Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) haben am 14. Juni 2026 die Betriebsaufnahme ihrer neuesten Nightjet-Generation auf der traditionsreichen Verbindung zwischen Wien und Zürich vollzogen.
Das Angebot, welches in enger operativer Kooperation mit den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) betrieben wird, stellt eine umfassende Flottenmodernisierung im internationalen Nachtreiseverkehr dar. Der siebenteilige Wagenzug bedient die Strecke täglich und bietet Zusteigemöglichkeiten an wichtigen Bahnhöfen entlang der österreichischen Westbahnstrecke, darunter St. Pölten, Linz und Salzburg, bevor der Zug über den Arlbergpass die Schweizer Grenze passiert und den Hauptbahnhof Zürich erreicht.
Die von Siemens Mobility im Werk Wien-Simmering gefertigten Züge der neuen Generation zeichnen sich durch grundlegend überarbeitete Innenraumkonzepte und technische Neuerungen aus. Das Fahrzeugkonzept umfasst zwei Sitzwagen, drei Liegewagen und zwei Schlafwagen. Zu den wichtigsten Produktinnovationen gehören die sogenannten „Mini-Cabins“ – schrankfachähnliche Schlafkapseln für Alleinreisende im Liegewagenbereich, die durch Sichtschutz und eigene Schließfächer mehr Privatsphäre garantieren. Die Schlafwagenabteile der Kategorie „Plus“ verfügen über eigene Sanitäreinrichtungen mit Dusche und WC. Technisch wurde die Flotte mit mobilfunkdurchlässigen Fensterscheiben zur Verbesserung des Datenempfangs, einem NFC-Zutrittssystem für die Abteile sowie kostenfreiem WLAN ausgestattet. Zudem verfügt jeder Zug über barrierefreie Abteile samt barrierefreier Toilette sowie über sechs integrierte Stellplätze für die Fahrradmitnahme.
Die Umstellung auf das neue Wagenmaterial ist Teil einer großangelegten Internationalisierungs- und Wachstumsstrategie der ÖBB im europäischen Nachtzugmarkt. Ziel der Kooperation mit Schweiz Tourismus und den SBB ist es, das Segment der Geschäfts- und Städtereisenden auf der Achse Wien–Zürich stärker an den Schienenverkehr zu binden. Durch die zeitlichen Abläufe der Nachtverbindung, bei der die Fahrgäste am frühen Morgen im Stadtzentrum von Zürich ankommen, konkurriert das System direkt mit dem regionalen Flugverkehr zwischen den beiden Ländern. Der Vertrieb der Tickets erfolgt über gestaffelte Preissysteme wie die „Sparschiene“, wobei die Buchungskapazitäten über digitale Plattformen, mobile Applikationen sowie den stationären Schalterverkauf gesteuert werden.
Der Rollout der neuen Nightjet-Flotte verlief in den vergangenen Monaten schrittweise und war von technischen Zulassungsverfahren für das europäische Schienennetz begleitet. Nach der erfolgreichen Einführung auf den Routen von Hamburg und Berlin nach Wien und Innsbruck sowie auf der Verbindung nach Italien stellt die Linie nach Zürich einen weiteren Kernbaustein im europäischen Nachtzugnetz dar. Die ÖBB investieren insgesamt über 700 Millionen Euro in die Beschaffung von über 30 neuen siebenzehnteiligen Zügen dieser Baureihe, um älteres Wagenmaterial sukzessive zu ersetzen und die Kapazitäten im grenzüberschreitenden Fernverkehr weiter auszubauen.