Telefon (Foto: Jan Gruber).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Mehrheit der Beschäftigten in Österreich bleibt auch während der Urlaubsphase erreichbar

Werbung

Der offizielle Beginn der sommerlichen Urlaubszeit in Österreich führt bei einem Großteil der Erwerbstätigen nicht zu einer vollständigen Trennung vom beruflichen Alltag. Einer aktuellen empirischen Untersuchung des Karriereportals Karriere.at zufolge verbleiben fast drei Viertel der Arbeitnehmer während ihrer gesetzlichen Urbaubsphase in einer Form der beruflichen Verfügbarkeit.

Fast die Hälfte der Befragten kontrolliert im Urlaub aktiv elektronische Nachrichten oder hält die telefonische Erreichbarkeit aufrecht, während ein weiterer erheblicher Teil zumindest für unvorhergesehene betriebliche Notfälle ansprechbar bleibt. Diese Entwicklung wird von Vertretern der organisierten Arbeitnehmerschaft kritisch bewertet, da die kontinuierliche Erreichbarkeit von den Betroffenen zunehmend als psychische Belastung wahrgenommen wird und im Widerspruch zu den gesetzlich verankerten Erholungsphasen steht. Experten fordern daher eine klarere Trennung und präventive organisatorische Maßnahmen in den Betrieben.

Hohe Verfügbarkeit im Urlaub als gesellschaftlicher Standard

Für die repräsentative Erhebung wurden insgesamt 1001 Nutzer der Plattform Karriere.at zu ihrem persönlichen Kommunikationsverhalten während der arbeitsfreien Tage befragt. Die Ergebnisse verdeutlichen, wie tief die digitale Vernetzung im modernen Berufsleben verankert ist. Exakt 45 Prozent der Studienteilnehmer gaben an, im Urlaub regelmäßig arbeitsbezogene Korrespondenzen, wie beispielsweise E-Mails oder Kurznachrichten, zu prüfen oder für telefonische Rückfragen der Kollegen und Vorgesetzten zur Verfügung zu stehen. Weitere 28 Prozent der Befragten schränken ihre Erreichbarkeit zwar ein, signalisieren jedoch die grundsätzliche Bereitschaft, bei gravierenden betrieblichen Notfällen kontaktiert zu werden. Lediglich ein Anteil von 27 Prozent der Arbeitnehmer klinkt sich während der Urlaubszeit vollständig aus dem Betriebssystem aus und ist für den Arbeitgeber gar nicht erreichbar.

Dieses Phänomen zieht sich durch alle Hierarchieebene der Unternehmen, wobei das Ausmaß der Verfügbarkeit mit dem Grad der Verantwortung im Betrieb korreliert. Personen, die eine explizite Personalverantwortung tragen, sind im Urlaub noch wesentlich häufiger für ihr Team oder die Geschäftsführung greifbar als der Durchschnitt der Beschäftigten. Bei den Führungskräften liegt der Anteil derer, die regelmäßig Nachrichten kontrollieren oder Telefonate entgegennehmen, bei 61 Prozent. Ein Viertel der Führungskräfte ist für Notfälle erreichbar, während sich nur 14 Prozent dieser Gruppe komplett von der Kommunikation abmelden. Im Vergleich dazu schalten auch 65 Prozent der Angestellten ohne direkte Führungsaufgaben ihr Diensttelefon oder den Mailzugang im Urlaub nicht vollständig ab.

Psychische Belastung und die Debatte um den Erholungszweck

Die kontinuierliche Verknüpfung mit dem Arbeitsplatz bleibt für die Betroffenen nicht ohne gesundheitliche und emotionale Folgen. Die Umfrage zeigt, dass sich etwa jede vierte Person durch die anhaltende Erreichbarkeit in der Freizeit belastet fühlt. Unter den Personen ohne Führungsverantwortung empfinden 26 Prozent diese Situation als Belastung, wobei zwölf Prozent von einer sehr starken Belastung sprechen. Bei den Führungskräften verhält es sich ähnlich: Ein Viertel fühlt sich durch die permanente Erreichbarkeit eingeschränkt, elf Prozent wählten die Kategorie sehr belastet. Arbeitspsychologen weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Erholungsphase für die Regeneration der geistigen und körperlichen Kräfte essenziell ist. Wenn Beschäftigte permanent mit dem Eintreffen von beruflichen Problemen auf ihrem Mobiltelefon rechnen müssen, verhindert die innere Anspannung das Erreichen eines tiefen Entspannungszustandes.

Der Österreichische Gewerkschaftsbund sieht in diesen Daten ein deutliches Warnsignal für die Entwicklung der modernen Arbeitswelt. Aus Sicht der Arbeitnehmervertretung darf der gesetzliche Urlaub unter keinen Umständen als eine informelle Verlängerung des regulären Arbeitstages oder als unbezahlte Bereitschaftszeit missverstanden werden. In der Praxis zeige sich jedoch, dass viele Beschäftigte Anrufe entgegennehmen oder Mitteilungen beantworten, weil sie Befürchtungen hegen, andernfalls als unmotiviert oder weniger engagiert wahrgenommen zu werden. Teilweise habe sich in Branchen auch eine subtile Unternehmenskultur etabliert, in der eine ständige Verfügbarkeit als selbstverständlich vorausgesetzt wird. Die Gewerkschaft betont, dass die Freizeit ausschließlich den Beschäftigten zusteht und nicht zur Disposition des Arbeitgebers stehen darf.

Die arbeitsrechtliche Komponente der ständigen Erreichbarkeit

Aus juristischer Perspektive ist die Situation in Österreich eindeutig geregelt. Das Arbeitsruhegesetz und das Urlaubsgesetz definieren den Urlaub als eine Zeit, die dem Arbeitnehmer zur freien Verfügung steht und der Erholung dienen muss. Arbeitsrechtsexperten stellen klar, dass kein Angestellter verpflichtet ist, außerhalb der vertraglich vereinbarten Arbeitszeit telefonisch erreichbar zu sein oder digitale Postfächer zu sichten. Das Mobiltelefon darf abgeschaltet und der Zugang zum Firmennetzwerk getrennt werden, ohne dass dies arbeitsrechtliche Konsequenzen oder Sanktionen nach sich ziehen darf.

Eine rechtliche Ausnahme von diesem Prinzip existiert ausschließlich dann, wenn zwischen dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer eine explizite Rufbereitschaft vereinbart wurde. Eine solche Vereinbarung stellt jedoch ein eigenständiges arbeitsrechtliches Konstrukt dar, das an feste gesetzliche Rahmenbedingungen sowie an eine entsprechende finanzielle Vergütung gekoppelt ist. Zudem betonen Rechtsexperten, dass eine Rufbereitschaft während des gesetzlichen Erholungsurlaubs per Gesetz ausgeschlossen ist, da sich die beiden Konzepte gegenseitig ausschließen. Wer im Urlaub erreichbar sein muss, befindet sich rechtlich gesehen nicht im Urlaub, sondern leistet eine Form von Dienst.

Betriebliche Vorsorge und strukturierte Abwesenheitsregelungen

Um den reibungslosen Ablauf in den Unternehmen während der Sommermonate zu sichern, ohne die Gesundheit der Mitarbeiter zu gefährden, rücken organisatorische Maßnahmen in den Fokus. Die Führungsebenen der Unternehmen stehen in der Verantwortung, frühzeitige und transparente Vertretungsregelungen zu etablieren. Eine strukturierte Übergabe von laufenden Projekten sowie eine klare Definition, wer im Falle einer Abwesenheit Entscheidungen treffen darf, reduziert die Notwendigkeit von Rückfragen beim urlaubenden Personal erheblich.

Wenn Aufgaben im Vorfeld sinnvoll verteilt und Abwesenheiten aktiv an Kunden und Partner kommuniziert werden, sinkt die Unsicherheit innerhalb der verbleibenden Teams. Ein gut vorbereitetes System schützt die anwesenden Mitarbeiter vor Überlastung und gibt den Urlaubern die rechtliche und emotionale Sicherheit, das Diensthandtelefon ohne schlechtes Gewissen für die Dauer der Ferien auszuschalten. Letztlich liegt ein funktionierendes Abwesenheitsmanagement auch im Interesse der Betriebe, da nur ausreichend erholte Mitarbeiter langfristig ihre Leistungsfähigkeit und Produktivität im Arbeitsprozess aufrechterhalten können.

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung