Der skandinavische Reiseveranstalter Ving hat alle für die Sommersaison geplanten Charterflüge zum neu errichteten Flughafen Vlora im Süden Albaniens abgesagt. Das Reiseunternehmen, das zur Sunclass-Airlines-Gruppe gehört, begründete den Schritt mit ausstehenden internationalen Betriebsgenehmigungen für den albanischen Airport.
Ursprünglich sollten in den Sommermonaten Direktverbindungen von Oslo und anderen skandinavischen Städten an die albanische Riviera bedient werden. Da der Flughafen die notwendigen Sicherheits- und Zertifizierungsverfahren für den internationalen Linienverkehr nicht rechtzeitig zum Beginn der Hauptreisezeit abschließen konnte, wurden sämtliche gebuchten Pauschalreisen für diese Destination ersatzlos gestrichen.
Der Vorfall verdeutlicht die regulatorischen Hürden bei der Inbetriebnahme von Luftfahrtinfrastruktur in Südosteuropa. Vor der Aufnahme des internationalen Flugbetriebs müssen neue Flughäfen ein standardisiertes Prüfungsverfahren nach den Richtlinien der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) durchlaufen. Dieses Aerodrome Certification Program umfasst technische Überprüfungen der Navigationsinstrumente, der Start- und Landebahnbeleuchtung sowie des internen Sicherheitsmanagementsystems. Zudem müssen die Reaktionszeiten der Flughafenfeuerwehr in mehrmonatigen Testläufen validiert werden. Den albanischen Genehmigungsbehörden und dem Flughafenbetreiber gelang es im Fall Vlora nicht, diese bürokratischen und technischen Kriterien fristgerecht zu erfüllen.
Branchenanalysten betrachten die Absage als wirtschaftlichen Rückschlag für den albanischen Tourismussektor, der in den vergangenen Jahren deutliche Zuwächse bei den ausländischen Besucherzahlen verzeichnete. Die albanische Regierung investiert verstärkt in dezentrale Infrastrukturprojekte, um den primären Flughafen in Tirana zu entlasten und strukturschwache Regionen an der Küste direkt an den europäischen Markt anzubinden. Kritische Marktbeobachter geben jedoch zu bedenken, dass ambitionierte Eröffnungstermine bei Infrastrukturprojekten auf dem Westbalkan häufig aus politischen Gründen zu optimistisch angesetzt werden. Für Reiseveranstalter bedeuten solche kurzfristigen Kapazitätsausfälle erhebliche logistische Probleme und finanzielle Aufwendungen für die Rückabwicklung von Kundengeldern.