Eine Übernahme der britischen Billigfluggesellschaft Easyjet durch die International Airlines Group (IAG) ist nach Einschätzung des Konzernchefs Luis Gallego in naher Zukunft unrealistisch.
Wie Gallego in einem Interview mit der Wirtschaftzeitung Financial Times betonte, stünden die strengen europäischen Wettbewerbsvorschriften sowie die kartellrechtlichen Rahmenbedingungen einer solchen Konsolidierung im Weg. Ein Zusammenschluss auf dem hart umkämpften europäischen Luftverkehrsmarkt sei unter den aktuellen Bedingungen rechtlich und regulatorisch als äußerst schwierig einzustufen. Zu dem Luftfahrtkonzern IAG gehören bereits namhafte Fluggesellschaften wie British Airways, Iberia, Vueling und Aer Lingus.
Die Diskussionen über die Zukunft des Billigfliegers wurden durch Berichte über ein potenzielles Interesse der US-amerikanischen Investmentgesellschaft Castlelake an Easyjet neu entfacht. Da die regulatorischen Vorgaben der Europäischen Union und des Vereinigten Königreichs vorschreiben, dass Fluggesellschaften mehrheitlich in europäischem Besitz sein und von dort aus kontrolliert werden müssen, ist eine direkte Übernahme durch außereuropäische Finanzinvestoren rechtlich blockiert. Um eine Übernahme zu realisieren, wäre Castlelake daher zwingend auf ein Konsortium mit einem europäischen Partner angewiesen. In Branchenkreisen wurden hierfür zuletzt die europäische Airline-Gruppe Air France-KLM sowie die Reederei MSC als mögliche strategische Partner gehandelt.
Gallego stellte klar, dass sich IAG gegenwärtig in keinerlei Gesprächen oder Verhandlungen mit dem Investor Castlelake befinde. Gleichzeitig nutzte der Spitzenmanager die anhaltende Debatte, um eine grundlegende Reform der europäischen Wettbewerbs- und Eigentumsregeln für Fluggesellschaften zu fordern. Die Branche beklagt seit langem, dass die strikten Eigentumsbeschränkungen die notwendige Konsolidierung im europäischen Luftraum behindern und europäische Netzgesellschaften im weltweiten Wettbewerb mit staatlich subventionierten Fluggesellschaften aus dem Nahen Osten oder den konsolidierten Riesen im US-amerikanischen Markt benachteiligen.
Die Zurückhaltung von IAG wird von Marktanalysten auch im Kontext jüngerer kartellrechtlicher Erfahrungen gesehen. Die europäische Luftfahrtbranche steht unter intensiver Beobachtung der Brüsseler Wettbewerbshüter, wie die langwierigen Prüfverfahren bei der Übernahme von ITA Airways durch die Lufthansa oder der geplante und schließlich abgebrochene Erwerb von Air Europa durch IAG gezeigt haben. Vor diesem Hintergrund konzentrieren sich die großen europäischen Airline-Konzerne vorerst auf kleinere strategische Beteiligungen und den organischen Ausbau ihrer bestehenden Flotten und Streckennetze, um langwierige Kartellrechtsstreitigkeiten zu vermeiden.