Die Österreichische Hotelvereinigung (ÖHV) hat die Weiterentwicklung der nationalen Tourismusstrategie der Bundesregierung unter dem Titel „Vision T next generation“ positiv aufgenommen. ÖHV-Präsident Walter Veit kritisierte rückblickend frühere Regierungsprogramme für deren rein quantitative und unzureichend ambitionierte Nächtigungsziele sowie tourismuspolitische Konzepte ohne klare Steuerungsinstrumente.
Die reformierte Strategie basiere nun auf überprüfbaren wirtschaftlichen, sozialen und strukturellen Kennzahlen. Diese Abkehr von rein abstrakten Absichtserklärungen hin zu einem konkreten Kennzahlensystem schaffe laut Branchenvertretung die notwendige Orientierung für Betriebe sowie für die Wirtschaftspolitik, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes langfristig zu sichern.
Im Zentrum der Neuausrichtung stehen anspruchsvolle wirtschaftliche Zielvorgaben, die eine erhebliche Steigerung der branchenspezifischen Kennwerte vorsehen. So soll die reale wirtschaftliche Wertschöpfung des Tourismus in Österreich um zehn Prozent von bisher 22,6 Milliarden Euro auf über 25 Milliarden Euro gesteigert werden. Bei den internationalen Reiseverkehrseinnahmen wird ein nomineller Zuwachs um mehr als 10 Milliarden Euro auf über 36 Milliarden Euro angestrebt. Zur Stärkung der betriebswirtschaftlichen Stabilität der Qualitätshotellerie ist eine Erhöhung der durchschnittlichen Eigenkapitalquote von derzeit unter 18 Prozent auf über 20 Prozent vorgesehen. Zudem soll die Zahl der Ganzjahresbeschäftigten in Beherbergung und Gastronomie von rund 134.600 auf mehr als 160.000 Mitarbeiter ausgebaut werden, um den Arbeitsmarkt im Tourismussektor zu stabilisieren.
Ein wesentlicher Hebel zur Erreichung dieser Zuwächse ist die gezielte Entzerrung der saisonalen Verkehrs- und Buchungsströme. Der Anteil der Übernachtungen in den traditionellen Nebensaisonen – definiert für die Monate März bis Juni sowie September bis Dezember – soll von aktuell 53,5 Prozent auf über 60 Prozent angehoben werden. Im sozialen Bereich definiert die Strategie eine Steigerung der ohnehin hohen Gästezufriedenheit von der Schulnote 1,6 auf 1,5. Gleichzeitig soll der Saldo der Tourismusakzeptanz unter der einheimischen Bevölkerung von plus 37 Prozentpunkten auf 40 Prozentpunkte verbessert werden, um potenziellen Konflikten durch ein hohes Aufkommen in stark frequentierten Regionen entgegenzuwirken.
Die Hotelvereinigung fordert angesichts der ambitionierten Zielsetzungen nun eine rasche Implementierung flankierender politischer Maßnahmen. Laut Veit müssen den statistischen Zielvorgaben adäquate Budgetmittel für die nationale Tourismusförderung sowie administrative Erleichterungen für die Betriebe folgen, damit die Effekte der Reform direkt in der Praxis spürbar werden. Branchenanalysten weisen darauf hin, dass die Erreichung der Strukturziele, insbesondere die Transformation zu mehr Ganzjahresarbeitsplätzen und die Stärkung der Eigenkapitalbasis, angesichts des akuten Arbeitskräftemangels und des veränderten Zinsumfeldes im Finanzierungssektor eine erhebliche Herausforderung für die österreichischen Familienbetriebe darstellt.