Die Alpenvereine aus Österreich, Deutschland und Südtirol haben eine gemeinsame Aufklärungskampagne gestartet, um der fortschreitenden Verbreitung von Bettwanzen in alpinen Schutzhütten entgegenzuwirken.
Wie der Österreichische Alpenverein (ÖAV) in Innsbruck mitteilte, sind die ein bis acht Millimeter großen Insekten aufgrund des intensiven globalen Reiseverkehrs zunehmend auch in höher gelegenen Beherbergungsbetrieben anzutreffen. Da die Parasiten unbemerkt in Rucksäcken, Bekleidung oder Schlafsäcken transportiert werden, erfolgt die Verschleppung meist von Unterkunft zu Unterkunft. Die Initiative zielt darauf ab, das Thema zu enttabuisieren und Wanderer für einfache, aber wirksame Verhaltensregeln zur Vermeidung eines Befalls zu sensibilisieren.
Die Leitlinien der Bergsportverbände sehen konkrete Verhaltensregeln für den Aufenthalt auf den Hütten vor. Demnach sollen Gäste Rucksäcke stets verschlossen und in maximaler Distanz zum Schlafplatz lagern. Zudem wird empfohlen, getragene Wäsche in luftdichten Beuteln aufzubewahren, da der menschliche Körpergeruch die Schädlinge anzieht. Nach Abschluss einer Tour sollte das gesamte Gepäck kontrolliert und Textilien entweder bei mindestens 40 Grad Celsius gewaschen oder alternativ für drei Tage bei minus 18 Grad Celsius tiefgekühlt werden. Einige Sektionen haben bereits strengere Hausordnungen erlassen, die beispielsweise die Nutzung privater Hüttenschlafsäcke untersagen, um das Einschleppen der Insekten zu verhindern.
Aus der Perspektive der Hüttenbetreiber stellt ein Bettwanzenbefall ein erhebliches wirtschaftliches und logistisches Risiko dar. Obwohl im vergangenen Jahr bei 223 vom ÖAV betreuten Hütten lediglich fünf Verdachtsfälle gemeldet wurden, sind die Kosten für eine professionelle Schädlingsbekämpfung im alpinen Raum immens. Aufgrund der spezifischen Bauweise vieler historischer Schutzhütten mit zahlreichen Holzverkleidungen und Ritzen gestaltet sich die Tilgung zeitintensiv. Der Einsatz von Fachfirmen, chemischen oder thermischen Verfahren sowie der punktuelle Einsatz von Wanzenspürhunden erfordern oft eine tagelange Sperrung von Schlafräumen, was zu spürbaren Umsatzeinbußen führt.
Kritische Branchenbeobachter weisen darauf hin, dass die Wirksamkeit der Kampagne stark von der Kooperationsbereitschaft der Bergtouristen abhängt. Da die Bisse der Insekten zwar juckende Quaddeln auslösen, aber keine Krankheitserreger übertragen, unterschätzen viele Laien das Ausmaß des Problems. Zudem erschwert die mangelnde Meldung aus Schamgefühlen oft die rechtzeitige Früherkennung. Die Verbände betonen daher, dass eine lückenlose Dokumentation von Kotspuren oder Blutflecken auf der Bettwäsche durch die Gäste unerlässlich ist, um eine flächendeckende Ausbreitung im gesamten alpinen Wegenetz zu verhindern.