraucher, die das Geldwechseln bei jenem Finanzinstitut abwickeln, bei dem sie auch ihr Gehalts- oder Geschäftskonto führen, bewegen sich die prozentualen Spesen vom Kurswert in einer Spanne zwischen 1,50 und 3,50 Prozent. Auf den ersten Blick erscheinen diese Sätze moderat, doch die ökonomische Relevanz verschiebt sich durch die vertraglich vereinbarten Mindestgebühren. Diese stellen sicher, dass die Banken auch bei geringen Umtauschsummen ihre administrativen Kosten für die Logistik, Lagerung und Absicherung der Fremdwährungsbestände decken können.
An der Spitze der Kostenstruktur bei den untersuchten Instituten rangiert die Raiffeisenlandesbank NÖ Wien. Sie verlangt von ihren eigenen Kunden eine prozentuale Gebühr von 3,50 Prozent vom Kurswert, gekoppelt mit einer Mindestgebühr von acht Euro pro Transaktion. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der UniCredit Bank Austria, die zwar einen prozentualen Satz von 2,10 Prozent anwendet, diesen jedoch mit den höchsten dokumentierten Mindestspesen für Hauskunden in Höhe von 8,10 Euro absichert. Im Mittelfeld der Erhebung bewegen sich die Volksbank Wien mit 1,50 Prozent Gebühr bei sieben Euro Mindestspesen sowie die BAWAG PSK und deren digitale Tochter easybank, bei denen ein Satz von drei Prozent gilt, die Mindestgebühr jedoch bei vergleichsweise moderaten 3,50 Euro gedeckelt ist. Zu beachten ist hierbei, dass easybank-Kunden den physischen Tauschvorgang in den Filialen der Muttergesellschaft BAWAG durchführen müssen. Die günstigsten Einstiegskonditionen im Bereich der Mindestspesen bieten die Hypo NOE mit vier Euro bei 1,50 Prozent Gebühr sowie die Oberbank und die Erste Bank mit jeweils 3,50 Euro beziehungsweise 4,50 Euro Mindestpauschale. Bei der Ersten Bank ist dieser Tarif allerdings an die Voraussetzung gekoppelt, dass die finanzielle Abrechnung direkt über das bestehende Girokonto des Kunden erfolgt.
Restriktive Zugangskriterien und verschärfte Konditionen für Fremdkunden im Sortenhandel
Ein wesentliches Ergebnis der gewerblichen Marktanalyse betrifft die zunehmende Abschottung der Kreditinstitute gegenüber Laufkunden ohne bestehende Geschäftsbeziehung. Von den insgesamt neun in der Bundeshauptstadt geprüften Banken erklärten sich lediglich vier Bereit, Devisengeschäfte auch für Personen ohne dortiges Konto durchzuführen. Zu diesen Instituten zählen die BAWAG PSK, die easybank, die Erste Bank sowie die Raiffeisenlandesbank NÖ Wien. Verbraucher, die diese Dienstleistung in Anspruch nehmen, müssen jedoch mit spürbaren Aufschlägen rechnen. Die prozentualen Gebühren steigen bei der BAWAG PSK, der easybank und der Ersten Bank auf einheitlich drei Prozent des Kurswertes. Die Raiffeisenlandesbank NÖ Wien hebt den Satz für Nichtkunden auf fünf Prozent an und fordert zudem eine Mindestgebühr von zehn Euro pro Transaktion.
Die restlichen untersuchten Banken, darunter die Bank Austria, die Volksbank Wien, die Hypo NOE und die Oberbank, haben den Bargeldwechsel für Fremdkunden komplett eingestellt. Als Begründung für diese Maßnahme führen Kreise der Kreditwirtschaft neben den hohen Kosten für die Bargeldlogistik vor allem die strengen gesetzlichen Vorgaben zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung an. Die Identitätsprüfung und die lückenlose Dokumentation der Mittelherkunft bei Bar-zu-Bar-Geschäften erfordern einen administrativen Aufwand, der sich bei Gelegenheitskunden ohne hinterlegte Stammdaten wirtschaftlich nicht mehr abbilden lässt. Vollständig aus dem Sortengeschäft zurückgezogen hat sich die Post-Tochter bank99, die weder für eigene noch für fremde Kunden ausländische Banknoten bereithält oder annimmt, was den allgemeinen Trend zur Reduzierung bargeldgebundener Dienstleistungen im urbanen Raum untermauert.
Logistische Herausforderungen und das betriebswirtschaftliche Risiko der Bargeldbevorratung
Dass das Sortengeschäft für Banken an Attraktivität verliert und mit hohen Gebühren belegt wird, liegt auch an den spezifischen betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen dieser Sparte. Im Gegensatz zum Devisenhandel, bei dem Buchungen rein elektronisch zwischen Konten abgewickelt werden, erfordert der Sortenhandel die physische Bereitstellung von Banknoten in verschiedenen Währungen. Dies ist mit erheblichen Kosten für den versicherten Werttransport, die sichere Verwahrung in den Tresoranlagen der Filialen sowie für die Verzinsung des im Bargeld gebundenen Kapitals verbunden. Da die Nachfrage nach Fremdwährungen stark saisonal geprägt ist und sich primär auf die Haupturlaubszeiten im Sommer und um den Jahreswechsel konzentriert, verbuchen die Filialen in den Zwischenmonaten erhebliche Leerstandskosten für nicht genutzte Valutenbestände.
Zudem führt die Digitalisierung des Zahlungsverkehrs dazu, dass die absoluten Transaktionszahlen im Sortengeschäft seit Jahren rückläufig sind. Immer mehr Reisende nutzen im Ausland elektronische Zahlungsmittel oder beheben Bargeld direkt an Automaten im Zielland. Dies verringert die Skaleneffekte für die Banken, wodurch die Kosten pro verbleibendem physischem Tauschvorgang steigen. Für Verbraucher ergibt sich daraus das logistische Problem, dass selbst gängige Währungen wie US-Dollar, Britische Pfund oder Schweizer Franken in vielen Bankfilialen nicht mehr standardmäßig in ausreichender Menge in den Kassenbeständen vorrätig sind. Die Institute sind dazu übergegangen, ausländische Banknoten nur noch auf explizite Bestellung hin ordern zu lassen, was eine Vorlaufzeit von mehreren Werktagen erfordert und eine spontane Bargeldbeschaffung unmittelbar vor der Abreise unmöglich macht.
Handlungsempfehlungen für Verbraucher zur Optimierung der Reisekasse
Angesichts der dokumentierten Gebührensituation und der strukturellen Veränderungen im Bankensektor sollten Reisende die Organisation ihrer Urlaubskasse frühzeitig planen. Die Finanzexperten der Arbeiterkammer betonen, dass das Umtauschen von geringen Geldbeträgen bei heimischen Banken aufgrund der fixen Mindestgebühren mathematisch unrentabel ist. Wer beispielsweise lediglich den Gegenwert von 50 Euro in eine Fremdwährung wechseln möchte und hierfür eine Mindestgebühr von acht Euro zahlt, erleidet allein durch die Spesen einen sofortigen Kaufkraftverlust von 16 Prozent des eingesetzten Kapitals, noch vor Berücksichtigung der Kursdifferenz. Es empfiehlt sich daher, entweder größere Beträge auf einmal umzutauschen oder den Bedarf an Bargeld präzise mit den elektronischen Zahlungsoptionen abzugleichen.
Ein wesentlicher Faktor bei der Kostenoptimierung ist zudem der sorgfältige Vergleich zwischen dem Briefkurs der heimischen Bank und den Konditionen im Zielland. In vielen klassischen Tourismusregionen außerhalb der Euro-Zone kann es wirtschaftlich vorteilhafter sein, Euro-Bargeld erst vor Ort in lokalen Wechselstuben umzutauschen, da diese aufgrund des hohen Wettbewerbsdrucks oft mit geringeren Margen operieren. Allerdings müssen Urlauber auch hier auf versteckte Kommissionen und unvorteilhafte Kurse abseits der offiziellen Devisenmärkte achten. Vor jedem Tauschvorgang im In- oder Ausland sollte zudem aktiv geprüft werden, ob die gewünschte Währung beim gewählten Institut überhaupt lagernd ist oder ob Zusatzgebühren für Expressbestellungen anfallen, um unangenehme Verzögerungen am Abreisetag zu vermeiden.