Die italienische Regionalfluggesellschaft Air Dolomiti, die als Tochterunternehmen zum Lufthansa-Konzern gehört, nimmt mit dem kommenden Winterflugplan erhebliche Einschnitte in ihrem Streckennetz zwischen Deutschland und Italien vor. Als Hauptgrund für die Streichung mehrerer Linienverbindungen ab den deutschen Drehkreuzen Frankfurt am Main und München nennt das Unternehmen eine unzureichende Nachfrage während der kalten Jahreszeit.
Während geschäftlich geprägte Routen weiterhin bedient werden, fallen primär touristisch orientierte Ziele temporär oder dauerhaft aus dem Programm. Diese Entwicklung verdeutlicht die Herausforderungen für Regionalfluggesellschaften im Segment des touristischen Punkt-zu-Punkt-Verkehrs, der zunehmend durch saisonale Schwankungen und die Konkurrenz anderer Verkehrsmittel geprägt ist. Gleichzeitig zeigt der Gesamtmarkt am Standort Frankfurt, dass Verschiebungen von Marktanteilen zu anderen Anbietern stattfinden.
Veränderungen im Flugplan an den Drehkreuzen Frankfurt und München
Die Streichungen treten mit dem Beginn des neuen Winterflugplans in Kraft. Am Flughafen Frankfurt am Main betrifft die Maßnahme zwei italienische Destinationen. Ab dem 25. Oktober 2026 stellt die Fluggesellschaft die Verbindungen nach Triest in der Region Friaul-Julisch Venetien sowie in die toskanische Stadt Pisa ein. Auf diesen Strecken verzeichnete die Fluggesellschaft zuletzt Auslastungszahlen, die einen wirtschaftlichen Betrieb in den Wintermonaten nicht mehr rechtfertigten. Die wichtigen Wirtschaftszentren und historisch stabilen Linienverbindungen nach Bologna, Florenz, Mailand, Turin und Verona sind von den Kürzungen nicht betroffen und bleiben wie gewohnt im Angebot.
Noch deutlicher zeigen sich die Kapazitätsanpassungen am Flughafen München, dem zweiten großen deutschen Drehkreuz im Netzwerk der Regionalfluggesellschaft. Hier streicht das Unternehmen gleich drei Ziele vollständig aus dem Winterflugplan. Die Verbindungen nach Genua an der ligurischen Küste, Ancona an der Adria sowie Brindisi in der süditalienischen Region Apulien fallen den Optimierungsmaßnahmen zum Opfer. Darüber hinaus reagiert das Management auf die rückläufigen Passagierzahlen auf der Verbindung nach Venedig, indem die Anzahl der wöchentlichen Umläufe spürbar reduziert wird. Das Unternehmen betont, dass diese saisonalen Anpassungen notwendig seien, um die Flottenkapazitäten effizienter auf Strecken mit einer stabileren ganzjährigen Nachfrage zu konzentrieren.
Die Rolle von Air Dolomiti innerhalb der Lufthansa-Gruppe
Air Dolomiti wurde im Jahr 1991 gegründet und hat ihren operativen Hauptsitz sowie ihre Basis auf dem Flughafen Verona. Seit dem Jahr 2003 befindet sich das Unternehmen im vollständigen Besitz der Deutschen Lufthansa AG. Innerhalb des Konzernverbunds erfüllt die Fluggesellschaft eine wichtige Zubringerfunktion. Sie transportiert Passagiere aus verschiedenen italienischen Regionen zu den großen Drehkreuzen Frankfurt und München, von wo aus die Reisenden in das weltweite Langstreckennetz der Lufthansa umsteigen können.
Trotz der vollständigen finanziellen und operativen Kontrolle durch den Mutterkonzern hat Air Dolomiti ihren eigenständigen Markenauftritt, ihr eigenes Tarifsystem und das charakteristische Kabinenprodukt beibehalten. Die Flotte, die primär aus modernen Regionalverkehrsflugzeugen des Typs Embraer 195 besteht, ist optimal auf Kurzstrecken und kleinere regionale Flughäfen ausgelegt. Die aktuellen Streckenstreichungen zeigen jedoch, dass auch die enge Anbindung an das Drehkreuzsystem der Lufthansa keinen automatischen Schutz vor den ökonomischen Realitäten des stark schwankenden Tourismusmarktes bietet. Wenn Passagiere in den Wintermonaten vermehrt auf die Bahn, das eigene Automobil oder auf Direktflüge von Mitbewerbern ausweichen, geraten die Zubringerdienste unter Rentabilitätsdruck.
Verschiebungen im Wettbewerbsumfeld am Flughafen Frankfurt
Während sich die Tochter der Lufthansa von bestimmten italienischen Destinationen zurückzieht, nutzen andere Marktteilnehmer die frei werdenden Kapazitäten oder setzen auf andere Marktsegmente. So hat die deutsche Fluggesellschaft Condor ihr Angebot in Richtung Italien in den vergangenen Monaten gezielt ausgebaut. Nachdem Condor bereits im Jahr 2025 die Großstädte Mailand und Rom in ihr Flugprogramm ab Frankfurt aufgenommen hatte, folgten zur Sommersaison weitere touristische Ziele in Italien. Dieser Ausbau steht im Gegensatz zur Konsolidierung bei Air Dolomiti und signalisiert, dass der Markt für Flüge nach Südeuropa in Bewegung bleibt.
Der Flughafen Frankfurt verzeichnet trotz der punktuellen Rückzüge einzelner Fluggesellschaften ein hohes Verkehrsaufkommen. Im Sommerflugplan des Jahres 2026 starten insgesamt 88 Fluggesellschaften zu 283 Destinationen in 92 Ländern weltweit. Dies unterstreicht die Rolle des Standorts als zentraler europäischer Luftverkehrsknotenpunkt. Für die Betreibergesellschaft Fraport bedeuten die Routenstreichungen von Air Dolomiti zwar einen kurzfristigen Verlust von Flugbewegungen in einem spezifischen Ländersegment, diese können jedoch durch die hohe Nachfrage anderer internationaler Airlines und die Vergabe von Start- und Landerechten an alternative Anbieter kompensiert werden.
Wirtschaftliche Aspekte und kritische Betrachtung des Regionalflugsektors
Die Streckenstreichungen bei Air Dolomiti werfen ein Schlaglicht auf die allgemeine wirtschaftliche Situation von Regionalfluggesellschaften in Europa. Diese Unternehmen operieren oft mit geringeren Margen als große Netzwerk-Carrier oder spezialisierte Billigfluggesellschaften. Die Fixkosten für Flugzeugleasing, Personal und Flughafengebühren bleiben auch bei einer geringen Auslastung im Winter konstant hoch. Wenn touristische Destinationen in der Nebensaison nicht genügend Geschäftsreisende anziehen, um die Flugzeuge zu füllen, wird der Betrieb schnell defizitär.
Kritiker aus der Luftfahrtbranche geben zudem zu bedenken, dass die Konkurrenz durch den Ausbau des europäischen Hochgeschwindigkeitsbahnnetzes im Kurzstreckenbereich zunimmt. Insbesondere Ziele in Norditalien wie Triest oder Genua sind von Süddeutschland aus zunehmend besser auf dem Schienenweg erreichbar. Fluggesellschaften müssen daher genau abwägen, auf welchen Routen ein zeitlicher und preislicher Vorteil gegenüber terrestrischen Verkehrsmitteln besteht. Die Entscheidung von Air Dolomiti, die Reißleine zu ziehen, ist somit ein Beleg für eine marktorientierte Kapazitätssteuerung, bei der unrentable Flugverbindungen konsequent gestrichen werden, um die wirtschaftliche Gesamtleistung des Unternehmens nicht zu gefährden.