Malaysia Airlines zieht den chinesischen Mittelstreckenjet Comac C919 für die nächste Phase ihrer Flottenmodernisierung ab Mitte der 2030er-Jahre in Betracht. Wie Bryan Foong, Chef der Airline-Sparte der Malaysia Aviation Group, mitteilte, kam das chinesische Flugzeug für das aktuelle Erneuerungsprogramm der Fluggesellschaft zu spät und verpasste das entsprechende Zeitfenster. Bis etwa 2035 ist der Bedarf an Schmalrumpfflugzeugen bei der staatlichen Fluggesellschaft bereits durch feste Zusagen abgedeckt.
Für das laufende Modernisierungsprogramm setzt die Fluggesellschaft auf Flugzeuge des Typs Boeing 737 Max. Derzeit stehen Bestellungen für zwölf Boeing 737-10 und 25 weitere Boeing 737-8 aus. Langfristig könnte die C919 jedoch eine ernsthafte Alternative darstellen, sofern das Flugzeug an Reife gewinnt. Eine wesentliche Bedingung für einen möglichen Kauf ist laut Foong die Zertifizierung durch westliche Luftfahrtbehörden wie die europäische EASA und die US-amerikanische FAA. Diese Zulassungen gelten als Voraussetzung für die Akzeptanz des Typs in Malaysia und den anderen Zielländern der Fluggesellschaft.
Ein weiterer kritischer Faktor ist der Aufbau eines verlässlichen Wartungs-, Reparatur- und Überholungsnetzwerks (MRO) durch den chinesischen Hersteller Comac in Südostasien. Bislang fehlt es in der Region an der notwendigen Infrastruktur, um einen reibungslosen Betrieb im täglichen Liniendienst zu garantieren. Obwohl Comac bereits ein Repräsentanzbüro in Singapur eröffnet hat und kleinere Modelle wie die C909 in Ländern wie Vietnam, Laos und Kambodscha fliegen, bleibt der Markteintritt im anspruchsvollen Segment der größeren Mittelstreckenjets eine logistische Herausforderung.
Derzeit betreibt Malaysia Airlines eine gemischte Flotte von über 90 Flugzeugen, darunter Airbus A330, A350 sowie zahlreiche Boeing 737 der älteren und neueren Generation. Die Evaluierung von Drittanbietern wie Comac zeigt das Bestreben, das bestehende Duopol von Airbus und Boeing langfristig aufzubrechen und preisliche Alternativen zu prüfen. Konkrete Verhandlungen mit dem chinesischen Staatskonzern finden zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht statt, da der Fokus zunächst auf der Integration der bestellten Boeing-Maschinen liegt.