Foto: Pixabay.
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Pläne für Flottenwachstum und Teilprivatisierung bei der Fluggesellschaft Tap Air Portugal

Werbung

Die portugiesische Fluggesellschaft Tap Air Portugal steht vor weitreichenden Veränderungen ihrer operativen und eigentumsrechtlichen Struktur. Nach dem bevorstehenden Auslaufen von wettbewerbsrechtlichen Beschränkungen der Europäischen Union, die im Zuge staatlicher Rettungsbeihilfen während der Pandemie auferlegt wurden, bereitet das Unternehmen eine deutliche Vergrößerung seiner Flugzeugflotte für die Jahre 2027 und 2028 vor.

Parallel dazu läuft die Frist für die Einreichung verbindlicher Angebote zur Teilprivatisierung der Fluglinie ab, bei der etablierte europäische Luftfahrtkonzerne um eine Minderheitsbeteiligung werben. Diese Entwicklungen versprechen zwar eine Ausweitung des Flugangebots, werfen jedoch auch Fragen bezüglich der langfristigen Wirtschaftlichkeit und der verbleibenden staatlichen Einflussnahme auf.

Wegfall der europäischen Auflagen ermöglicht Kapazitätsaufbau

Während der weltweiten Pandemie erhielt Tap Air Portugal umfangreiche finanzielle Unterstützung durch den portugiesischen Staat, um das Überleben der Gesellschaft zu sichern. Die Europäische Kommission in Brüssel genehmigte diese Hilfen jedoch nur unter strengen Auflagen zum Schutz des freien Wettbewerbs. Eine der einschneidendsten Maßnahmen war die Deckelung der operativen Flugzeugflotte auf maximal 99 Maschinen. Diese künstliche Begrenzung verhinderte über Jahre hinweg, dass die Fluggesellschaft auf die wieder anziehende Nachfrage im internationalen Luftverkehr mit einer Ausweitung ihrer Kapazitäten reagieren konnte.

Mit dem Auslaufen dieser Auflagen plant die Führung von Tap Air Portugal nun eine deutliche Aufstockung der Flotte. Nach Informationen der portugiesischen Wirtschaftszeitung Jornal Económico hat die Fluggesellschaft für die Jahre 2027 und 2028 einen Lieferplan vereinbart, der den Zulauf von bis zu 24 neuen Airbus-Flugzeugen vorsieht. Diese Vereinbarung, die in Zusammenarbeit mit dem Hersteller Airbus und verschiedenen Leasingpartnern getroffen wurde, umfasst 22 Flugzeuge der modernen A320neo-Familie für Kurz- und Mittelstrecken sowie zwei Langstreckenmaschinen des Typs A330-900. Bereits im laufenden Jahr 2026 sollen zudem zehn neue Flugzeuge in Dienst gestellt werden, um die unmittelbare Betriebskapazität zu stärken.

Ausrichtung auf den transatlantischen Markt

Der geplante Ausbau der Flotte, insbesondere im Bereich der Langstreckenkapazitäten, dient primär der Erschließung und Verdichtung von Flugverbindungen über den Atlantik. Tap Air Portugal hat in der Vergangenheit wiederholt signalisiert, ihr Angebot an Direktflügen in die Vereinigten Staaten von Amerika und nach Brasilien ausbauen zu wollen. Brasilien stellt aufgrund der historischen und sprachlichen Verbindungen traditionell einen Kernmarkt für die portugiesische Fluggesellschaft dar.

Durch den Einsatz neuer Langstreckenflugzeuge wie der A330-900 und potenziell reichweitenstarker Varianten der A321neo-Familie soll die Frequenz auf bestehenden Routen erhöht und neue Destinationen ins Streckennetz aufgenommen werden. Luftfahrtanalysten weisen jedoch darauf hin, dass der transatlantische Markt als hochgradig wettbewerbsintensiv gilt. Die Etablierung neuer Linien erfordert erhebliche finanzielle Vorleistungen und birgt das Risiko, dass die zusätzlichen Kapazitäten in Zeiten wirtschaftlicher Abkühlung nicht ausreichend ausgelastet werden können.

Das Bieterverfahren um die Staatsanteile

Parallel zu den operativen Ausbauplänen treibt die portugiesische Regierung den Verkauf einer Minderheitsbeteiligung voran. Geplant ist die Veräußerung von insgesamt 49,90 Prozent der Aktien von Tap Air Portugal. Dabei sollen 44,90 Prozent an einen industriellen Investor gehen, während die verbleibenden 5,0 Prozent der Anteile für die Belegschaft der Fluggesellschaft reserviert sind. Der portugiesische Staat behält somit vorerst mit 50,10 Prozent die knappe Aktienmehrheit, was dem Vernehmen nach der Sicherung nationaler Interessen und dem Erhalt des Drehkreuzes in Lissabon dienen soll.

Für das zum Verkauf stehende Anteilspaket, das von Marktbeobachtern auf einen Wert von bis zu 700 Millionen Euro taxiert wird, haben zwei der bedeutendsten europäischen Luftverkehrsgruppen konkretes Interesse angemeldet: die Deutsche Lufthansa sowie die Gruppe Air France-Klm. Beide Konzerne haben bis zum Ende des Monats Juli 2026 Zeit, ihre bindenden Angebote und detaillierten Konzepte im Ministerium in Lissabon einzureichen. Die Entscheidung der Regierung wird maßgeblich davon abhängen, welcher Partner die besseren Perspektiven für die Anbindung Portugals an den weltweiten Luftverkehr bietet.

Allianzen und marktpolitische Verflechtungen

Die Deutsche Lufthansa verfügt bereits über eine enge Verbindung zu Tap Air Portugal, da beide Unternehmen Mitglieder des weltweiten Luftfahrtbündnisses Star Alliance sind. Nach Informationen der Wirtschaftszeitung Eco stellt die Lufthansa im Falle einer erfolgreichen Beteiligung eine Einbindung der portugiesischen Fluglinie in das lukrative Transatlantik-Gemeinschaftsunternehmen mit den Partnern United Airlines und Air Canada in Aussicht. Eine solche Kooperation könnte die Position von Tap Air Portugal auf den Strecken nach Nordamerika stärken.

Zudem unterstreicht die Lufthansa Group die Bedeutung des portugiesischen Marktes für das eigene Geschäftsmodell. Nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden Carsten Spohr bieten die Fluggesellschaften der Gruppe derzeit rund 350 wöchentliche Flüge von und nach Portugal an. Dies entspricht einer Steigerung von 75 Prozent gegenüber dem Niveau des Jahres 2019, das vor der globalen Krise lag. Diese Zahlen verdeutlichen das erhebliche wirtschaftliche Interesse, das die deutsche Airline-Gruppe an einer dauerhaften Absicherung ihrer Marktposition auf der Iberischen Halbinsel hat.

Strukturdefizite und Risiken der staatlichen Mehrheit

Trotz der positiven Wachstumsprognosen erfordert die künftige Ausrichtung von Tap Air Portugal eine kritische Betrachtung. Die Entscheidung der portugiesischen Regierung, die absolute Mehrheit der Anteile im Staatsbesitz zu belassen, wird von potenziellen Investoren mit Skepsis beobachtet. In der Vergangenheit haben staatliche Beteiligungen bei europäischen Fluggesellschaften häufig zu politischen Einflussnahmen bei operativen Entscheidungen, wie der Streckenplanung oder dem Personalmanagement, geführt. Ein privater Investor könnte bei wichtigen Restrukturierungsmaßnahmen durch staatliche Vetorechte blockiert werden.

Zudem leidet das Unternehmen unter historischen Effizienzdefiziten und wiederkehrenden Arbeitskämpfen der Gewerkschaften, die den Flugbetrieb in der Vergangenheit mehrfach lahmlegten. Die Integration von 24 neuen Flugzeugen erfordert nicht nur erhebliche Investitionen in die Hardware, sondern auch eine entsprechende Aufstockung des fliegenden Personals und der Bodenabfertigung. Ob die bestehende Infrastruktur am überlasteten Flughafen Lissabon-Humberto Delgado dieses schnelle Wachstum ohne erhebliche Verzögerungen im Betriebsablauf bewältigen kann, bleibt eine der zentralen ungeklärten Fragen für die kommenden Jahre.

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung