Die maltesische Fluggesellschaft Eurowings Europe Limited, eine Tochtergesellschaft der Lufthansa-Gruppe, verzeichnet das zehnjährige Bestehen ihres Flugbetriebs. Die Fluggesellschaft nahm am 23. Juni 2016 mit einem Erstflug von Wien nach Alicante ihre operative Tätigkeit auf. Seither hat sich das Unternehmen zu einem integralen Bestandteil der Eurowings-Gruppe entwickelt und steuert das Geschäft abseits der Kernmärkte Deutschland und Schweiz.
Nach Angaben des Unternehmens wurden in der vergangenen Dekade mehr als 230.000 Flüge absolviert und rund 30 Millionen Passagiere befördert. Die Historie des Flugbetriebs ist jedoch durch tiefgreifende strukturelle Veränderungen geprägt, die von einer Verlegung des rechtlichen Sitzes von Österreich nach Malta bis hin zu einer grundlegenden Neuausrichtung der Flottenpolitik reichen. Aktuelle Planungen zur Einführung des Typs Boeing 737 Max 8 bei der Auslandstochter werfen zudem Fragen hinsichtlich der operativen Komplexität und der Kostenstrukturen innerhalb des Gesamtkonzerns auf.
Gründungskonzept und die Verlagerung des Flugbetriebs nach Malta
Das ursprüngliche Ziel bei der Etablierung von Eurowings Europe im Jahr 2015 bestand darin, ein paneuropäisches Betriebsmodell aufzubauen, das es der Lufthansa-Gruppe ermöglichte, Flugzeuge und Besatzungen außerhalb des deutschen Heimatmarktes zu stationieren. Mit der Betriebsaufnahme im Sommer 2016 in Wien sollten kostengünstigere Strukturen geschaffen werden, um im Wettbewerb mit europäischen Billigfluggesellschaften wie Ryanair oder Wizz Air zu bestehen. Wien fungierte als erste operative Basis, gefolgt von weiteren Stationen in Österreich und anderen europäischen Ländern, wie etwa in Palma de Mallorca. Das Modell geriet jedoch aufgrund unterschiedlicher kollektivvertraglicher Rahmenbedingungen und regulatorischer Vorgaben in der österreichischen Luftfahrt unter Druck.
Im Jahr 2022 leitete das Management eine umfassende gesellschaftsrechtliche Transformation ein. Es wurde ein neues europäisches Luftverkehrsbetreiberzeugnis (AOC) in Malta beantragt. Die neu gegründete Eurowings Europe Limited übernahm in einer Übergangsphase bis Mai 2023 schrittweise die Flugzeuge und das Personal der österreichischen Vorgängergesellschaft. Das österreichische AOC wurde im April 2023 offiziell an die dortigen Behörden zurückgegeben. Luftfahrtexperten wiesen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Verlegung nach Malta primär steuerliche und administrative Gründe hatte. Das maltesische Luftfahrtregister bietet Fluggesellschaften erhebliche Flexibilität bei der Beschäftigung von internationalem Personal und der Strukturierung von Betriebskosten, was in der Branche auch zu Diskussionen über die Verschärfung des grenzüberschreitenden Lohnwettbewerbs führte.
Krise der Pandemie und anschließende Konsolidierungsphase
Die Phase des Aufbaus und der Konsolidierung des europäischen Streckennetzes wurde durch den Ausbruch der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 abrupt unterbrochen. Wie der gesamte globale Luftverkehrssektor war auch Eurowings Europe von den weltweiten Reisebeschränkungen und Grenzschließungen betroffen. Ein Großteil der Flotte musste über Monate hinweg an verschiedenen europäischen Flughäfen abgestellt werden. Die Fixkosten liefen unterdessen weiter, was die finanzielle Stabilität der Gesellschaft und den Verbleib im Lufthansa-Konzernverbund auf eine harte Probe stellte. Nur durch staatliche Unterstützungsprogramme für den Mutterkonzern und tiefgreifende Sparmaßnahmen beim Personal konnte das Überleben des Flugbetriebs gesichert werden.
Nach dem Wegfall der Reisebeschränkungen zeigte sich der Markt für europäische Ferien- und Städteflüge zwar erholungsfähig, doch das Wiederhochfahren des Flugbetriebs war mit erheblichen logistischen Problemen verbunden. Personalengpässe bei externen Bodendienstleistern, Streiks und Engpässe in der europäischen Flugsicherung führten in den Jahren 2022 und 2023 zu nennenswerten Unregelmäßigkeiten im Flugplan. Dennoch gelang es der Gesellschaft, das Transportvolumen schrittweise wieder auf das Niveau der Vorkrisenjahre anzuheben. Das Netz der Stationen wurde weiter ausgebaut, sodass heute Basen in Städten wie Salzburg, Graz, Prag, Stockholm und Palma de Mallorca unter dem maltesischen Zertifikat betrieben werden.
Der Systemwechsel in der Flottenpolitik und die Vergabe der Boeing 737 Max 8
Ein entscheidender Wendepunkt für die operative Zukunft von Eurowings Europe zeichnet sich durch die jüngste Entscheidung des Lufthansa-Vorstands zur künftigen Flottenstruktur ab. Bislang war die Flotte von Eurowings Europe weitgehend homogen auf die Airbus-A320-Familie ausgerichtet, was erhebliche Vorteile bei der Wartung, der Ersatzteilbevorratung und der Ausbildung der Piloten mit sich brachte. Dies wird sich in naher Zukunft ändern. Der Lufthansa-Konzern hat entschieden, die ab dem Jahr 2027 anstehenden Auslieferungen der neuen Passagiermaschinen des Typs Boeing 737 Max 8 nicht im deutschen Kernzertifikat zu registrieren, sondern sie vollständig der maltesischen Tochtergesellschaft zuzuweisen.
Insgesamt sollen 40 Flugzeuge dieses Typs bis zum Jahr 2032 in die Flotte der Eurowings Europe Limited eingegliedert werden, wobei der Mutterkonzern Optionen für 60 weitere Maschinen hält. Die Flugzeuge sollen im Laufe der Zeit die älteren Maschinen des Typs Airbus A319 ersetzen. Die Zuteilung der Boeing-Flotte an das maltesische AOC wird in der Fachwelt differenziert analysiert. Ein wesentlicher Grund für die Registrierung unter dem maltesischen Kennzeichen liegt in den rechtlichen Rahmenbedingungen für Verkehrsrechte. Mit einer maltesischen Zulassung ist es der Fluggesellschaft gestattet, auch von Standorten außerhalb des deutschen Heimatmarktes Ziele anzusteuern, die außerhalb der Europäischen Union liegen, wie etwa Ziele in Nordafrika oder im Nahen Osten. Dies wäre mit einer rein deutschen Registrierung aufgrund bilateraler Luftverkehrsabkommen regulatorisch wesentlich komplizierter.
Kritische Betrachtung der operativen Komplexität und der Arbeitsbedingungen
Trotz der vorteilhaften Flexibilität bei den Verkehrsrechten birgt die Einführung eines komplett neuen Flugzeugtyps erhebliche Risiken und administrative Hürden für Eurowings Europe. Die Integration einer Boeing-Flotte in eine traditionell durch Airbus geprägte Fluggesellschaft bedeutet den Aufbau einer parallelen Infrastruktur. Piloten müssen aufwendig umgeschult werden, die technische Wartung erfordert neue Lizenzen und Verträge mit spezialisierten Werften, und die Logistik für Ersatzteile verdoppelt sich in ihrer Komplexität. Kritiker bezweifeln, ob die prognostizierten Kostenvorteile des Typs Boeing 737 Max 8 die zusätzlichen Aufwendungen für den Betrieb einer gemischten Flotte im Segment der Punkt-zu-Punkt-Verbindungen langfristig aufwiegen können.
Zudem sorgt die Entscheidung für Unruhe innerhalb der Arbeitnehmervertretungen der Lufthansa-Gruppe. Die Gewerkschaften sehen in der gezielten Stärkung des maltesischen Flugbetriebs auf Kosten des deutschen Kernzertifikats den Versuch, etablierte Tarifstrukturen in Deutschland zu umgehen. Da die Personalkosten in Malta unter dem Niveau von Flugzeugbesatzungen liegen, die nach deutschem Tarifrecht angestellt sind, wird der Vorwurf des internen Lohndumpings laut. Das Management entgegnet dem, dass man nur mit wettbewerbsfähigen Strukturen im europäischen Ausland in der Lage sei, Marktanteile gegen die aggressive Expansion osteuropäischer und irischer Billigflieger zu verteidigen. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob sich die Koexistenz zweier unterschiedlicher Flugzeugfamilien unter dem Dach der maltesischen Eurowings Europe Limited als wirtschaftlich tragfähig erweist.