Die Fluggesellschaft Ryanair berichtet von einer deutlichen Verschiebung der Passagierströme im mitteleuropäischen Luftverkehr.
Nach Angaben des Unternehmens verzeichnete der Flughafen Wien im Juni 2026 einen Rückgang des Verkehrsaufkommens um sechs Prozent. Im selben Zeitraum meldete der nur etwa 80 Kilometer entfernte Flughafen in Bratislava ein signifikantes Wachstum. Für das erste Halbjahr 2026 weist der slowakische Standort einen Anstieg der Fluggastzahlen um 123 Prozent aus, was auf eine zunehmende Verlagerung von Verkehrsanteilen in das Nachbarland hindeutet.
Als Hauptursache für diese gegensätzliche Entwicklung nennt die Fluggesellschaft die unterschiedliche Gestaltung der Standortkosten. Während die Slowakei durch gezielte Reformen die Luftverkehrssteuer abgeschafft sowie die Flugsicherungs- und Flughafengebühren gesenkt hat, verbleiben diese Abgaben in Österreich auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Die österreichische Luftverkehrsabgabe von zwölf Euro pro Passagier sowie erhebliche Steigerungen bei den Flugsicherungs- und Flughafengebühren seit der Covid-Pandemie belasten die Wettbewerbsfähigkeit des Wiener Flughafens im Segment der Billigflieger.
Kritiker und Branchenbeobachter geben jedoch zu bedenken, dass die drastischen Formulierungen von Ryanair auch Teil einer gezielten Lobbying-Kampagne gegen staatliche Abgaben sind. Fluggesellschaften nutzen die Drohung mit Kapazitätsverlagerungen regelmäßig, um Druck auf Regierungen und Flughafenbetreiber zur Senkung von Entgelten auszuüben. Zudem ist die Passagierstruktur in Wien breiter aufgestellt und weniger stark von einzelnen Billigfluggesellschaften abhängig als in Bratislava, was den Wiener Standort widerstandsfähiger gegen Schwankungen im Niedrigpreissegment macht. Dennoch verdeutlicht die aktuelle Entwicklung den harten Standortwettbewerb in der europäischen Luftfahrtbranche.