Die Betreibergesellschaft des Brüsseler Flughafens, die Brussels Airport Company, hat das Gebäude sowie das dazugehörige Grundstück des Novotel Brussels Airport erworben. Der Verkäufer des Immobilienobjekts ist die Investmentgesellschaft Covivio Hotels.
Das Hotel befindet sich in einer Entfernung von weniger als zwei Kilometern zum Flughafengelände und liegt an einer projektierten Trasse für die künftige Flughafen-Straßenbahn, welche die Transferzeit zum Terminal nach Fertigstellung auf etwa fünf Minuten verkürzen soll. Trotz des Eigentümerwechsels bleibt die operative Führung der Hotelimmobilie unberührt: Der Beherbergungsbetrieb wird weiterhin durch den Betreiber Essendi unter der Markenverwaltung des französischen Hotelkonzerns Accor fortgeführt.
Die Akquisition ist Teil eines langfristigen Programms der Brussels Airport Company zur Diversifizierung ihrer Einnahmequellen im unmittelbaren Flughafenumfeld. Durch den Kauf von Gewerbeimmobilien versucht der Flughafenbetreiber, seine wirtschaftliche Abhängigkeit von den volatilen Erlösen des reinen Flugbetriebs und den staatlich regulierten Start- und Landegebühren zu reduzieren. Der Konzern verfügt in diesem Segment bereits über Vorerfahrungen und ist Eigentümer des direkt auf dem Flughafengelände angesiedelten Sheraton-Hotels. Zudem sehen die Ausbaupläne der Betreibergesellschaft vor, bis zum Jahr 2032 eine weitere hoteleigene Beherbergungsstätte unmittelbar in den Terminalkomplex zu integrieren.
Immobilienanalysten und Luftfahrtexperten betrachten den verstärkten Erwerb von Hotelobjekten durch Flughafenbetreiber mit einer gewissen Skepsis. Zwar sichern die Pachteinnahmen aus der Hotelhotellerie einen kontinuierlichen Cashflow im sogenannten Non-Aviation-Bereich, doch birgt der Markt im direkten Umkreis von internationalen Drehkreuzen auch beträchtliche Risiken. Die Auslastung von Flughafenhotels ist extrem anfällig für konjunkturelle Einbrüche im Geschäftsreisesektor sowie für Flugstreichungen und Kapazitätsreduktionen der dort operierenden Fluggesellschaften. Zudem verschärft der geplante Neubau eines zusätzlichen Terminal-Hotels bis 2032 den hausinternen Wettbewerb um übernachtende Passagiere und Besatzungsmitglieder.
Kritisch zu bewerten ist darüber hinaus die Abhängigkeit des Neuerwerbs von der rechtzeitigen Fertigstellung der kommunalen Verkehrsinfrastruktur. Verzögerungen beim Bau des regionalen Straßenbahnnetzes könnten die prognostizierte Attraktivität des abseits gelegenen Novotel-Standorts gegenüber der direkten Konkurrenz auf dem Terminalgelände vorübergehend schmälern. Da Hotelketten und institutionelle Investoren wie Covivio ihre Portfolios im Zuge veränderter Zinslandschaften laufend optimieren, verlagert sich das langfristige Verwertungs- und Instandhaltungsrisiko der physischen Immobilienstruktur durch solche Transaktionen schlussendlich vollständig auf den Flughafenbetreiber.