
Reisen in Zeiten von Corona: Mit Bürokratie das Virus bekämpfen
Meine Paßnummer kann ich längst auswendig. Das ist keiner freiwilligen Lernübung geschuldet, sondern dem banalen Mobilitätsbedürfnis in Europa, nämlich im Jahr 2020 (und 2021) per Flugzeug von A nach B zu kommen. Fliegen ist plötzlich zum Gott-sei-bei-uns vieler national-populistisch angehauchter Politiker geworden, die das Virus als willkommenen Anlass benutz(t)en, um Grundrechte durch die Hintertür auszuhebeln. Im Mai 2020 kam ich mit Lufthansa aus Frankfurt in Wien an. Erster Lockdown, kaum Flüge, aber Gründerzeitstimmung unter Bürokraten. Im Flugzeug wurden 2 Zettel ausgeteilt, welche auszufüllen waren und angeblich wieder eingesammelt wurden. Auf beiden Formularen wurden Daten abgefragt, die ohnehin im Paß oder der Flugbuchung stehen: Namen, Adresse, Geburtsdatum, Paßnummer, Ablaufdatum des Passes. Keines der Formulare wurde eingesammelt. Im Gatebereich waren sodann Polizisten und Beamte des Gesundheitsministeriums positioniert, die die Ankommenden abfertigten. Ich war bei einem Mitvierziger im verschwitzten Ruderleiberl an der Reihe. In rüdem Ton erklärte er, dass ihn die Zettel aus dem Flugzeug nicht interessieren und ich müsse ein neues Formular ausfüllen. Gut 100 Passagieren ging es ebenso. Auf einem Tisch, ca. 2 x 1 m, lagen die ‚Zettel zum Glück‘ bereit und die wenigen Kugelschreiber gingen durch die Hände aller Passagiere. Gemäß der Anleitung ‚Wie stecke ich mich richtig an‘ war von Abstand halten logischerweise keine Spur, da der gut 10 x 10 m große Raum eben nicht zuließ, dass sich 100 Passagiere mit Abstand anstellen konnten. Zurück beim schwitzenden Beamten an seinem Pult erfuhr ich dann, dass ich auf dem Formular ‚Quarantäne‘ ankreuzen und unterschreiben müsste. Ich erklärte ihm