Das Österreichische Bundesheer hat mit der praktischen Vorbereitung auf die Modernisierung seiner militärischen Transportflotte begonnen. Am Montag landete erstmals ein zweistrahliges Transportflugzeug vom Typ Embraer KC-390 der portugiesischen Luftstreitkräfte auf dem Flughafen Klagenfurt.
Die Maschine mit der Registrierung 26901 verbleibt im Rahmen einer bilateralen Ausbildungskooperation für eine Woche in Kärnten. Das Bundesheer nutzt den Aufenthalt, um das Muster im operativen Betrieb zu erproben. Unter anderem stehen Absetzübungen mit Fallschirmjägern auf dem Programm. Um vor der geplanten Auslieferung Flugerfahrung zu sammeln, hat Österreich bei den portugiesischen Streitkräften, die das Modell bereits seit Oktober 2023 aktiv nutzen, ein Kontingent von insgesamt 400 Flugstunden eingekauft.
Österreich hat im Rahmen des Aufbauplans für die Streitkräfte vier Maschinen des brasilianischen Herstellers Embraer bestellt, um die technisch veralteten Turboprop-Maschinen des Typs Lockheed C-130K Hercules zu ersetzen. Der Zulauf der neuen Transportflugzeuge ist für den Zeitraum zwischen 2028 und 2030 vorgesehen. Das Beschaffungsvolumen für das Gesamtpaket beläuft sich nach offiziellen Angaben des Verteidigungsministeriums auf 520 bis 600 Millionen Euro. Die KC-390 bietet im Vergleich zur betagten Hercules-Flotte eine höhere Nutzlastkapazität von bis zu 26 Tonnen, modernere Avioniksysteme sowie eine höhere Reisegeschwindigkeit durch den Jet-Antrieb, was die Reaktionszeiten bei Auslandseinsätzen und Evakuierungen verkürzen soll.
Militärexperten betrachten den Systemwechsel von einem bewährten Turboprop-Antrieb zu einem strahlgetriebenen Transporter jedoch auch mit Blick auf die Infrastruktur differenziert. Jet-Triebwerke reagieren empfindlicher auf unbefestigte Pisten und Fremdkörper (FOD), was den Einsatz auf improvisierten Feldflugplätzen in Krisengebieten einschränken könnte. Zudem erfordert die Einführung eines völlig neuen Flugzeugmusters den Aufbau einer komplett neuen Logistikkette, die Umschulung des technischen Bodenpersonals und erhebliche Investitionen in die Hangar-Infrastruktur am Heimatstützpunkt in Hörsching. Die Kooperation mit Portugal soll diese Anlaufschwierigkeiten minimieren, indem auf bereits bestehende Wartungsverfahren zurückgegriffen wird.
Die Beschaffung ordnet sich in einen gesamteuropäischen Trend ein, da neben Portugal und Österreich auch andere europäische Nationen wie die Niederlande, Ungarn und Tschechien die KC-390 geordert haben. Dies ermöglicht zwar theoretisch Synergien bei der Ersatzteilbeschaffung und Pilotenausbildung, macht das Bundesheer jedoch auch von den Produktionskapazitäten des brasilianischen Herstellers abhängig. Kritiker verweisen auf das Risiko von Lieferverzögerungen bei Rüstungsgütern, während die Einsatzbereitschaft der alten C-130 Hercules aufgrund von Ersatzteilmangel und Materialermüdung bis zum Ende des Jahrzehnts nur noch unter hohem finanziellem Aufwand aufrechterhalten werden kann.