Die belgische Fluggesellschaft Brussels Airlines hat angekündigt, ihre Flugverbindungen zwischen Brüssel und Tel Aviv nicht vor dem 31. Juli 2026 wieder aufzunehmen. Damit wählt die Tochtergesellschaft des Lufthansa-Konzerns einen anderen Kurs als die Schwestergesellschaften Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines, die eine schrittweise Rückkehr auf den israelischen Markt im Rahmen ihrer Sommerflugpläne forcieren.
Wie eine Unternehmenssprecherin in Brüssel erklärte, basiert diese Entscheidung zum aktuellen Zeitpunkt jedoch weniger auf geänderten Sicherheitsbewertungen für den Nahen Osten, sondern hat primär handfeste operative Gründe im Flottenmanagement des Carriers.
Durch die monatelange Aussetzung der Route nach Israel hat die Fluggesellschaft die frei gewordenen Flugzeugkapazitäten bereits vollständig in ihr europäisches Streckennetz integriert. Die Maschinen wurden zur Frequenzaufstockung auf stark nachgefragten innereuropäischen Routen sowie im saisonalen Urlaubsverkehr umverteilt. Eine kurzfristige Reaktivierung der Flüge zum Ben-Gurion-Flughafen ist laut dem Management aufgrund der fest verplanten Crews und Flugzeuge organisatorisch und wirtschaftlich nicht sinnvoll umsetzbar. Das Unternehmen wolle die logistische Situation im Laufe des Sommers neu bewerten und zu einem späteren Zeitpunkt über einen stufenweisen Neustart entscheiden.
Mit dieser erneuten Verlängerung der Flugpause wiederholt sich für Brüssels nationale Fluglinie die betriebliche Situation des vergangenen Jahres. Bereits im Sommer 2025 hatte Brussels Airlines die Flüge nach Israel für die komplette Hauptreisezeit ausgesetzt und den Linienbetrieb erst Mitte August unter strengen Auflagen wieder aufgenommen. In Branchenkreisen wird die Entscheidung auch vor dem Hintergrund der anhaltenden Flottenengpässe in der europäischen Luftfahrt gesehen. Da viele Airlines aufgrund von verzögerten Flugzeugauslieferungen und Triebwerkswartungen unter akutem Flugzeugmangel leiden, verspricht die Verlegung von Kapazitäten auf stabilere europäische Routen eine höhere Planungssicherheit für den Gesamtflugplan.
Der Luftverkehr nach Tel Aviv bleibt für internationale Fluggesellschaften weiterhin ein volatiles Geschäft. Während US-amerikanische Großfluglinien wie Delta Air Lines und United Airlines ihre Flüge nach Israel nach längeren Pausen im Sommer 2026 ebenfalls schrittweise reaktivieren, agieren europäische Point-to-Point-Anbieter und Netzwerk-Carrier vorsichtiger. Für den Flughafen Brüssel-Zaventem bedeutet der Schritt von Brussels Airlines einen temporären Verlust von Marktanteilen im Direktverkehr in den Nahen Osten, den die Fluggesellschaft jedoch durch eine gesteigerte Pünktlichkeit und Auslastung auf den hochfrequenten europäischen Kernrouten kompensieren möchte.