Der Freistaat Sachsen, die Mitteldeutsche Flughafen AG sowie regionale Akteure aus Wirtschaft und Tourismus streben eine gemeinsame Bewerbung für das europäische Luftverkehrsforum „Routes Europe“ im Jahr 2029 an.
Ein entsprechender Letter of Intent wurde von Vertretern der Landesregierung, der Wirtschaftsförderung Sachsen, den Tourismusverbänden von Leipzig und Dresden sowie der Messe Leipzig unterzeichnet. Mit dem Vorhaben soll die internationale Wahrnehmung und Anbindung der sächsischen Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden gestärkt werden. Das Branchenforum gilt als ein zentraler Treffpunkt für Fluggesellschaften und Flughäfen zur Verhandlung neuer Flugverbindungen.
Sollte das Auswahlverfahren zugunsten Sachsens ausfallen, würde die Veranstaltung zum ersten Mal seit der Austragung in Hannover im Jahr 2019 wieder in Deutschland stattfinden. Als Teil einer neuen Kooperationsstruktur diskutieren die Beteiligten zudem die Einrichtung eines sächsischen Koordinationsgremiums sowie eines regionalen Entwicklungsfonds. Dieses Finanzinstrument soll dazu dienen, neue Flugverbindungen finanziell abzusichern und gezielt zu fördern. Ähnliche Modelle werden bereits in anderen europäischen Regionen praktiziert, um die Erreichbarkeit abseits der großen Drehkreuze zu verbessern.
Branchenbeobachter bewerten das Vorhaben jedoch vor dem Hintergrund der anhaltenden finanziellen Krise der Mitteldeutschen Flughafen AG kritisch. Der Flughafenbetreiber befindet sich in einem tiefgreifenden Sanierungsverfahren und ist auf millionenschwere Kapitalspritzen sowie Bürgschaften der Gesellschafterländer Sachsen und Sachsen-Anhalt angewiesen, um die Liquidität zu sichern. Kritiker hinterfragen in diesem Zusammenhang die wirtschaftliche Verhältnismäßigkeit der Austragung einer kostenintensiven Branchenmesse. Zudem unterliegen finanzielle Zuschüsse für Fluggesellschaften über regionale Förderfonds strengen beihilferechtlichen Prüfungen durch die Europäische Kommission, was den Spielraum für den geplanten Entwicklungsfonds stark einschränken könnte.
Zusätzlich offenbart die Entwicklung des Passagierverkehrs an den Standorten Dresden und Leipzig/Halle strukturelle Probleme. Während Leipzig/Halle als Frachtdrehkreuz stabil aufgestellt ist, hinken die Passagierzahlen an beiden sächsischen Flughäfen der allgemeinen Erholung im europäischen Luftverkehr hinterher. Ob die temporäre Ausrichtung einer Netzwerkmesse oder staatliche Anschubfinanzierungen ausreichen, um langfristig stabile und wirtschaftlich tragfähige Linienverbindungen ohne dauerhafte Subventionen zu etablieren, wird in der Fachwelt bezweifelt.